Solothurn
Ein seltenes historisches Stück: Das Ostergrab

Im Museum Blumenstein in Solothurn kann man ab Dienstag die Trouvaille aus dem 15. Jahrhundert bestaunen. Das Ostergrab ist eine Seltenheit, denn in der Schweiz gibt es nur noch wenige solche Fundstücke zu begutachten.

Judith Frei
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Ostergrab Museum Blumenstein

Ostergrab Museum Blumenstein

Zvg

Das Krippenspiel, bei dem das Jesuskind im Stroh liegt umrahmt von Maria und Josef und den Stalltieren, hat ein Pendant für die Osterzeit: Das Ostergrab. Im Spätmittelalter wurde es jeweils um die Osterzeit in der Kirche aufgestellt. An Karfreitag lag eine Jesus-Skulptur drin, die dann auf Christi Auferstehung wieder daraus entfernt wurde.

«Diese Installationen sollten den Leuten vor Augen führen, um was es bei diesen Festtagen geht»,

weiss Erich Weber, Konservator des historischen Museums Blumenstein. An einigen Orten, wie im luzernischen, wurde daraus eine regelrechte Performance gemacht, bei dem die Jesus-Figur aus dem Gewölbe der Kirche gezogen wurde.

Man dürfe nicht vergessen, dass es zur damaligen Zeit kaum andere Unterhaltungsmöglichkeiten gab. «Obwohl die Menschen in dieser Zeit sehr religiös waren, hatten sie ein ungezwungenes Verhalten in der Kirche», kontextualisiert Weber. Es war ein Ort wo man sich traf und unterhalten wurde. Anfang des 19. Jahrhundert kamen diese Spiele aus der Mode. Die Ostergräber verschwanden aber schon während der Barockzeit, da sie aus der Mode fielen, erklärt der Museumsdirektor.

In der ganzen Schweiz gibt es nur drei Ostergräber

Dem Museum Blumenstein gehört ein Ostergrab, das aktuell ausgestellt wird. In der Schweiz gibt es lediglich noch zwei. Eine ist in Fribourg und das andere Zug. «Wir hatten ein Glück, dass wir überhaupt zu diesem Objekt gekommen sind», erzählt Weber. Die «Holzkiste» wurde 2011 im Estrich des Pfarrhauses von Biberist vom Pfarrarchivar Viktor Marti entdeckt. Dieser realisierte erst, dass es sich um ein Ostergrab handelt, als er zufällig im Historischen Museum Fribourg das Grab aus dem Kloster Magerau sah. So kam das Museum Blumenstein zu diesem wertvollen Stück aus dem 15. Jahrhundert. «Das war eine Sensation», erklärt der Historiker: «Das Grab wurde lange als Kornschütte benutzt, davon zeugen Kornüberreste, die wir bei der Konservierung gefunden haben.»

Ostergrab im Museum Blumenstein

Ostergrab im Museum Blumenstein

Hansjoerg Sahli

Das Grab besteht aus billigem Tannenholz, daher ist es relativ leicht. Die Malerei sei aber qualitativ gut. «Es muss auch gar nicht stabil sein, sondern einfach gut aussehen», meint Weber schmunzelnd. Von der Malerei sind drei Seiten gut erhalten, die Vorderseite mit den drei Marien sei besonders hübsch, erklärt er. Auf den anderen Seiten sieht man die schlafenden Soldaten.

Die Marien haben Töpfe in der Hand, die zeigen, dass sie den Leichnam von Jesus noch einbalsamieren wollten. Die drei schlafende Soldaten hätten das Grab von Jesus bewachen sollen. Da sie eingeschlafen sind, aufersteht er ohne Zeugen. Das Stück ist in der Kapelle im Museum Blumenstein ausgestellt und kann ab Dienstag bis zum 11. April angeschaut werden. «Wir stellen es jeweils nur für kurze Zeit aus, da es sehr fragil ist. Normalerweise ist es in unserem dunklen Lager.»