«Solothurn Classics»
Solistengala: Stimmen, die Solothurn nur der Sommer bringt

Kaum jemand in der fast ausgebuchten Reithalle trauerte dem diesmal regenverhangenen Freiluft-Konzertsaal nach. Die Reithalle sah und hörte eine Solistengala, die mit 18 Programmpunkten «nachtfüllend» war

Gundi Klemm
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Marzio Giossi bei seinem Auftritt
16 Bilder
Marzio Giossi singt und gestikuliert
Marzio Giossi
Noemi Nadelmann mit Chor und Orchester
Solothurn Classics
Die Solistengala bei den «Solothurn Classics»
Viele Zuschauer kamen, um die grosse Solistengala zu geniessen
Grosse Solistengala an den Solothurn Classics
Solothurn Classics
Marzio Giossi bei seinem Auftritt
Solothurn Classics
Stefan Cifolelli steht auf der Bühne
Grosse Soloistengala an den Solothurn Classics 2012 mit Noemi Nadelmann
Blick ins Publikum
Nelea Cravchenko
Noemi Nadelmann

Marzio Giossi bei seinem Auftritt

Hanspeter Bärtschi

Als unterhaltsam und informativ agierender Moderator wies Roger Boggasch darauf hin, dass alle, die zuvor mit ihrer Darbietung das Publikum zum Jubeln gebracht hatten, an weiteren Aufführungen des noch bis am Samstag stattfindenden «Solothurn Classics» zu hören sind.

An erster Stelle Solothurns «Herzdame» Noemi Nadelmann, die in ihrem roten Abendkleid den Reiz einer wahren Diva verströmte. In der Georges-Bizet-Oper «Carmen» fesselte sie mit Stimme, Charme und vitaler Ausstrahlung mit «Habanera» sowie in «I could have danced» als Liza aus dem bekannten Löwe-Musical «My fair lady». Das Publikum zeigte sich an Aug und Ohr beglückt.

Die Geduld wurde belohnt

Gedulden musste sich das Auditorium auf den schon im ersten Programmteil angekündigten Mario Malagnini, der erst nach der Pause mit «Nessun Dorma» aus Puccinis «Turandot» mit seinem hohen, wunderbar fliessenden Tenor bezauberte. Michèle Crider, wie eine Primadonna in zartgrüne Robe gekleidet, war unvergessen von früheren Auftritten an Dino Aricis «Classic Openair», das jetzt weitergeführt wird von Iris Kofmel und Team als «Solothurn Classics».

Raumfüllend hüllte Crider die Halle mit ihrem strahlenden, akzentreichen Sopran in der Arie der Mimi aus Puccinis «La Bohème». Natürlich gefielen auch Nelea Cravchenko im koloraturreichen Ausschnitt aus «Die Sizilianische Vesper» von Giuseppe Verdi, zum Abschluss kurz duettierend mit Maecio Gomez.

In seiner natürlich klingenden Stimme verbindet er «emocion» und Präzision. Eindrücklich wie in früheren Jahren gefielen Bass-Bariton Plamen Beykov als Leporello in der Mozartoper «Don Giovanni», Stefan Cifolelli in zwei Vorträgen aus «Faust» von Charles Gounod, die vielsprachige Japanerin Noburo Aomori im Duett als Leonora aus «Il Trovatore» singend mit Ventseslav Anastassov und vor allem der viel beklatschte Orlin Goranov, der aus «Land des Lächelns» von Franz Lehar «Dein ist mein ganzes Herz» leicht und geschmeidig gestaltete.

Überzeugende Stimmen von Ivalylo Dzurov und Petya Tsoneva

Weitere Höhepunkte im 18-teiligen Gala-Programm bescherten die überzeugenden Stimmen von Ivalylo Dzurov, Petya Tsoneva und der sehr vibratoreich klingende Marzio Giossi. Ein Grossteil aller mitwirkenden Solisten war im grossen Finale versammelt beim Chor der Zigeuner aus «La Traviata» und der Triumpharie aus «Aida», beides vom gewaltigen Tonmeister Giuseppe Verdi komponiert.

Wegen der Länge des Konzertabends, der immerhin von 20.30 mit kurzer Pause bis 23.40 Uhr dauerte, war der opulente Abschluss trotz zahlreicher «Bravissiomo»-Rufe und gutem Willen aller Opernliebhaber kaum noch angemessen zu würdigen.

Tragende Orchester-Säulen

Allzugern wird das Orchester bei Darbietungen, die von den verschiedensten «Stimmwundern» dominiert werden, vergessen. Das Orchester der Bulgarischen Staatsoper von Rousse, das über ein Jahrzehnt zu den gern gehörten Ausführenden am sommerlichen Solothurner Opernfestspiel zählt, stand im ersten Programmteil unter der Leitung von David Crescenzi und im zweiten unter Nayden Todorov.

Beide Dirigenten führten das beeindruckend instrumentierte Ensemble feinfühlig und doch schwungvoll. Nie wurden die Singstimmen mit Lautstärke zugedeckt noch kamen die vielfarbigen Effekte der instrumentalen Tonmalerei zu kurz.

Stimmschöner Chor der Bulgarischen Staatsoper

Am schönsten hörbar in der Nabucco-Ouvertüre nach der Pause. Eine zweite wichtige Säule aller Aufführungen bildet der aus 50 Damen und Herren bestehenden stimmschöne Chor der Bulgarischen Staatsoper. Ganz besonders gefielen sie in Verdis «Chor der Zigeuner». Reibungslos verlief die gesamte Anlass-Organisation, die der anwesende Festpiel-Gründer Dino Arici sicher mit Wohlgefallen zur Kenntnis nahm. Und noch ein kleiner Wunsch: seitlich an der Tribüne etwas Abstand lassen, damit der Durchgang zu den Sitzreihen einfacher wird - und bitte eine Preisliste ins Apero-Zelt.