Solothurn
Ein Museum, das auch auf dem Sofa besucht werden kann

Der Konservator des Kunstmuseum Christoph Vögele erklärt, wieso er virtuelle Rundgänge wichtig findet. Der Fotograf Felix Gerber erläutert, wie ein solcher Rundgang entsteht.

Judith Frei
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Die Ausstellung von Albert Trachsel ist seit Dezember geschlossen.

Die Ausstellung von Albert Trachsel ist seit Dezember geschlossen.

Michel Lüthi

Es regnet, der Wind pfeift durch die Gassen, die Wolken hängen tief über der Stadt. Wetter, das sich für ein Museumsbesuch anbietet, der Licht und neuen Schwung in den Alltag bringt. Das Kunstmuseum Solothurn wirbt genau dafür mit einem farbigen Plakat für eine Ausstellung: «Albert Trachsel (1863 - 1929), Eine Retrospektive» ist der Titel.

Christoph Vögele, Konservator, Kunstmuseum Solothurn

Christoph Vögele, Konservator, Kunstmuseum Solothurn

zvg

«Das war eine sehr aufwendige Ausstellung», erklärt Konservator Christoph Vögele vom Kunstmuseum. Der Schweizer Künstler Trachsel sei eine Wiederentdeckung gewesen, und er habe sich gefreut, diese mit seinem Publikum zu teilen. So war die Enttäuschung gross, als er im Dezember nach nur acht Wochen die Türen wieder schliessen musste.

Als im Januar klar wurde, dass die Museen noch längere Zeit geschlossen bleiben, beschloss Vögele, die Ausstellung im digitalen Raum zugänglich zu machen.

Die Ausstellung wird für alle zugänglich

Der Fotograf Felix Gerber kam nun zum zweiten Mal in das Kunstmuseum, um die Ausstellungsräume zu fotografieren. Schon im Frühling letzten Jahres hat er einen Teil der Sammlung des Museums fotografiert und daraus einen Rundgang kreiert. Gerber hat diesen Auftrag gerne gemacht, auch weil er mit der Region verbunden ist. Er ist in Halten aufgewachsen, hat für diese Zeitung fotografiert und ist nun im Kanton Bern zu Hause.

«Ich war für drei bis vier Stunden im Museum, und dann war alles im Kasten», sagt Gerber. Dafür benutzte er eine Matterport. Das ist eine spezielle Kamera, die 360-Grad-Bilder aufnimmt.

Die Kreise auf dem Boden zeigen an, wo die Kamera gestanden ist.

Die Kreise auf dem Boden zeigen an, wo die Kamera gestanden ist.

Screenshot

Dadurch kann man während des virtuellen Rundgangs an einem Ort stehen bleiben und sich um seine eigene Achse drehen. Die virtuelle Ausstellung kann gemäss den eigenen Gewohnheiten besucht werden: Entweder man studiert jedes Bild einzeln, oder man kann sich in die Mitte des Raums stellen und den ganzen Raum betrachten.

150 Panoramabilder in einem Rundgang

Auf dem Boden sieht man in regelmässigen Abständen Kreise. «Auf diesen Kreisen ist die Kamera auf einem Stativ gestanden und hat den ganzen Raum aufgenommen», erklärt Gerber. 18 Bilder macht die Kamera für eine Panoramaansicht – insgesamt 150 Kreise findet man in der ganzen Ausstellung.

Felix Gerber mit seinem Arbeitsinstrument dem Matterport.

Felix Gerber mit seinem Arbeitsinstrument dem Matterport.

Felix Gerber Fotografie

Die Kamera misst gleichzeitig den Raum aus, so hat Gerber auch eine 3-D-Installation des Museums angefertigt, so weiss der virtuelle Museumsgänger, wo er sich im Haus befindet.

Gerber macht solche Rundgänge schon seit eineinhalb Jahren. Als letztes Jahr während des ersten Lockdowns die Museen schliessen mussten, erwartete er einen Anstieg der Aufträge. Doch dieser blieb aus. «Viele Museen haben wenig Ressourcen und das Gefühl, dass das sehr aufwendig ist», vermutet Gerber. Dabei könne ein solcher Rundgang innerhalb von wenigen Tagen realisiert werden.

Rechtliche Aspekte müssen abgeklärt werden

Vögele meint, dass es keine finanziellen Anreize gibt, einen solchen Rundgang zu realisieren. Aber: «Wir haben als Museum auch einen vermittelnden Auftrag», so Vögele. Durch den Rundgang haben die Besucher immer noch einen Weg, die Bilder anzuschauen und sich zu informieren. «Es ist eine Möglichkeit für uns, in Kontakt mit unserem Publikum zu bleiben.»

Screenshot aus dem virtuellen Rundgang.

Screenshot aus dem virtuellen Rundgang.

Screenshot

Die Herausforderungen seien überwiegend rechtlicher Natur. Erst 70 Jahre nach dem Tod eines Kunstschaffenden würden die Bildrechte erlöschen und eine Verbreitung durch einen Rundgang im digitalen Raum unproblematisch. Trachsel ist schon in den 1920er-Jahren verstorben, so sei das kein Problem mehr, bei einigen Werken in der Sammlung sei das anders. Daher sind nicht alle Räume offen, und manche Werke können nicht aus der Nähe betrachtet werden, dies soll die Neugierde des Publikums wecken.

Dass einige Räume virtuell verschlossen bleiben, könne auch sein Publikum «gluschtig» machen. Vögele freut sich darauf, wenn die Türen wieder geöffnet sind. «Ein Museum ist auch ein Treffpunkt und für mich wäre es ein Albtraum, wenn nur noch virtuelle Besuche möglich wären», sagt Vögele.

Auf der Website des Kunstmuseums kann man neben den virtuellen Rundgängen auch Gespräche über verschiedene Ausstellungen anschauen, sogenannte «Hörbilder» hören und einen Teil der Sammlung anschauen.

Naturmuseum Solothurn

Die virtuelle Tour des Naturmuseums führt durch die drei Stockwerke der Dauerausstellung. Dieser Rundgang präsentiert überblickshaft die Ausstellungsobjekte und macht Lust nach mehr. «Nichts ersetzt den realen Besuch eines Museums, den direkten Kontakt mit den Objekten», kann man treffend auf der Website lesen.

Museum altes Zeughaus

Das Museum Altes Zeughaus hat unter dem Titel «Museum für Daheim» verschiedene Gespräche mit Expertinnen und Experten über historische Themen für sein Publikum aufgeschaltet. Kurze Filme, in denen gewisse Ausstellungsobjekte erklärt werden, bieten Einblicke in das Museum. Einen virtuellen Rundgang, der durch das Museum führt, gibt es nicht.

Historisches Museum Blumenstein

Das Museum Blumenstein hat keinen virtuellen Rundgang, sondern setzt auf ein spielerisches Angebot für sein Publikum. Auf ihrer Website findet man über 20'000 Objekte in ihrem Katalog und das Online-Spiel «Troggen» gibt es zu entdecken.

Enter

Auf der Website des Museums hat man heute lediglich Zugang zu 10'000 Objekten. Eine virtuelle Tour wird in den nächsten Wochen aufgeschaltet.