Solothurn
Das Künstlerduo und ihre Momente zwischen Wahrheit und Schatten

In der Galerie Löiegruebe in Solothurn sind Werke des Künstlerduos Gen Atem und Miriam Bossard zu sehen.

Eva Buhrfeind
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Blick in die derzeitige Ausstellung in der Galerie Löiegruebe: Es sind Werke des Künstlerduos Gen Atem und Miriam Bossard ausgestellt.

Blick in die derzeitige Ausstellung in der Galerie Löiegruebe: Es sind Werke des Künstlerduos Gen Atem und Miriam Bossard ausgestellt.

Eva Buhrfeind

Dass man Gen Atem durchaus als einen der Pioniere der europäischen Urban-Art-Bewegung bezeichnen kann, wird eindrücklich mit seiner Biografie bestätigt, wobei man hier eben auch die Graffiti-Kunst und die Street-Art miteinbeziehen muss. Es waren die 1980er-Jahre mit dem Aufkommen des New Yorker Hip-Hop-Undergrounds, die Begegnung mit den Stars der Urban-Art-Szene in New York, deren Einfluss Wegbereiter für den jungen Künstler war, der bereits in den 1980er-Jahren zahlreiche Ausstellungen und Performances realisierte. Sowohl in grossen Teilen der Schweiz und Europa als auch in den USA.

Anschliessend an die New Yorker Zeit studierte der Künstler mit dem Pseudonym Gen Atem in einem buddhistischen Kloster östliche Philosophie und Kalligrafie und erhielt 1999 sogar die Weihen zum Zen-Priester. Ein spannungsvoller Lebensweg, den er seit etlichen Jahren mit neuen eigenständigen Bildsprachen geht, seine Kunst im Spannungsfeld zwischen Kontemplation und Aktion inszeniert – seit über zehn Jahren als eine diszipliniert und kongenial gelebte Kollaboration mit seiner Lebenspartnerin Miriam Bossard.

Beide lernten sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich kennen und lebten danach einige Jahre in New York. Gemeinsam haben sie zahlreiche Einzelausstellungen in Zürich, New York, Paris, Berlin, Bregenz, Istanbul und Tokio bestritten. Das Künstlerduo ist auch in der Region Solothurn schon präsent wie zurzeit mit dem grossen Mural von Blocher im Attisholz-Areal.

Eines der Bilder.

Eines der Bilder.

Eva Buhrfeind

Auseinandersetzung mit der klassischen Collage

Im Gegensatz zu Gen Atem setzt sich Miriam Bossard, sie absolvierte in New York ihren Masterstudiengang in Fine Arts, mit der Tradition der klassischen Collage auseinander, deren Elemente sie wechselwirksam zusammenführt. Beide Kunstschaffende sind zudem ausgebildete Grafiker und so ist auch ihre – gemeinsame – Herangehensweise an ein Bild, an eine bildnerische Aktion von diesen verschiedenen und gemeinsamen künstlerischen Absichten und Motiven geprägt.

Ein Künstlerduo, das als Einheit Hand in Hand arbeitet, gemeinsam Grenzen auslotet, sich ergänzt, inspiriert und fordert. Ihre kollektiven Arbeiten, wie sie hier in der Galerie Löiegruebe zu erleben sind, zeichnen sich durch eine innere und äussere formale Einheit aus, wechselwirksam kuratiert der eine, mal die andere. Diese Balance zeigt sich im Vergleich der beiden Bildserien. «Truth», das ist dieses rätselhafte Spannungsspiel zwischen Wahrnehmung und Irritation, zwischen filmisch-grafischem Moment und malerischer Intervention.

Die zugrunde liegenden Fotografien sind auf ihren vielen Reisen in New York, Paris, Tokio, aber auch an verschiedenen Orten in der Schweiz entstanden. Für eine gewisse einheitliche, seriell wirkende Stimmung wurden die Aufnahmen in der Farbgebung angepasst, als Fine Art Print gedruckt, anschliessend mit der Spraydose dramaturgisch übermalt. Derart, dass die realen Orte durch die schattenhaften Farbschleier und Wolken eine rätselhafte Unwirklichkeit erreichen und in der Überlagerung fotografischer und malerischer Mittel assoziative Metaebenen generieren, die filmisch imaginative Momente illusionieren. Irreale Orte nun, die neu betrachtet und wahrgenommen werden müssen.

Eines der Werke in der Galerie Löiegruebe.

Eines der Werke in der Galerie Löiegruebe.

Eva Buhrfeind

In der Serie «Para» hat eindeutig Miriam Bossard den Lead. Mit verschiedensten Techniken und Medien wie Collage, Malerei, Linoldruck, Stempel, Acryl, Tinte sowie Fine Art Print und weniger konzeptuell wie «Truth», sondern eher experimentell, verdichten sich die verschiedenen bildgebenden Prozesse zu einer vielschichtigen floral geprägten Wirkung. Reduziert in der Farbgebung geben die auf die Prints gesprayten Schleier den dichten Bildgeschehen textil anmutenden Reiz, der nicht erkennen lässt, auf welcher Ebene was geschieht oder sich vernetzt.

Hinweis Bis 30.10.2021. Geöffnet: Freitag 17 bis 20 Uhr, Samstag, 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung. Gleichzeitig wird eine Mappe mit fünf signierten Fine Art Prints des kürzlich verstorbenen Dani Jehle vorgestellt. Diese Arbeiten, von Dani Jehle übermalte Fotografien (Franco Müller), entstanden im ersten Lockdown im April 2020.

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