Solothurn
Das Zunfthaus zu Wirthen wird verkauft

Die Zunfthaus zu Wirthen AG will das Restaurant und Hotel in der Altstadt verkaufen. Der Wirt und der Verwaltungsratspräsident äussern sich zu den Plänen.

Judith Frei
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Die Zukunft des Zunfthaus zu Wirthen ist ungewiss.

Die Zukunft des Zunfthaus zu Wirthen ist ungewiss.

Hanspeter Bärtschi

Die Enttäuschung ist gross, das hört man Chris van den Broeken an. Der Pächter des Zunfthaus zu Wirthen musste ein bittere Pille schlucken: Die Liegenschaft des Zunfthaus zu Wirthen wird verkauft. «Meine Emotionen sind bisschen ausser Kontrolle», schreibt er auf Facebook.

Eigentlich könnte ihm das egal sein, denn schon im Frühling hat er dem Verwaltungsrat des Zunfthaus zu Wirthen AG unterbreitet, dass er nach 15 Jahren als Wirt des Hotels und Restaurants Zunfthaus zu Wirthen aufhören wird und sich anderen Projekten widmen will. Der Zeitpunkt sei ideal, da sein Pachtvertrag so oder so Ende Jahr auslaufen wird.

Er habe schon früh dem Verwaltungsrat seine Pläne unterbreitet, damit dieser eine Nachfolgelösung finden kann, doch dieser hatte andere Pläne: Das Zunfthaus soll verkauft werden. So kann van den Broeke nun nicht einen Nachfolger präsentieren, sondern muss verlauten, dass die Wirthen verkauft wird.

Nun hat er auch seine Pläne geändert. Anstatt noch bis Ende Jahr das Zunfthaus zu führen, wird es schon Ende Oktober die Türen schliessen. «Wir müssen keine Übergabe auf Ende Jahr machen», erklärt er diesen Schritt.

«Das Team und ich sind sehr enttäuscht über den Verkaufsentscheid», sagt van den Broeke. Insbesondere da sie über die schwierigen Lockdown-Monate immer wieder nach kreativen Lösungen gesucht haben, wie die Hotelzimmer als Homeoffice zu vermieten. Mit solchen Aktionen wurde schweizweit über dieses Gastro-Unternehmen berichtet. Trotz diesem Arbeitseinsatz steht nun sein Team vor dem Aus. «Ich musste allen künden», erklärt van den Broeken: «Das war eigentlich nicht die Idee». Es sei sehr schade, dass das gut funktionierende Team auseinandergerissen werde. Für die fünf Lernenden ist er noch dabei, eine Anschlusslösung zu finden.

Die Bankette und Feste finden noch bis zum Jahresende statt. Ab Januar wird es dann still im Zunfthaus. «Die Fasnacht wird ohne das Zunfthaus stattfinden, das ist sehr tragisch», stellt der Wirt fest (siehe Box).

Fasnachtshochburg: Zunfthaus zu Wirthen

Das Zunfthaus zu Wirthen gilt seit jeher als Fasnachtshochburg in Honolulu. So unterhält die Narrenzunft Honolulu auf ihrem Hilari-Rundgang am 13. Januar zum Fasnachtauftakt jeweils ein gutgelauntes Publikum in der Gaststube mit ihren Pointen. Ebenfalls macht sie am Aschermittwoch bei der närrischen Abdankung dort Station. Die Zunft musste bereits von 2013 bis 2017 auf ein Traditionslokal, die «Couronne», verzichten. Während der Planungs- und Umbauphase wich man deshalb in die Säulenhalle im Landhaus aus. Diese steht allerdings am Hilari 2022 nicht zur Verfügung, weil dann bereits die Filmtage dort gastieren. Das Zunfthaus zu Wirthen wiederum war jeweils aber auch ein beliebter Morgen-Treffpunkt an der Chesslete und Anlaufstelle der Schnitzelbänke am Fasnachtssonntag und -dienstag. (ww)

Wie die Zukunft der traditionsträchtigen Liegenschaft aussehen wird, das weiss auch der Verwaltungsratspräsident der Zunfthaus zu Wirthen AG Raoul Stampfli nicht. Das sei dann Sache der neuen Besitzer. Bis anhin gäbe es schon mehrere Interessenten.

Die Liegenschaft zu verkaufen, sei ein «geschäftspolitischer Entscheid der Aktionäre» gewesen. Das Zunfthaus sei gut geführt worden und das Geschäft laufe gut.

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