Solothurn
Ausstellung im Restaurant Chutz zum Gedenken an Ferdinand Kaus

Im Restaurant Chutz in Solothurn werden die Bilder des vor 25 Jahren verstorbenen Künstlers und Wirt Ferdinand Kaus ausgestellt.

Helmut Zipperlen
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Ausstellung von Ferdinand Kaus im Restaurant Chutz. René Walter (Freund des Künstlers) und Marta Kaus (Witwe).

Ausstellung von Ferdinand Kaus im Restaurant Chutz. René Walter (Freund des Künstlers) und Marta Kaus (Witwe).

Hanspeter Bärtschi

Es war 1963, als der Grenchner Ferdinand Kaus die heruntergekommene Mostwirtschaft zum heutigen «Chutz» umbauen liess. Architekt Ferdinand Zaugg versuchte, die Ideen und Vorstellungen von Kaus umzusetzen. Die Namensgebung des Restaurants war eine Spielerei mit seinem Namen: Kaus – Kauz – Chutz.

In seinem malerischen Werk ist ab zu und ein stilisierter Kauz zu entdecken und auch die Bierdeckel zieren das Wappentier des Restaurants. Das Restaurant sollte nicht einfach ein Gastrobetrieb sein, sondern sollte auch künstlerische Darbietungen ermöglichen. Ausstellungen, Musik, Lesungen, sogar kleine Theaterstücke fanden dort statt.

«Das ist meine Familie», sagt Ferdinand Kaus

Am 27. Juni jährt sich zum 25. Mal der Todestag des Künstlers. Thomas Steinbeck, der Präsident des Stiftungsrates der Marta und Ferdinand Kaus-Stiftung, nahm dies zum Anlass, wieder einmal Kaus Werke öffentlich zu zeigen. Dazu werden im ersten Stock des Restaurants Werke von René Walter gezeigt.

Kaus und Walter haben sich in Paris näher kennen und schätzen gelernt. Kaus hat eine Malschule besucht und Walter hat ihm ein Zimmer im «Hôtel des Artistes» verschafft, was Kaus spontan zum Ausruf «Das ist meine Familie» veranlasst hat. Da René Walter schon länger ständig in Paris lebte, konnte Kaus von dessen Beziehungsnetz profitieren. Kaus konnte unter anderem in der Galerie Granoff ausstellen, wobei zur Vernissage der Schweizer Botschafter und namhafte Pariser Architekten erschienen.

Das Restaurant wird von der Witwe, Marta Kaus, weitergeführt

Seit Ferdinand Kaus Tod führt seine Witwe Marta das Restaurant in seinem Sinne weiter und verwaltet, zusammen mit der Stiftung, den Nachlass. Erst kürzlich hat sie dafür gesorgt, dass ein vor das Restaurant gestellter Abfallkübel wieder entfernt wurde. «Wenn meine Gäste draussen essen, sollen sie nicht Abfall riechen müssen.»

Ferdinand Kaus Bilder, meist grossformatig, schwelgen in Farben und beschwingten Kompositionen von Blüten und Bewegungen. Da er als Sänger auch am Theater aufgetreten ist, galt seine Aufmerksamkeit der malerischen Wiedergabe von Tanz und Ballett. Auf den grauen Wänden des Restaurants kommt die Farbigkeit besonders zur Geltung.

Musik und bildnerische Kunst hat im «Chutz» Tradition. Hier während der Kulturnacht Solothurn 2019.

Musik und bildnerische Kunst hat im «Chutz» Tradition. Hier während der Kulturnacht Solothurn 2019.

Michel Lüthi

Ganz anders die Werke seines Künstlerfreundes René Walter. Allerdings setzt auch er Farbakzente, aber die Formen entsprechen dem Prinzip der konkreten Kunst. Es überrascht deshalb nicht, dass Walter Architekt ist und Bauten von Le Corbusier renoviert und mit Jean Nouvel zusammengearbeitet hat. Auf die Frage, welchen Stellenwert denn sein malerisches Werk habe, meint er: «Beide Disziplinen sind ebenbürtig. Die Architektur hat mich gelehrt, in den Bildern zu einer exakten Formensprache zu kommen, und die Malerei hat mir geholfen, in der Architektur Formen zu finden.»

«Ferdinand kam immer wieder gerne nach Paris»

Walter lebte zwei Jahrzehnte auf dem Montparnasse an der «Rue de la Grande-Chaumière». Ferdinand Kaus reiste 1931 erstmals nach Paris und verliebte sich auf Anhieb in die Stadt. «Ferdinand kam immer wieder gerne nach Paris. Er war von dieser Stadt seit seinem ersten Aufenthalt fasziniert», meint René Walter.

Beide Künstler aus Grenchen haben auch international Karriere gemacht. Kaus hatte nebst Paris auch Ausstellungen in Wien, München und Bonn. Werke von Walter finden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa, Afrika, Indien und den USA. Die Ausstellung weckt Erinnerungen an die 60er-Jahre, in welchen die jungen kulturell interessierten Menschen den «Chutz» bevölkerten. Ferdinand und Marta Kaus förderten etliche Talente.

Die Ausstellung dauert bis Sonntag, 10. Oktober, im Restaurant Chutz.