Poetry Slam
Solothurn bewegt sich raus aus dem Schatten der Slam-Hochburg Olten

Seit dreieinhalb Jahren bereichert das Format «Mundgerecht» die Wortkulturlandschaft in Solothurn. Am Samstag beginnt die neue Saison - mit Poetry Slam im Theater Mausefalle.

Andreas Kaufmann
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Chrigu Stuber (Kofmehl, l.) und Christoph Stapfer (Mausefalle).

Chrigu Stuber (Kofmehl, l.) und Christoph Stapfer (Mausefalle).

Andreas Kaufmann

Am Bühnenrand lockt eine Flasche Whiskey – aber noch mehr die Gunst eines hoffentlich wohlwollenden Publikums. Das Prinzip der Poetry Slams ist überall das gleiche: Man kämpft mit Wortgewandtheit um Punkte der aus dem Publikum rekrutierten Jury. Und auch Solothurn spitzt für Vorträge von dadaistisch über unergründlich bis gesellschaftskritisch, von ernst bis lustig seit rund dreieinhalb Jahren die Ohren.

Damals füllte ein Initianten-Team im Umfeld von Kofmehl und Theater Mausefalle die Lücke an Slam-Kultur in Solothurn aus, und brachte ein Licht dorthin, wo die Slam-Hochburg Olten ihre Schatten warf.

Illustre Slam-Geburtshelfer

Dafür holte man auch den Slampoeten Kilian Ziegler an Bord, der damals die nötigen Bande in die «Szene» knüpfte. «Er hat zur Bekanntheit des Poetry Slams in Solothurn beigetragen», erinnern sich Chrigu Stuber vom Kofmehl, Christoph Stapfer von der Mausefalle und Rainer von Arx, der heute als Networker für die «Mundgerecht»-Reihe fungiert. Es gilt auch, die Auftritte der einzelnen Slampoeten an den unterschiedlichen Auftrittsorten zu koordinieren. So sind an den Solothurner Poetry Slams auch die verschiedenen Dialekte aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zu hören.

Kleines Poetry-Slam-Glossar

Heavy Metal: Bei Patzern des Auftretenden ist dieser Schlachtruf oft aus den Publikumsreihen zu hören; ist sicher nicht als Lob zu verstehen.

Opferlamm: Dieser Slampoet macht den Auftakt eines Wettkampfs. Er wärmt die Juroren sozusagen auf, ist aber generell ausser Konkurrenz.

Slam: Als Slam wird ein «Turnier» unter Slam-Poeten bezeichnet.

Virgin: Als Virgin (engl. «Jungfrau») wird ein Bühnenneuling bezeichnet.

Whisky: Die Belohnung für den Gewinner eines Slam-Poetry-Abends. Oft wird die «Beute» unter den Teilnehmenden geteilt. (ak)

Die Verlockung auf Feuerwasser ist die einzige handfeste Entlöhnung für die Wortgewandten. «Meistens reicht es sonst gerade mal für die Spesen. Es braucht darüber hinaus schon Herzblut für die Sache», sagt Christoph Stapfer. Und – könnte man zudem anfügen – der Mut, sich einem zuweilen sehr kritischen Publikum auszusetzen.»

Nicht nur für Eingeschworene

Umso niederschwelliger soll deshalb der Weg in die Zuschauerränge sein. Ist er auch, denn «Mundgerecht» ist keine Veranstaltung ausschliesslich für Eingeschworene. Man sieht immer wieder neue Gesichter im Publikum. «Wir haben sogar Lehrer, die mit ihren Schulklassen die Slams besuchen», so Stuber. «Es ist schon geschickt, die Schüler über diese kurzen Sprachepisoden fürs Fach zu begeistern.» Man könnte sich daher auch vorstellen, den Kontakt zu Schulen zu intensivieren.

Zuguterletzt bietet «Mundgerecht» auch die Möglichkeit, Kofmehl-Besucher für die Mausefalle zu gewinnen und umgekehrt. So finden die einzelnen Slams denn auch abwechslungsweise in beiden Lokalitäten statt. Es ist eine Zusammenarbeit, die Solothurn dem Status einer Slam-Hochburg auf alle Fälle näherbringt.

Saisonstart Samstag, 12. Oktober, 19 Uhr (Tür), Theater Mausefalle.

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