Es war mal ein Kloster. Aber in den letzten Jahren schien das Solothurner Kapuzinerkloster schon eher ein Dornröschenschloss zu sein. Nur für wenige Tage pro Jahr kehrte jeweils Leben in die Liegenschaft zurück, die 2003 nach 411 Jahren von den Kapuzinern verlassen wurde.

Verschiedene Projekte sind in der Vergangenheit gescheitert; von der Denkklause bis zum Hotel. Zuletzt wurde gar über ein Asylzentrum im historischen Gemäuer nachgedacht. Der Kanton, als Besitzer der historischen Gemäuer, hat sich bisher für kein Vorhaben wirklich erwärmen können.

Für «Erhaltung und nachhaltige gemischte Nutzung»

Jetzt gibt es ein neues Projekt. Hans-Jürg Matter möchte das Kloster wieder beleben. Vergangene Woche hat er im Solothurner Handelsregister seine Firma CIS AG eintragen lassen. Die Firmenbezeichnung steht für den Arbeitstitel «Claustrum Innovativum Soladurense» und verfolgt als Zweck die «Erhaltung und nachhaltige gemischte Nutzung des Kapuzinerklosters».

Matter schmiedet, unterstützt vom Solothurner Architekten Kurt Stalder und Ronald Huber, neue Pläne. Dazu gehören ein Kulturraum, Büros, eine kleine Herberge, ein Restaurant, ein Quartierladen und vor allem Wohnraum für innovative Wohnformen.

«Wir führen Verhandlungen», bestätigt auf Anfrage Bernhard Mäusli. Der Solothurner Kantonsbaumeister kann sich mit dem Projekt gut anfreunden. «Die Idee unterstützen wir.» Nun gehe es um die Finanzierung, die bei bisherigen Projekten jeweils der Knackpunkt war. Das Weiss auch Matter. Aber er steht bereits in Gesprächen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 15 Mio. Franken. Er suche «keinen Mäzen, sondern einen kritischen Investor, der die Mehrheit an der CIS AG übernimmt», so Matter.

«Die Nutzung des Klosters muss nachhaltig rentabel sein.» Seine Rolle sieht er als Koordinator und später Betreiber des Klosters – «Guardian», wie die Kapuziner den Abt genannt hatten.
Matter ist «Spiritus Rector» des Projektes. Finanziell beteiligt ist er nur marginal. Sein Projekt will Elemente der klösterlichen Tradition – wie das gemeinschaftliche Leben, das Teilen oder die Bescheidenheit – weiterleben lassen. Alt und Jung sollen im Generationenhaus zusammenleben.

Geplant sind rund 60 Wohneinheiten à 15 bis 30 Quadratmeter mit Nassraum. Die WGs mit 4 bis 8 Wohneinheiten teilen sich grosse Küchen. Auch Aufenthalts-, Büroräume oder eine Bibliothek werden gemeinsam genutzt. Ein Infrastrukturblock wird neu gebaut. Auf ihm ist eine Dachterrasse für die Mieter vorgesehen. Im Garten soll Gemüse gepflanzt werden. Das Projekt soll die «Tradition» innovativer sozialer Projekte in Solothurner - wie etwa die Genossenschaften «Kreuz» oder «Baseltor» - weiterführen.

Mit Herberge und öffentlichem Restaurant

Im Erdgeschoss des Klosters ist ein Restaurant mit Gartenterrasse und Säli geplant. Im ersten Stock des Altbaus soll eine Herberge entstehen mit 18 Mönchszellen als Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste. Die Kirche wird als Kultur- und Eventraum genutzt, mit Apérobereich im Garten: Für Hochzeiten, aber auch für wohltätige und gemeinnützige Zwecke. Im Kirchendach über der Kassettendecke soll es originelle Büroräume geben.

Architekt Ronald Huber spricht von «einem fundierten Vorprojekt», das bereits besteht: «Es ist mehr als eine Möglichkeitsstudie.» Mit der Denkmalpflege und mit Nachbarn wurden schon verschiedene zum Teil intensive Gespräche geführt. Die lokale Verankerung sichert eine Planergemeinschaft bestehend aus der Kurt Stalder Architekten AG und dem Architekturbüro Aarplan – bekannt von der Solarsiedlung in Riedholz. Stalder gilt als Spezialist für das Kloster.

Ein bereits in der Praxis bewährtes Projekt

Im unteren, öffentlich zugänglichen Teil des Klostergartens soll es einen Laden mit regionalen Produkten geben. Es kommt Solartechnik zum Einsatz und die Vermietung soll autofrei erfolgen. Da müsse, so Matter, «zusammen mit der Stadt aber noch einiges an Planungsarbeit geleistet werden.» «Die Stärke des Konzepts liegt darin, dass dieses bereits mit Erfolg an anderer Stelle und in einem ebenfalls historischen Umfeld umgesetzt wurde», heisst es im Projektbeschrieb.

Matter, der 15 Jahre eine eigene Informatikfirma im Bereich «Corporate Information Systems» geführt hatte, hat 2005 in Vevey zwei Parzellen mit acht Häusern gekauft und saniert. Die Liegenschaft neben dem «Alimentarium» umfasst heute ein bekanntes Restaurant, vier WGs, ein B&B, möblierte Wohnungen, Büros und einen Laden für lokale Produkte.

Die Idee nochmals ein etwas grösseres Projekt zu realisieren hatte Matter schon längere Zeit im Kopf. Im Mai 2015 wurde er an einem Anlass auf dem Weissenstein auf das leerstehende Kapuzinerkloster aufmerksam gemacht und meldete sich dann sofort beim Kanton. Er sieht im Kapuzinerkloster ein Pilotprojekt auch für andere leerstehende Klöster. 2020 – so hofft Matter – könnte dieses nun zum Fliegen kommen.