Podiumsdiskussion
Duell ums Solothurner Stadtpräsidium: Die zweite Wahlkampfrunde ist im Gang

Stefanie Ingold und Markus Schüpbach sind im Wahlkampf um das Solothurner Stadtpräsidium und trafen sich im Landhaus für eine Podiumsdiskussion.

Judith Frei
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Stefanie Ingold, Fabian Schäfer, Markus Schüpbach in der Säulenhalle.

Stefanie Ingold, Fabian Schäfer, Markus Schüpbach in der Säulenhalle.

Michel Lüthi

Alle wüssten, was es jetzt geschlagen habe: In weniger als 20 Tagen werde ein neuer Kopf für das Stadtpräsidium gewählt, sagt der Solothurner Journalist Fabian Schäfer zur Begrüssung. Er steht in der Säulenhalle mit rund 75 Zuhörerinnen und Zuhörern, gleich werden die Kandidierenden für dieses Amt unter seiner Regie ihre Klingen kreuzen. Organisiert wurde das Podium von der Standortförderung Espace Solothurn, vom Industrieverband Solothurn und Umgebung und der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn.

Schäfer will, dass das Publikum bis am Ende des Gesprächs mehr Klarheit über die Persönlichkeit und die Motivation von Stefanie Ingold (SP) und Markus Schüpbach (FDP) erlangen. Man wisse noch wenig über sie, da sie aus dem Nichts aufgetaucht seien. Zudem: «Die Wahlslogans und auch die Texte auf ihren Websites sind keine Extrembeispiele an klaren Botschaften.»

Zum Einstieg versucht er die Kandidierenden staatspolitisch einzuordnen. Ist Markus Schüpbach für mehr Freiheit und weniger Staat oder gar ein verkappter Etatist? «Ich bin ein Förderer und Forderer», antwortet er auf diese Frage. Das würde ihn antreiben, sei das in der Familie oder im Unternehmen. Er sei für das CO2-Gesetz gewesen, antwortet er auf die Nachfrage.

«Frau Ingold, stehen sie links oder ganz links?», fragt Schäfer die SP-Frau. Sie sei in einem CVP-Haushalt aufgewachsen, was sie geprägt habe, erklärt sie. Leistungsbereitschaft und auch Verantwortungsbewusstsein, das seien wichtige Stichworte für sie. Und die 99-Prozent-Initiative der Juso? Die lehne sie ab, die Initiative sei zu wenig ausgereift.

Was verändert sich ab dem 1. November?

Was sich im Vergleich zu heute verändern würde, wenn die Kandidierenden ins Stadtpräsidium einziehen? Schüpbach meint darauf, dass er mehr Zeit aufwenden würde, den Bürgern zuzuhören.

Ingold tat sich bei dieser Frage schwerer und will sich nicht an einer Veränderung festmachen. Man könne nicht einfach mit den eigenen Vorstellungen durchmarschieren, sondern es sei eine Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung. «Was ich bestimmt nicht machen werde, das ist die Aktien der Regiobank zu verkaufen, was gerüchtehalber in der Stadt erzählt wird», sagt Ingold, das liege auch gar nicht im Kompetenzbereich eines Stadtpräsidenten. Als Stadtpräsidentin könne sie bestimmt die Kultur der Verwaltung prägen. Dort werde sie sich um eine offene und kommunikative Kultur bemühen.

Erst die Umkehrung der Frage, was passieren wird, wenn der andere in die Baselstrasse einziehen würde, lockt die Kandidierenden ein wenig aus der Reserve. Ingold ist sicher, dass Schüpbach nur zögerlich in die Infrastruktur investieren und eher mal den Bagger vorfahren lassen würde. Schüpbach sieht unter Ingolds Führung gerade die Steuern und Schulden in die Höhe schnellen.

Doch schon bald gibt es Entwarnung: Für Schüpbach ist die Altstadt unantastbar und Ingold ist sicher, dass man die Investitionen auch ohne höhere Steuern und Verschuldung tätigen kann. Dem pflichtet auch Schüpbach bei.

Wo liegen die Unterschiede?

Um die finanziell schwierige Zukunft zu entschärfen, müsse man auch die laufende Rechnung und die Personalkosten genauer anschauen, meint der FDP-Mann ebenso wie die SP-Frau. Beide sind für ein viertes Parkhaus. Wo Ingold auf ein besseres Busnetz setzt, setzt ihr Kontrahent auf selbstfahrende elektrische Busse, doch die Unterschiede blieben inhaltlich bis zum Schluss klein.

Trotzdem blieb der Eindruck, dass die Kandidierenden nach dem langen Gespräch fassbarer wurden, wenngleich sich der Eindruck eher auf der feinstofflichen Ebene zeigte. Auf der einen Seite Stefanie Ingold, die sich in die Höhle des Löwen wagt und differenziert ihre Haltung und Art verteidigt. So gibt sie eher zur Antwort, dass sie einen Aspekt noch genauer prüfen müsse, statt sich einer Idee zu verpflichten. Auf der anderen Seite Markus Schüpbach, der ein Heimspiel hatte und dabei nicht von abenteuerlichen Ideen wie selbstfahrenden Elektrobussen in der Stadt zurückschreckt.

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