Ein funkelndes Sternenzelt aus schimmernd blauen Tüchern, Brettspiele rund um Weihnachten, «Zimetbummi» und Tee fürs so genannte Sternenkind, Adventskalender und -kerzen, die die Wochen und Tage bis zum grossen Fest andeuten. Kindergartenlehrerin Jennifer Obrist hat keine Mühen gescheut, um Weihnachten im «Chindgsi» Hermesbühl sichtbar zu machen und die Anzahl Tage bis dahin kürzer scheinen zu lassen. Und ihr tun es viele Lehrpersonen in Solothurn gleich – dekoriert, erzählt, gebastelt wird vielerorts.

Doch geht man nach der kumulierten Schülerstatistik der Solothurner Stadtschulen, so wird an der hiesigen Primarstufe und in den Kindergärten eigentlich für eine Minderheit gefeiert: Gemäss Schuldirektion gehören lediglich gut 45 Prozent aller Primarschüler und 41 Prozent aller Kindergartenschüler in der Stadt Solothurn dem christlichen Glauben an. Der übrige Anteil ist statistisch nicht detaillierter aufgeschlüsselt: Somit zählen zum «Rest« nicht nur Angehörige anderer Weltreligionen und Glaubensgemeinschaften, sondern zunehmend auch Kinder aus agnostischem oder atheistischem Elternhaus.

Blick in weihnachtliche Stuben

Ein Augenschein im Kindergarten Hermesbühl und in der Schule Wildbach zeigt, warum man dennoch feiert – und auch feiern darf. Obrists Kindergärtler gewähren auf Zeichnungen Einblick in heimische Stuben: Verzierte Bäume und Wohnzimmer, Bescherung und Gemeinschaft sind darauf zu sehen. Eine Erzählung gehört zu den allmorgendlichen Adventsritualen im Kindergarten. Die Themen sind universell: Weltliche Werte, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, und alles, was jenseits der materiellen Bescherung liegt. Religiöse Motive kommen kaum vor. Obrist erzählt vom hilfsbereiten Maulwurf, dessen dankbare Freunde ihm eine Freude machen wollen. Und so werden auch die Kinder ihren Müttern und Vätern eine Freude machen: Auf einem Regal stehen in Einmachgläsern die Geschenke für die Eltern parat – egal welcher Religion. 

Die Stadtschulen sind in ihrer Gestaltung der Rituale und Dekorationen frei, bestätigt auch Schuldirektorin Irène Schori. Festlich geschmückt kommt auch das Wildbach-Schulhaus daher. In den Gängen ein Gedränge – an insgesamt drei Anlässen in der Adventszeit werden Geschichten erzählt. Die Schulkinder wählen ihr Thema selbst aus – beispielsweise jenes des Engels Fidor, der die weihnachtliche Hektik und die Jagd nach Geschenken zu stoppen vermag und so Weihnachten rettet. Danach folgt eine Bastelrunde oder ein Brettspiel – ebenfalls rund um Weihnachten.

Die neunjährige Nesil hat türkische Wurzeln, Weihnachten wird in ihrem muslimischen Elternhaus nicht gefeiert. Dafür erzählt sie schwärmend von Bayram, dem islamischen Fest, an dem ältere Menschen geehrt werden. «Aber manchmal gibts dennoch ein Geschenk zu Weihnachten», ergänzt sie. Die gleichaltrige Sabi stammt aus dem Kosovo – und auch für sie ist Weihnachten nur im Zusammenhang mit den Schulgspänli ein Thema. Ruth Gfeller unterrichtet im «Wildbach» Schüler der ersten bis vierten Klasse: «Ich finde es richtig, dass wir in einer christlichen Kultur auch diese Feste feiern.»

Konfliktfrei, auch dank Jokertagen

Dass es trotz des Anteils Andersgläubiger an den Stadtschulen unproblematisch sei, Weihnachten zu feiern, das bestätigt aus Erfahrung Irène Schori: «In den vergangenen fünf Jahren kam es bei den Schulaktivitäten rund um Weihnachten nie zu Problemen.» Zum Thema werde eine Diskrepanz zwischen den Vorstellungen der Schule und des Elternhauses weniger bei anderen Religionen, sondern eher bei christlichen Gemeinschaften, die Feiertage wie Weihnachten nicht anerkennen – so zum Beispiel bei den Zeugen Jehovas. Dass die Vollzugsverordnung zum Volksschulgesetz zwei sogenannte Jokertage vorsieht, dürfte allfällige Konflikte entschärfen: «Dadurch dürfen Schüler pro Schuljahr zwei ganze Tage unbegründet fehlen», sagt Schori. Eine besondere Häufung von Jokertagen zur Weihnachtszeiten konnte sie jedoch nicht beobachten.

Aufgrund der kulturellen Zusammensetzung scheint Multireligiosität hingegen im Schulhaus Fegetz kaum ein Thema zu sein, wie Schulleiter Thomas Bitterli auf Anfrage mitteilt. «Der überwiegende Teil der Schüler nimmt an den von den beiden grossen Landeskirchen durchgeführten Religionsunterricht teil.» Dennoch stand dieses Jahr in der Adventszeit das Thema «Orient» im Vordergrund. «Das hat bestimmt auch einen völkerverbindenden Aspekt, indem es einen Einblick in andere Lebensweisen und kulturelle Eigenheiten gibt», sagt Bitterli. Dies habe aber im «Fegetz» mehr mit der Vielfalt innerhalb der Klassen als mit der (geringen) multikulturellen Durchmischung zu tun.