Schwarze Hose, schwarzer Pullover, kein Schmuck, nichts Auffälliges. Und ein ruhiges Hallo. So begrüsst Tommy von Rohr, Manager der Band «The Disco Kings», diese Zeitung zum Gespräch im Kofmehl. Nach ein, zwei Sätzen steht er auf, verlässt den etwas düsteren Raum.

Dann kommt er zurück. Schwarze Hose, schwarzer Pullover, viel Schmuck, eine auffällige Afrofrisur, goldene Sonnenbrille und eine schwere Kette mit der Aufschrift Disco, die schon von weitem nur so nach Kitsch schreit. Ein energisches Hallo, mit englischem Akzent. So begrüsst Tony Travolta, Leadsänger der Band «The Disco Kings», zum Gespräch im Kofmehl, wo heute Freitag das Konzert zum 20-Jahr-Jubiläum stattfindet.

Mit Begeisterung beginnt der Musiker vom Funk und Groove der Siebziger- und Achtzigerjahre zu schwärmen, bei dem sein Temperament als Showman zum Vorschein kommt. «Wir wollen mit unserer Musik die Leute unterhalten und zum Tanzen motivieren. Und zwar möglichst authentisch.»

Er meint damit das auffällige Erscheinungsbild der Disco-Band: die Schlaghosen, die so breit sind wie die der Besucher dazumal am Woodstock-Festival, die glitzernden Hemden, mit denen man aussieht wie ein Regenbogenfisch auf Ecstasy. Und die Plateauschuhe, die so manche Klappleiter überflüssig erscheinen lassen. «Im ersten Augenblick ist das Publikum jeweils etwas irritiert, wenn es uns sieht», sagt Travolta. Dies löse sich aber meist nach dem ersten Lied.

Es war einmal ein Kurzprojekt

Seit zwei Jahrzehnten groovt sich nun die sechsköpfige Band «The Disco Kings» quer durch die Schweiz. Angefangen hat aber deren Geschichte in der Stadt der Engel und Träume – Los Angeles. So haben sich die vier Gründungsmitglieder der Coverband dort in einer Musikschule kennen gelernt und sind mit dem Projekt Disco-Musik zurück in die Schweiz gekehrt.

Der Trompeter und der Saxofonist stiessen rund ein halbes Jahr später dazu. «Wir wollten der Schweiz den originalen harten Funk und den Groove der Siebzigerjahre zurückbringen», sagt Tony Travolta, «und zwar ohne Playback.» Zwei bis drei Jahre sollte das Projekt eigentlich andauern. «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt der Leadsänger, weshalb das Bandbestehen seit rund 18 Jahren aufgrund der Anfragen immer wieder verlängert wurde. Lediglich der Bassist und der Schlagzeuger haben mittlerweile gewechselt.

Komponieren hatte keinen Sinn

In den besten Zeiten spielte die Band bis zu 30 Konzerte im Jahr, sowohl in der Deutsch- als auch Westschweiz. «Wir fühlten uns dazumal wie Könige, weil es so etwas wie uns nur einmal in der Schweiz gab», sagt Travolta. Mittlerweile spiele die Band noch rund ein Konzert pro Monat – oft Firmenanlässe. Die Zeit zum Proben begrenze sich aber familienbedingt jeweils auf vor und nach den Konzerten. Auch, weil eines der Bandmitglieder in London wohnt.

Im Repertoire hat die Band um die 100 Coversongs. Selbst Lieder zu schreiben, sei aber nie wirklich ein Thema gewesen. «Es gibt so viele gute Tanzlieder. Es machte für uns keinen Sinn, selber solche zu komponieren», so Travolta. Und auch die gespielten Coversongs würden der Band nicht verleiden. So sind Stücke wie «YMCA», «I will survive» und «That’s the Way I like it» bei fast jedem Auftritt ein Obligatorium.

«Wir spielen nur Songs, hinter denen wir auch stehen können, und solche, die dem Publikum gefallen», sagt er. Dieses sei – wie sie selbst auch – etwas älter geworden. So sind die Zielgruppe nicht mehr die Anfang 20, sondern zwischen 30 und 50. «Einige Leute waren überrascht, dass es uns noch gibt, als sie von unserem bevorstehenden Konzert hörten», so Travolta.

Wie lange es «The Disco Kings» noch geben wird, weiss Travolta nicht. «Wir hören erst dann auf, wenn es für uns auf der Bühne peinlich wird», so der Mann mit der Afrofrisur. Für den Auftritt in einer Woche schmeisse er sich nun auch regelmässig in den Jogginganzug, damit er wieder in die woodstock-breiten Schlaghosen aus den Anfangszeiten passe. Er lacht: «Und sollten sie doch zu eng werden, dann spielen wir nur noch Soul.»