Aufruf

Appell der Stadt: «Sollte sich die Lage nicht verbessern, muss der Märet wieder auf den Schanzenplatz»

Der Märet könnte wieder aus der Altstadt verschwinden. (Archiv)

Der Märet könnte wieder aus der Altstadt verschwinden. (Archiv)

In Solothurn häufen sich Rückmeldungen aus der Bevölkerung, dass die Disziplin nachlässt und die Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Die Stadt ruft dazu auf, sich an die Vorgaben zu halten.

Mit jedem Lockerungsschritt, der seit dem 27. April regelmässig erlassen wurde, kehrten mehr Leute in den öffentlichen Raum zurück. Die für einige Wochen leeren Strassen und Plätze wurden immer voller – bis es immer schwieriger wurde, den Sicherheitsabstand von 1.5 Meter stets einzuhalten, oder dieser teilweise schlicht in Vergessenheit geriet. Dabei wuchs die Verunsicherung, wie man sich zu verhalten hat.

«Ich habe schon ein Dutzend Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, dass die Hygienevorschriften nicht eingehalten werden», sagt der Solothurner Stadtschreiber Hansjörg Boll. Dabei wird beispielsweise moniert, dass am Wochenmarkt der Abstand nicht eingehalten werde. Auch das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit hat mehrere solche Zuschriften erhalten. Die Stadt hat sich daher entschlossen, eine Mitteilung an die Bevölkerung zu verfassen, um wieder an die Hygienemassnahmen zu erinnern. «Wir wollen hier keine Panik machen, sondern es soll vermieden werden, dass wir in Solothurn grössere Quarantänefälle haben», so Boll. Fruchtet dieser Appell nicht, müssen restriktivere Massnahmen in Erwägung gezogen werden.

Als Hauptprobleme werden Orte ausgemacht, wo viele Leute zusammentreffen – wie beispielsweise auf dem Wochenmarkt. Seit dem 27. Juni ist der Markt wieder in der Altstadt, nachdem er coronabedingt für einige Wochen auf den Schanzenplatz verlegt wurde. Dass er in der Altstadt bleibt, liegt nun daran, wie sich die Situation entwickelt. Die Stadtpolizei wird die Situation beobachten. Werden die Regeln nicht eingehalten, kehrt er wieder auf den Schanzenplatz zurück. «Die Stadtpolizei bittet die Besucherinnen und Besucher, möglichst die Durchgangswege nicht zu blockieren und den Schwatz mit Bekannten nicht mitten auf dem Marktplatz abzuhalten», ist aus der Mitteilung zu entnehmen.

Eigenverantwortung statt neue Restriktionen

Seit die Beitritte in das Freibad nicht mehr begrenzt sind, treten auch dort mehr Probleme auf. Letztes Wochenende seien mehr als 2000 Personen an einem Tag verzeichnet worden. Das Bad sei zwar erst zu zwei Drittel ausgelastet, doch schon jetzt gäbe es Konflikte unter den Badegästen. «Einige vergessen vielleicht beim Fussballspielen auf der Wiese, dass sie Abstand halten sollen. Andere sind eher ängstlich. Das birgt Konfliktpotenzial», versucht sich Boll die Situation im Schwimmbad zu erklären. Die Stadt will kein Sicherheitspersonal im Freibad einführen, so sei sie darauf angewiesen, dass die Gäste sich an die Regeln halten. «Sollte sich zeigen, dass die Eigenverantwortung nicht genügend zum Tragen kommt, müsste die Stadt wieder Beschränkungen der Gästezahlen einführen, was gerade in den Sommerferien schmerzhaft wäre», steht in der Medienmitteilung.

«Den Gastrobetrieben in der Stadt muss man ein Kranz winden», betont Boll. Die Betriebe haben sofort auf steigende Infektionszahlen reagiert und teilweise wieder die Sitzpflicht eingeführt. Alle Hygienemassnahmen werden vorbildlich umgesetzt. Auch die Daten der Gäste werden aufgenommen und kontrolliert. Das Problem sei das Verhalten der Ausgehenden. So werde immer wieder beobachtet, dass die Leute zu nahe auf der Mauer am Fluss sitzen. «Im öffentlichen Raum können wir nichts anderes machen, als auf die Eigenverantwortung pochen», meint Boll. Klar, würde die Polizei regelmässig patrouillieren und auf Verstösse hinweisen. Doch auf mehr Kontrollen will die Stadt unbedingt verzichten.

«Wir möchten gerne die Lockerungen beibehalten und so einen möglichst unbeschwerten Sommer ohne Quarantäne verbringen», so Boll abschliessend.

Autorin

Judith Frei

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