Die «Grammostol Porteri» sorgte am Sonntag für Herzklopfen und zitternde Hände im Solothurner Landhaus. Besucher der «Insectophobie»-Ausstellung konnten die chilenische Vogelspinne und zahlreiche andere Exemplare in rund 80 Terrarien betrachten. Wer mutig genug war, durfte eine Spinne in die Hand nehmen. «Iiih nein, das möchte ich nicht!», meinte eine Frau und ging schnell am kleinen Jungen vorbei, der die «Grammostol Porteri» auf seiner Handfläche anlächelt. Wie fühlt sich dieses Erlebnis wohl an?

Vogelspinne Grammostol Porteri an der Insectophobie-Ausstellung in Solothurn

Vogelspinne Grammostol Porteri an der Insectophobie-Ausstellung in Solothurn

Das Fazit des Selbstversuches: Die eher kleinere Vogelspinne ist überraschend leicht. Auf der Hand angekommen bewegt sie sich kaum und ist abgesehen von ihren kratzigen Haaren kaum wahrzunehmen. «Wenn sie beisst, schmerzt es in etwa so wie ein Wespen- oder Mückenstich», erklärt ein Tierpfleger.

Für Jeanine Rüegsegger, die ebenfalls mit der Spinne Bekanntschaft gemacht hat, ist das nichts Neues. Die Primarschülerin hat an diesem Sonntag Geburtstag und hat sich einen Besuch der Ausstellung gewünscht. «Ich mag Spinnen», erzählt die junge Kennerin fröhlich. Im Kinderzimmer steht aber kein Terrarium, ihrer Mutter zuliebe.

Die «Viecher» kennenlernen

Vorwiegend Familien gehören zum Publikum, dass am Sonntag fast die ganze Halle im Landhaus füllt. «Wir sind aus Deutschland zu Besuch hier bei unseren Enkeln», sagt ein älterer Herr. «Das ist wirklich schön gemacht hier, man kann was lernen!» Denn neben jedem Terrarium stehen Infos zum jeweiligen Tier. «Die Ausstellung ist sehr aufschlussreich», ist sich ein Ehepaar einig, dass die Landhalle in Sportkleidung betreten hat. Auf ihrer Velotour haben sie einen Zwischenstopp in Solothurn eingelegt.

«Ich mag eigentlich keine Spinnen, aber so finde ich das gar nicht so schlimm», sagt die Frau. Und schliesslich sähe man nicht alle Tage so viele Spinnen auf einmal. Nebst Spinnen in allen Grössen und Farben warten auch noch Tausendfüssler, Gottesanbeterinnen und die grösste Vogelspinne der Welt auf die Zuschauer. «Eine gute Gelegenheit, sich die Viecher mal aus der Nähe anzusehen», findet die nächste Besucherin. Auch ihr Sohn betrachtet ein Terrarium hinter ihr mit grossen Augen.

Hobby wird zum Hauptberuf

Der Aussteller Giovanno Neigert war bereits als Jugendlicher ein Spinnenfreund. Mit 15 Jahren besass der Deutsche sein erstes Exemplar. Als sich seine Sammlung im Laufe der Jahre vergrösserte, suchte er nach einem Weg, sein Hobby zu finanzieren: «Vor vier Jahren habe ich eine Sporthalle gemietet, wo ich die Tiere ausstellte», erzählt er. Weil damals so viele Besucher kamen, führte Neigert weitere Ausstellungen auch im grösseren Rahmen durch.

Heute ist er nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz unterwegs. Die Terrarien transportiert er in Anhängern, die er selbst umgebaut hat. «Hin und wieder» muss der Spinnenfreund beim Veterinäramt antraben. Zur Kontrolle, ob die Tiere seiner Sammlung artgerecht gehalten werden. Diese soll nach dem Aussteller einen «pädagogischen» Wert besitzen. Was können die Besucher bei einem Besuch der Krabbeltiere lernen?

«So Einiges», ist der Spinnenvater überzeugt. «Aufmerksame Besucher können eigentlich alles in Erfahrung bringen, was es über Vogelspinnen zu wissen gibt», erklärt er am Telefon. Neigert selbst ist an diesem Sonntag nicht zugegen – er ist in Schaffhausen, wo der andere Teil des Wanderzirkus an diesem Tag ebenfalls Halt macht. Der Aussteller hat ordentlich zu tun. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er vor einigen Jahren seine Tiere noch hobbymässig in einer Turnhalle vorführte.

Am 6. März macht der Aussteller in der Alten Turnhalle in Grenchen Halt.