Solothurn
Bilder erzählen von Schicksalen - von leidenden, verzweifelten, aber auch zufriedenen Menschen

In der Galerie Artesol sind Werke vom Solothurner Künstler Robert Keusen zu sehen. Seine Bilder zeigen Menschen – in ihrer Verzweiflung, ihrem Leid, ihrer Betroffenheit, aber auch in ihrer Zufriedenheit.

Adrian Burki
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Dieses Bild von Robert Keusen trägt den Namen «Gelassenheit».

Dieses Bild von Robert Keusen trägt den Namen «Gelassenheit».

Bild: Robert Keusen/zvg

Seit 20 Jahren gibt es nun die Galerie Artesol, die im Jahr 2001 erstmals ihre Türen öffnete. In der ersten Ausstellung im Jubiläumsjahr steht der Solothurner Künstler Robert Keusen im Fokus. Zudem sind einige Werke von Susanne Waelchli ausgestellt.

Kenner braucht man nicht zu sein, um zu begreifen, dass wir hier etwas ganz Besonderes erleben dürfen. «Kunst kommt vom Können» sagt man, und Robert Keusen zeigt uns eindrücklich, was er kann – aber seine Bilder beinhalten mehr, sie entstanden im Erleben aussergewöhnlicher, für uns unvorstellbarer Ereignisse.

Seine Bilder fielen der Zeichnungslehrerin auf – nicht positiv

Künstlerisch tätig zu sein kam bei Robert Keusen nicht erst mit den Erlebnissen in Afrika. Schon in der Schule ist er der Zeichnungslehrerin aufgefallen – allerdings nicht positv – wie Robert Keusen erzählte; er wurde mit seinen Zeichnungen vor der ganzen Klasse blamiert – was hat er wohl da auf seine Bilder gebracht? Vermutlich nicht das, was er hätte zeichnen sollen, sondern bestimmt seine spontanen Einfälle, Fantasien, Träume.

So obsiegten bei Robert Keusen der eigene Antrieb und die Inspiration. Er zeichnete, malte, benutze Kohle, die Kreide, das Aquarell – und Ölfarben. Und was er als Malgrund während seiner humanitären Einsätze benutzte, war häufig das, was er vor Ort vorfand: Karton, Zeitungen, Stoffe, Papier, selten eine Leinwand. Wohl gilt es für Robert Keusen, in seinen Arbeiten eine Balance zwischen den äusseren Eindrücken und der eigenen inneren Verarbeitung zu finden, um dann zu entscheiden, was schlussendlich auf dem Bild entsteht.

Sichtweise ist den Betrachtenden überlassen

Die entstandenen Bilder entstammen einem stillen Beobachter, der den Irrsinn dieser Welt, das Leid und die Not von betroffenen Menschen nicht sensationslüstern abbilden will: Die Sichtweise überlässt er dem Betrachtenden. Robert Keusen überlässt uns den Dialog zwischen Ästhetik des Ausdrucks und der Reflexion des menschlichen Schicksals dieser humanitären Katastrophen.

In seinen Bildern geht es ihm um die Menschen, sie in ihrer Verzweiflung, ihrem Leid, ihrer Betroffenheit, aber auch in ihrer Zufriedenheit zu zeigen. Er zeigt sie in verschiedenen Situationen, die Hintergründe sind den Betrachtenden oft nicht klar, häufig ist es nur der Ausdruck eines Gesichts oder die Sprache eines Körpers, die in uns Assoziationen wecken, manchmal sind die Menschen im eigenen Haus, beim Fischfang, unterwegs, auf der Flucht.

Robert Keusen liebt die Menschen, er nimmt Anteil an ihrem Schicksal. Er ist ein Ästhet, seine Gestalten wahren auch in Situationen der Verzweiflung ihre Würde. Er bildete Menschen aus und lernte ihre Dankbarkeit kennen, die Gewalt von Kriegen und Naturkatastrophen, die Unberechenbarkeit der menschlichen Aggression. All das muss verarbeitet werden — und das hat er getan, auch für uns in seinen Bildern.

Hinweis
Die Ausstellung Lichtblicke 2021 ist in der Galerie Artesol von heute Samstag, 6. März, bis und mit 27. März zu sehen. Weitere Informationen unter: www.artesol.ch