Solothurn
Der Sommer wurde kalt geduscht

Das Solothurner Wetter zeigte im Juni ein heisses und ein nasses Gesicht.

Wolfgang Wagmann
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Regen in Solothurn.

Regen in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Dieser Juni hätte eigentlich «Janus» heissen müssen. Nicht weil der gleichnamige römische Gott dem Januar seinen Namen gegeben hat. Denn der Juni 2021 war mit einem Monatsmittel von 19,6 Grad um satte 2,3 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Was gar nichts ist im Vergleich zum «Horror-Hitze-Juni» 2003, der mit einem Wert von 23,7 Grad den damaligen «Jahrtausendsommer» eingeläutet hatte. Nein, «Janus» besass zwei Gesichter, und diese wies auch der nun verstrichene Monat auf: Die ersten zwei Drittel brachten viel Hitze und wenig Regen, die letzten elf Junitage dagegen so viel Regen, dass es des Guten öfters zu viel wurde. So summierten sich im Wallierhof Riedholz zuletzt 176,9 Liter oder Millimeter pro Quadratmeter zu einem neuen Jahresmonatsrekord, in Solothurn kamen immerhin 148,5 Liter oder das knapp Anderthalbfache der üblichen Juni-Menge zusammen.

Nur ein bisschen Badi-Spass

Nach drei schönen, aber mässig warmen Starttagen setzte am 4. Juni ein gröberes Gewitter das erste Ausrufezeichen im Hinblick auf das, was noch kommen sollte. Noch eine Woche lang herrschte ein feuchtwarmer Wettertyp vor, ehe nun zehn trockene, hochsommerlich warme Tage folgten, mit zuletzt Tagesmaxima von über 30 Grad und drei Tropennächten hintereinander. Dies änderte sich abrupt ab dem 20. Juni: In einer noch moderaten Regenphase wurde das Niederschlagsmanko der ersten Monatshälfte zusehends ausgeglichen.

Die grosse Sintflut

Nach einem Marschhalt am 24./25. Juni setzte sich am Sonntagabend des 27. Juni die über Frankreich lauernde Gewitterstörung mit ihren eingelagerten Superzellen auch in unserer Region durch. Heftige Gewitter, Starkregen und Hagelzüge suchten am späten Nachmittag des 28. Juni vor allem den Bucheggberg heim – sie stoppten den Zugverkehr nach Solothurn und sorgten für viele umgestürzte Bäume und geflutete Keller. Auch in den Reben der Bürgergemeinde Solothurn am Neuenburgersee hat es Schäden gegeben, bestätigt Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger. Binnen vier Tagen fielen allein in Solothurn 77 Liter Regen pro Quadratmeter, also gut die Hälfte der Menge im Juni, der es somit auf 14 Regentage brachte.

Nach einer kurzen Beruhigung ist nun die nächste grössere Störung schon am Sonntag wieder im Anmarsch. Danach folgt kein richtig knalliger Hochsommer, auch wenn die Modelle ab Mitte nächster Woche eine «Mini-Hitzewelle» in Aussicht stellen. Aber zunehmend stehen die Zeichen für einen Hitzesommer wie noch 2015 schlecht: Immer wieder mischt sich kühlere Atlantikluft in die entstehenden Hochdruckgebiete ein – es dürfte wohl eher wechselhaft und angenehm warm statt brütend heiss bleiben. Der Sommer ist auch noch nicht richtig in die Gänge gekommen: Der viele Regen hat zuletzt die Aare hartnäckig bei 18 Grad verharren lassen – ein schwacher Trost für alle «Stand-sit-Paddler» und kaum eine Motivation zum Gummitier-Planschen.