Solothurn
Eine neue Ausstellung in der Galerie Löiegruebe zeigt poetische Werke einer gestandenen Künstlerin

«Schatten der Erinnerung» – Unter diesem Titel werden die Werke von Anne Rüede in der Galerie Löiegruebe in Solothurn gezeigt.

Eva Buhrfeind
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Anne Rüede vor ihren Bildern in der Galerie Löiegruebe.

Anne Rüede vor ihren Bildern in der Galerie Löiegruebe.

Eva Buhrfeind

Mit «Schatten der Zeit, des Lebens und der Erinnerung» umschrieb Anne Rüede einmal die ästhetische Intensität der Farbräume, die doch mehr sind: malerische Sinnesreisen, mit denen sie den Raum zum Klingen bringt. Und über die sich zeichenhaft anmutende «Spuren der Erinnerung» legen als Zeugnis einer ungebrochenen, jugendlichen Energie ihres Kunstschaffens – bis ins 87. Lebensjahr.

Rüede setzt Zeichen mit ihrem unverkennbaren künstlerischen Leitmotiv der schöpferischen Formvollendung: In sich ruhende, tiefgründige, klangvolle Farbräume, die aus einer feinsinnigen, ja nachhaltigen Philosophie leben. Schöpferisch frei entwickelt sie immer wieder neu ein Ritual der Kontemplation und des Gleichklangs, der mit Bedacht gesetzten Kontrapunkte, Bewegungen, zarten Schleier des Momentes, bis eine formvollendete Ästhetik resultiert.

Eine Leidenschaft für traditionelle Maltechnik

Stets wird ihren künstlerischen Ausdruck von einem ebenso konzentrierten wie bewussten Wissen um die Kraft der Wandlungen und Erweiterungen, der Zwischentöne und einander korrespondierenden Farbklänge geleitet, deren strenge unverkennbare Reduktion belebt wird durch malerische Momente, tänzerisch anmutende gestische Formationen.

Diese schlichte Eleganz ist bei Rüede letztendlich das Resultat einer umgesetzten künstlerischen Ganzheitlichkeit von der Bildwerdung bis zum Ausstellungskonzept: Sorgsam entwickelt sich bei ihr aus der Leidenschaft zur traditionellen Maltechnik in Eitempera ein vielschichtiger Malakt als eine Auseinandersetzung mit der Farbmaterie, die sie immer noch sorgfältig selbst herstellt, wie sie auch die Pigmente selber mischt.

Ebenso wesentlich für die Bildgestaltung ist der gleichermassen aufwendige Prozess von Bildgrund und -träger. Sei es auf Holzkassette oder Büttenpapier, die sie in Schichten mit Gaze und Gesso vorbereitet. Ja, es ist eine immer wieder neu zu erlebende, leise Welt der Farbtöne, die der Stille Raum geben und gleichzeitig eine leise Musikalität in sich tragen und in sich ruhend eine Art Gegenposition zu unserer schnelllebigen, lauten Zeit bilden. Und deren Konzentration die Künstlerin mit zeichenhaft gesetzten Akzenten oder Kontrasten raffiniert aufbricht.

Jede farbkompositorische Wandlung, die raffiniert modulierten Oberflächen, die dezenten Resonanzen darunterliegender Farbschichten sind erlebte Entstehungsprozesse, die ohne grosse lautmalerische Gesten auskommen. Anne Rüedes Œuvre unterliegt einer subtilen Poesie, mit deren vollkommener Harmonie die Künstlerin «das, was hinter den Dingen liegt, erfahrbar machen möchte».

Die Kontinuität ist für Rüede charakteristisch als Ausdruck einer Wandelbarkeit in der Konstanz der persönlichen Bildgebung. So erscheinen auch ihre neuen Arbeiten unter diesem Aspekt reif und frisch zugleich, erfahren und präsent.

Ausstellungsdauer vom 8. bis zum 29. Mai. Am Samstag, 8. Mai um 14 Uhr wird die Ausstellung mit einer Einführung von Eva Buhrfeind eröffnet. Öffnungszeiten: Freitag, 17 – 20 Uhr, Samstag, 14 – 18 Uhr und auf Anfrage. Mehr Informationen unter loiegruebe.ch