Objet Soleure
Solothurn feiert die Wiedergeburt des «objet soleure»

Das «objet soleure» steht wieder an seinem Platz. Am Mittwoch wird die umfassend renovierte Monumental-Skulptur offiziell wieder eingeweiht. Ein Entwässerungskanal soll dafür sorgen, dass das Kunstwerk nicht wieder Schaden nimmt.

Fränzi Rütti-Saner
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In voller Schönheit und Grösse: Das «objet soleure» steht wieder auf der Terrasse der Pädagogischen Hochschule Solothurn.

In voller Schönheit und Grösse: Das «objet soleure» steht wieder auf der Terrasse der Pädagogischen Hochschule Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Fast wäre es zu spät gewesen und das «objet soleure» wäre in der Versenkung verschwunden, oder auf dem Schrottplatz entsorgt worden. 1974 vom Kanton Solothurn als Kunstwerk im öffentlichen Raum vom weltbekannten Künstler Robert Müller (1920–2003) angekauft, verschlechterte sich der Zustand der monumentalen Stahlplastik, die auf der Terrasse der Pädagogischen Hochschule in Solothurn stand, von Jahr zu Jahr. Bereits Anfang der Achtziger- und in den Neunzigerjahren wurde das Objekt kleineren Renovationsarbeiten unterzogen, doch dann schien Ende 2007 das letzte Stündlein für das «objet soleure» geschlagen zu haben. «Aus Sicherheitsgründen», so hiess es damals in einer Medienmitteilung des Kantons, müsse die Skulptur abgebaut werden. Das mittlerweile 35-jährige Kunstwerk weise derart hohe Korrosionsschäden auf, dass es entfernt werden müsse, insbesondere wenn noch Schnee oder Eis die Stahlkonstruktion belasteten. Eine Renovation käme teuer, von rund 100 000 Franken war die Rede. Man werde die Sache genauer anschauen und nach «Vorliegen der Ergebnisse» würden weitere Massnahmen beschlossen.

Müllers Kunst bewegt

Robert Müller (1920–2003) zählt mit Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl zu den bedeutendsten Schweizer Bildhauern der Moderne. Schon in den Sechzigerjahren fand Müller mit seinen Arbeiten internationale Anerkennung. Einem breiteren Publikum wurde Müllers Arbeit bekannt, als 1968 eine Bürgerbewegung verhinderte, dass eine seiner Monumentalplastiken, die sogenannte «Fanfare», beim Gymnasium Langenthal aufgestellt werden konnte. Das Werk wurde trotzdem realisiert und stand dann jahrelang vor dem Zürcher Kunsthaus, bis es 2010 an seinen ursprünglichen Bestimmungsort gebracht wurde. (frb)

Mehrere offene Fragen

Das Schicksal dieses bei der Anschaffung rund 90 000 Franken teuren Kunstwerkes warf mehrere offene Fragen auf: Wer schaut zu den Kunstwerken der Moderne, die in öffentlichem Besitz sind? Wer übernimmt die Kosten bei einer allfälligen Renovierung? Und ein anderer Fragekomplex: Wie weit darf eine solche Renovation gehen?

Beim Neubau des Lehrerseminars Anfang der Siebzigerjahre gab die damalige kantonale Kunstkommission (Vorläufer des heutigen Kuratoriums) Robert Müller den Auftrag zur Schaffung einer «künstlerischen Ausschmückung». Daran erinnert sich André Kamber, damals Präsident der Kunstkommission: «Mit einem Teil des zur Verfügung stehenden Geldes wollten wir einem überregionalen Künstler die Möglichkeit geben, ein Kunstwerk bei uns zu schaffen. Robert Müller bekam den Zuschlag ohne jegliche Auflage in Bezug auf Standort oder Grösse seines Objektes. Er kam nach Solothurn und erkannte sofort, wohin seine Skulptur kommen sollte. Aus heutiger Sicht eine wahnsinnig grosszügige Haltung der damaligen Regierung», lobt Kamber noch heute.

1974 war es dann so weit. Müllers Plastik wurde installiert und André Kamber weiss noch, dass es zunächst nicht nur wohlwollende Reaktionen gab. «Es geschah dann aber mit dem «objet soleure» dasselbe, was mit den meisten Kunstwerken im öffentlichen Raum geschieht. Man nimmt sie nach einiger Zeit fast nicht mehr zur Kenntnis, beachtet sie kaum noch.» Und so nagte der Zahn der Zeit an diesem Werk und niemand fühlte sich verantwortlich dafür. Peter Jeker, jahrelang Zeichnungslehrer an der Kantonsschule Solothurn, stösst dieses Problem schon lange auf. «Man kann nicht einfach ein Werk aufstellen, und es dann sich selbst überlassen. Jedes Objekt – ob Auto oder Haus – muss gepflegt und unterhalten werden. Zudem muss ein Kunstwerk auch vermittelt werden. Man muss damit arbeiten.»

Regierungsrat hat entschieden

Dass es dann schon einiges an Hartnäckigkeit der beiden Kunstkenner gebraucht hat, bis der Regierungsrat entschied, das «objet soleure» zu sanieren, kann man sich denken. Umso grösser jetzt die Freude, dass das Werk wieder in voller Grösse, Schönheit und unversehrt zu bewundern ist. «Bei Spezialisten in St. Gallen wurde das Objekt auseinandergenommen, untersucht und renoviert», erzählt Kamber. Zum Schutz wurde ein Entwässerungskanal im Innern der Skulptur angebracht, damit das Kondenswasser nicht wieder so viel Schaden anrichten kann. Die Hochschule der Künste Bern hat die Renovation fachlich und interdisziplinär unterstützt und darüber wurde eine Bachelor-Arbeit verfasst. Kamber sagt: «Diese Arbeit könnte als Grundlage dienen, wie künftig mit solchen Problemstellungen umgegangen werden könnte. Das wünschte ich mir.»

Peter Jeker und André Kamber hoffen, dass mit dem «Lehrblätz» Robert-Müller-Skulptur nun ein Denkprozess in Bezug auf Kunst am Bau begonnen hat. Denn eines ist sicher: Hätte man früher geschaut, wäre die Renovation der Skulptur nie so teuer geworden.

Bernhard Mäusli: «Es war schon Teuer»

Als die Müller-Skulptur im Jahr 2007 aus Sicherheitsgründen abmontiert und eingelagert wurde, gab der Kanton Solothurn bekannt, dass eine Sanierung des Werkes mit Sicherheit um die 100 000 Franken kosten würde. Wie hoch die Kosten nun tatsächlich waren, weiss Bernhard Mäusli, der Leiter des Kantonalen Hochbauamtes. «Es kostet 120 000 Franken. Es wurde noch teurer, weil wir auch noch beim Fundament Sanierungsarbeiten ausführen mussten.» Künftig werden nun Renovationen oder Sanierungen von «Kunst am Bau» mittels Geldern des Hochbauamtes, welches man auch für den Gebäudeunterhalt einsetzt, bezahlt, so Mäusli. «Ich hoffe aber, dass in Zukunft keine so grosse Ausgabe mehr nötig sein wird. Diese Skulptur war schon teuer.» Entscheiden über Sanierungsmassnahmen und deren Finanzierung werde künftig das Hochbauamt, in Absprache mit dem Amt für Kultur, sagt Mäusli weiter. «In solchen Fällen reden wir miteinander. In Zukunft werden wir schon bei der Anschaffung von Kunstwerken darauf achten, dass diese nicht schon nach zwei Jahren renoviert werden müssen.» Eine bestimmte Summe pro Jahr sei nicht vorgesehen. «Wir entscheiden, wenn Bedarf vorhanden ist.» (frb)

Wiedereinweihung: Mittwoch, 22. Mai, 18 Uhr: Festakt mit verschiedenen Rednern.

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