Wir checken ein. Zu Kurzferien in Solothurn. Im Hotel de la Couronne. Testessen und -schlafen sind angesagt. Das freundliche und einheitlich elegant gewandete Réceptions-Team mit der Hotelleiterin Simone Berchtold nimmt uns in Empfang. Die Zimmerschlüssel hängen nicht mehr an der Wand im schicken Grau, sondern liegen in einer flachen Schublade. Aber es sind richtige Schlüssel mit einer fast pompösen Quaste dran.

Nicht so neumodische Kärtli, die man durch einen Schlitz ziehen muss. Würden auch nicht zu einer «Couronne» passen. Auch geht es statt in den Keller nur noch zwei drei Tritte runter zum Toiletten-Trakt. Der ebenfalls zu einer «Couronne» passt. Neu ist der Lift, der uns sanft ins zweite Geschoss hinaufträgt. Unser Zimmer Nr. 204, eine sogenannte Junior-Suite, hält nicht die absolute «Wouw!»-Aussicht auf St. Ursen für uns parat. Aber der Kronenplatz mit dem Von-Roll-Haus ist auch nicht ohne. Und in einem Thriller wäre die Aussicht perfekt fürs Planen oder Verfolgen eines Banküberfalls. 

Aber das mit Sophia Loren war gestern. Heute ist cooles Interieur angesagt. Ein mächtiger, flacher Bildschirm statt Bilderschmuck an den Wänden. Da genügt die geschnitzte Rückwand der grosszügig bemessenen Bettstatt. Dazu unaufdringliche grüne Polstermöbel, ein Tisch. Die Nasszelle ein Bijou. Und viel, viel Platz, nicht nur dort. Alles war immer gross gewesen, in der «Krone». Das wundervolle Treppenhaus, der Saal. In der «Couronne» erst recht. Nur noch spärlich grüsst Barockes von den Wänden. Es braucht nicht mehr.

Klassiker à la carte

Das Essen. Vor fast fünf Jahren, im Spätsommer 2012, haben wir letztmals hier diniert. Ein Hauch von Melancholie lag damals im Raum. Jetzt sorgt schon die kunterbunte Gästeschar für gute Laune. Martin Volkart, Projektleiter der Genossenschaft Baseltor für die «Couronne», ist ebenso da wie die bekannte Sängerin. «Wir haben unter den Genossenschaftsmitgliedern auch einige Gäste ausgelost», erzählt Direktor Roman Oschwald. So sitzt am Nebentisch mit Lisa Probst eine langjährig Köchin im «Baseltor» und vorher noch im guten alten «Leue». «Damals haben wir nur einige ganz einfache Sachen gemacht, wie das Bami Goreng.» Oder die Fegato und das Füli-Steak.

Wir wissen, wovon sie redet. Jetzt wählt sie Kalbsmilken im Pastetli mit Morcheln. Und ist offensichtlich glücklich mit ihrer Wahl. Zum Entrée haben wir uns für badischen Spargel einerseits und eine bretonischen Pate mit Rhabarber-Chutney anderseits entschieden.

Eindrücke von der neueröffneten «La Couronne» in Solothurn

Essen und Küche: Eindrücke von der neueröffneten «La Couronne»

Dann zwei Klassiker: Entrecôte café de Paris die Dame, Kalbsnieren an Senfsauce der Herr. «Wir wechseln die Karte alle zwei, drei Monate und arbeiten mit saisonalen Produkten, wie jetzt Spargel. Im Sommer denken wir an Fruits de mer auf der Terrasse, im Herbst auch an Wild», erklärt der Direktor.

Die Weine sind ausschliesslich Schweizer und französischer Provenienz, «wie übrigens auch die Digestifs», zählt Oschwand auf eine breite Auswahl – vom «schönen Burgunder, aber auch von Bürgerweinen bis hin zu günstigeren Flaschen». Die Speisekarte ist französisch klassisch gehalten, zwei Fischgerichte und ein vegetarisches gehören dazu, die Seezunge wird am Tisch durch kundige Hand von den Gräten befreit. Und die Preise?

Auf der Höhe eines Hauses wie der «Couronne», aber nicht exorbitant. Das Rindsfilet mit Crêpes und Spargel gibts gleich in zwei Gewichtsklassen: 150 Gramm für 54, 200 für 62 Franken. Alles solide zubereitet, von einer Küchen-Crew, die hinter den Sichtfenstern im Korridor bereits alles gibt. «Für sie sind die Testessen sehr wichtig, damit sich die Abläufe einspielen», weiss Roman Oschwald aus Erfahrung – er hat zuletzt das «Salzhaus» geführt.

Treffpunkt in der Bar

Das Dessert. Klein, aber fein die Auswahl. Unter den vier Positionen sind die Holunderblüten-Flammeri mit Erdbeeren und Waldmeistersorbet unser Favorit. Aber auch der Savarin mit Champagner-Sorbet und Nektarine kann man sich schmecken lassen. Käse gibts noch keinen, soll aber noch auf der Karte auftauchen. Das tut er bereits auf der überraschend reichhaltigen Bar-Karte. Dort, in der Bar à Vin, trudeln nun alle Gäste ein.

Künftig könnten sie sich auch hier verpflegen. Mit einem reichhaltigen Assiette «La Couronne» beispielsweise. Oder mit Rauchlachs auf Buchweizen-Blinis, Brioche de Canard und weiteren Appetit-Happen. Auf der Bierkarte gefiel uns ein belgisches Starkbier im Offenausschank. Womit die Bettschwere erreicht wird.

Ob Starkbier oder Bett – geschlafen haben wir trotz Samstags-Nachtspuk in den Gassen bestens. Bei geschlossenem Fenster hätten wir auch den Stundenschlag des Zeitglockenturms kaum gehört, der uns ans reichhaltige Frühstücksbuffet lockt. Das Kaffee-Handling dürfte noch transparenter werden, dafür war sämtliches Gebäck ein Gedicht: kross, lauwarm noch duftend vom Backofen, Baguette und Croissants, die Paris vergessen lassen.

Filmtage schon im Fokus

Direktor Roman Oschwald und Hotelleiterin Simone Berchtold sind mit den ersten Tests zufrieden. «Wichtig ist das anschliessende De-Briefing. Wir müssen zu Beispiel auch wissen, wie gross der Zeitbedarf für eine Zimmerreinigung ist», betonen die beiden. Auch mit den Buchungen ist die Führungscrew der «Couronne» zufrieden: «Zuletzt kamen auffallend viele Filmtagebuchungen herein. Und auch die Bike-Days haben eine Zimmer-Nachfrage ausgelöst.» Einziger Wermutstropfen für Berchtold: «Weil wir ganz neu am Markt sind, haben wir noch keine Bewertungen. Doch die sind für ausländische Gäste sehr wichtig.»

«Wir haben ein top-motiviertes Team und freuen uns sehr auf die neue Herausforderung»: «La Couronne»-Direktor Roman Oschwald und Hotelleiterin Simone Berchtold freuen sich auf die Eröffnung.

«La Couronne»-Direktor Roman Oschwald und Hotelleiterin Simone Berchtold freuen sich auf die Eröffnung.

Die Solothurner können sich vor Ort ins Bild setzen: Am Samstag und Sonntag ist die «Couronne» über die Mittagszeit für Besichtigungen ebenso geöffnet wie in der Kulturnacht am Samstag. Was genau geplant ist, will Roman Oschwand noch nicht verraten. «Es gibt eine Überraschung. Wir bespielen die Zimmer individuell.»