Solothurn
Es galt das Motto «Nach uns die Sintflut»

Das Solothurner Wetter gab sich im Juli unterkühlt und viel zu nass.

Wolfgang Wagmann
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Der Juli war sehr regnerisch.

Der Juli war sehr regnerisch.

Hanspeter Bärtschi

Wer sich nach einem zu nassen Mai und Juni auf einen heissen, trockenen Juli gefreut hatte, wurde herb enttäuscht: Der Juli brachte noch mehr Regen als die beiden Vorgängermonate, ja er blieb mit einem Monatsmittel von 18,7 Grad auch unter dem Juni-Wert und geringfügig unter dem langjährigen Durchschnitt. Bei den Niederschlagsmengen war das Bild eindeutiger: Mit 264,4 Litern oder Millimeter Regen pro Quadratmeter setzte es im Wallierhof Riedholz die zweieinhalbfache Regenmenge als sonst ab, in Solothurn waren es bei 17 Regentagen insgesamt noch 212,5 Liter – also das Doppelte des Juli-Durchschnitts. Damit kamen seit Anfang Mai in Solothurn 520 Liter Wasser auf einem Quadratmeter zusammen, fast die halbe Jahresmenge in einem eher trockenen Jahr. Ein Ausreisser, der aber noch nicht rekordverdächtig ist: Im Juli 2014 wurden im Wallierhof sogar 268 Liter registriert, und in den Hochwasserjahren 2006 und 2007 im August unglaubliche 271 und 311 Liter. Es wäre also in diesem Sommer noch schier Unmögliches möglich…

Als Noah anfing ein Schiff zu bauen

Der Juli startete durchzogen mit sonnigen Phasen und vorerst wenig Niederschlag. Dieser akzentuierte sich allerdings bis am 8. Juli, und die drei folgenden, eher sonnigen Tage brachten nur eine Pause zum Durchatmen. Denn der Montag, 12. Juli, läutete auch für die Region eine eigentliche Horrorwoche ein: Schwere Unwetter mit Hagelschlag überfluteten vor allem im Limpachtal Keller, zerstörten Kulturen und brachten Ziegel zum Fliegen. In Solothurn liess eine Orkanböe das Gerüst vor dem Rathaus umkippen – zum Glück gab es keine Personenschäden. Auch in den folgenden Tagen jagte eine Gewitterstörung die andere und am 15. Juli schüttete es wie aus Kübeln. So gingen im Wallierhof innert 24 Stunden über 80 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Auf der Gebäudeversicherung herrschte nun Hochbetrieb, und die Aare musste in der Folge wegen Treibholz und enormer abgelassener Wassermengen für jeglichen Freizeitbetrieb mitsamt dem Schiffsverkehr gesperrt werden. Der fast überlaufend Bielersee sorgte dafür, dass auch jetzt noch aareabwärts kein Boot verkehren darf – übrigens erreichte die Wassertemperatur des reissenden Flusses bis jetzt noch nie die 20-Grad-Marke. Ein Novum, denn üblicherweise ist dies Ende Juni fast jedes Jahr der Fall.

Nur eine Verschnaufpause

Erst am Samstag, 17. Juli, setzte sich für eine knappe Woche Hochdruckeinfluss durch und sorgte für eine hochwillkommene Verschnaufpause. Die Tagesmaxima lagen allerdings ständig unter der hochsommerlichen 30-Grad-Marke – keine Spur also von jenen Hitzewellen, die noch in den letzten Jahren jeweils die Schlagzeilen beherrscht hatten. Spätestens am 24. Juli wurde die Region aber wieder von den Realitäten dieses Sommers eingeholt. Weitere gewittrige Schauer, jedoch nicht mit dem Potenzial wie um die Monatsmitte, erhöhten bis am 31. kontinuierlich den Regenkontostand und liessen die Badi-Freaks vollends verzweifeln.

Macht der August mehr Lust?

Mit dem verregneten und unterkühlten Nationalfeiertag hat der August ebenfalls einen Fehlstart hingelegt. Und auch diese Woche wird er gar keine Stricke zerreissen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: In der nächsten, der letzten Ferienwoche deutet sich eine Hochdrucklage an, die einige Tage durchhalten könnte. Nur ein Silberstreif am Horizont, aber immerhin. Denn eigentlich wären noch bis am 21. August die Hundstage am Drücker – von ihnen ist allerdings bis anhin sehr wenig zu spüren.

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