Solothurn
Solothurn gab dem berühmten Autor die Inspiration

Dennis Meadows, der Autor der «Grenzen des Wachstums», lebte als Student in Solothurn.Im Sommer 1959 verbrachte ein 17-jähriger Austauschschüler aus Rochester, Minnesota, unzählige Stunden in der Altstadt von Solothurn.

Urs Byland
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Dennis Meadows (70) warnt vor grenzenlosem Wachstum.

Dennis Meadows (70) warnt vor grenzenlosem Wachstum.

Angel Sanchez

Im Sommer 1959 verbrachte ein 17-jähriger Austauschschüler aus Rochester, Minnesota, unzählige Stunden in der Altstadt von Solothurn. Der junge Amerikaner lief stundenlang durch die Gassen und versuchte, sich das Leben vorzustellen, das hier vor Jahrhunderten stattfand, denn zu Hause in Rochester war das älteste Gebäude ein Blockhaus aus dem Jahr 1864.

Der damals junge Austauschstudent zeigt sich noch heute extrem beeindruckt von Solothurn. «Unsere lokale Geschichte war weniger als 100 Jahre alt. In Solothurn geht die Geschichte bis in die Altsteinzeit, und Solothurn war in der Römerzeit eine wichtige Stadt.»

13 Jahre nach seinem Aufenthalt in Solothurn, der drei Monate dauerte und vom American Field Service-Programm ermöglicht wurde, sollte Dennis Meadows weltberühmt werden. Zusammen mit seiner Frau Donella und den Mitarbeitern am Jay W. Forresters Institut für Systemdynamik schrieb er im Auftrag des Club of Rome eine Studie zur Lage der Menschheit, die bis heute eine unglaubliche Dynamik ausgelöst hat: «Die Grenzen des Wachstums». Über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen dieses Buches wurden bisher verkauft. 1973 wurde der Club of Rome dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die Studie hat den Fortschrittsglauben der Menschen nachhaltig erschüttert.

Lehrreicher Besuch in Solothurn

Der junge Dennis Meadows, der damals nur wenige Worte Deutsch sprach, hatte nach eigenen Worten einen «unglaublich interessanten und lehrreichen Besuch» in Solothurn. Er wohnte am Rosenweg 18 bei der Familie Egeli. Wichtigste Bezugsperson war der damals 16-jährige Sohn Ruedi Egeli, der heute in Genf lebt. «Dennis Meadows war ein sehr offener, ehrlicher und sportlicher Mensch», berichtet Ruedi Egeli.

Sie hätten einen schönen Sommer verlebt und seien oft im Schwimmbad anzutreffen gewesen. «Er war ein ausgezeichneter Schwimmer.» Ruedi Egelis Vater habe ihm auf Reisen einiges von der Schweiz gezeigt. «Wir führten lange Diskussionen über politische Systeme. Dennis Meadows war damals schon sehr ökologisch bewusst.» Heute liest Meadows perfekt Deutsch. Schreiben kann er aber besser in Englisch, obwohl er Deutsch studiert hatte, wie er in einem E-Mail erklärt. Der 70-Jährige lebt in New Hampshire.

In den Medien wird er als «Untergangsprophet» bezeichnet oder auch schon als «Nostradamus der Moderne» (http://www.ee-news.ch/de/erneuerbare/article/24876/aspo-interview-mit-dennis-meadows). Dass sich die Menschheit nicht an seine Warnungen gehalten und einen gleitenden Prozess ins Zeitalter der Wachstumsgrenzen organisiert habe, frustriere ihn. «Es gibt einfach kein endloses physisches Wachstum auf einem endlichen Planeten. An einem bestimmten Punkt hört das Wachstum auf. Entweder wir selbst stoppen es, indem wir unser Verhalten ändern. Oder der Planet stoppt es. 40 Jahre später muss man leider sagen: Wir haben im Grunde genommen gar nichts getan», sagt er in einem Interview im österreichischen «Format».

Katastrophen seien der Weg, wie der Planet seine Probleme löst, mahnt er. Die Illusion aber, durch seine Globalstudien das Verhalten der Menschen zu beeinflussen, habe er inzwischen aufgegeben. «Wir werden die Energiekrise erst wahrhaben wollen, wenn wir nicht mehr genug haben, um Auto zu fahren oder das Licht anzuschalten.»

Mit dem Schiff nach Europa gereist

Meadows reiste 1959 mit einer Gruppe von Austauschstudenten mit dem Schiff nach Europa. Etliche der Studenten flogen mit einem Propeller-Flugzeug zurück, das zum Tanken zwischenlanden musste. Sein Aufenthalt in Solothurn prägte den jungen Meadows. Er habe ihm die Augen dafür geöffnet, dass es Zivilisationen gibt, die viel weiter zurückreichen als bis 1492, schreibt die «Frankfurter Allgemeine».

Er habe begonnen, von Jahrzehnten in Jahrtausende umzudenken. Und im «Alten Europa» scheint zum ersten Mal eine Idee davon auf, was seine berufliche Bestimmung sein könnte: «Von der Reise nahm ich die Erkenntnis mit, dass ich mich selbst arm mache, wenn ich etwas abgebe. Wenn ich aber Ideen habe, kann ich andere reicher machen und sie trotzdem behalten. Das brachte mich dazu, Lehrer zu werden.»