Solothurn
Der mit den Gefässen: Die Freitagsgalerie zeigt Bilder von Roland Adatte

Der Solothurner Künstler Roland Adatte malt ausschliesslich Gefässe. Nach langer Zeit stellt er wieder in der Freitagsgalerie in Solothurn aus.

Judith Frei
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Bis am 12. Dezember stellt Roland Adatte in der Freitagsgalerie aus.

Bis am 12. Dezember stellt Roland Adatte in der Freitagsgalerie aus.

Hanspeter Bärtschi

Wie eine Gruppe alter Bekannten in grünen Mänteln stehen sie zusammen und schauen neugierig in die kleine Galerie an der Kreuzgasse. Neugierig ist ihr Ausdruck, oder machen sie sich gar lustig über die Besuchenden? Auf einem anderen Bild sieht man sie in Gelb auf gelbem Hintergrund, wie sie ihre Hälse gen Himmel recken. Tanzen oder singen sie? So oder so scheint es ein fröhliches Treffen unter Gleichgesinnten zu sein.

«Roland Adatte malte schon immer Gefässe», erklärt Rolf Imhof über den Künstler, der momentan in seiner Freitagsgalerie ausstellt. «Der Mensch ist ja auch ein Gefäss», sagt er lakonisch. Der Künstler selber sagte einst: «Als wäre das Leben ein Krug und der Kopf ein Gefäss.»

Auf einer anderen Leinwand sind die Gefässe nur skizzenhaft angetönt. Der rote Hintergrund scheint durch sie durch, als ob er die Objekte verschlingen will. Einige sind schon beinahe aufgelöst, als ob sie von einer Flamme gefressen werden.

Ob einzeln oder in der Mehrzahl: Gefässe sind das wiederkehrende Sujet.

Ob einzeln oder in der Mehrzahl: Gefässe sind das wiederkehrende Sujet.

Hanspeter Bärtschi

Eigentlich war es geplant, dass Roland Adatte Anfang Jahr – zu seinem 70. Geburtstag – seine Bilder hier präsentiert. Doch wegen der aktuellen Pandemie ist es nun Ende Jahr geworden. Roland Adatte hat bis zu seinem fünften Lebensjahr in Balsthal und für die nächsten acht Jahre im Heim Bachtelen in Grenchen gewohnt. Nach einer Kürschnerlehre in Solothurn hat er sich autodidaktisch der Kunst genähert. Heute lebt er in Magglingen.

Das schwarze Gefäss hat eine grosse Öffnung, offenbart der betrachtenden Person sein Inneres. Farbige Striche wie die Laser in einem Club sind dort erkennbar. Steigt dort eine Party? Am liebsten möchte man auch den Grund des Gefässes betrachten und schauen, ob sich dort tatsächlich Menschen vergnügen.

Dass es sich um das wiederkehrende und einfache Sujet – das Gefäss – handelt, wird bei der Betrachtung vergessen. Auf jedem Werk entdeckt man Unerwartetes, Lustiges, Trauriges, Bedrückendes. Mit einem beklemmenden Gefühl verlässt man einige Bilder, bei anderen wird man von ihrer Leichtigkeit ergriffen. Jedes hinterlässt Fragen, meist existenzieller Natur, und wirft den Betrachtenden auf sich selber zurück.

Die Frage, warum der Künstler «nur» Gefässe malt, weicht immer weiter in den Hintergrund. Auch er selbst scheint seinen Fokus nicht zu beunruhigen. So sagte er einst: «Ein Architekt baut ein Leben lang Häuser. Ich male Gefässe. Man muss nicht tausend Dinge versuchen. Mit einer Form kann man ein Leben lang arbeiten.»

Roland Adatte stellt bis zum 12. Dezember in der Freitagsgalerie an der Kreuzgasse 5 aus. Die Galerie ist jeweils freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet.

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