Filmtage-Treffpunkte
So tickt das Filmtage-Uhrwerk

Ein weiterer wichtiger Filmtage-Treffpunkt ist die Jugendherberge am Aarequai. In der «Jugi» laufen die Logistik-Fäden zusammen. Hier werden die Filme gelagert und zum richtigen Zeitpunkt ans richtige Kino geliefert.

Andreas Kaufmann
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Blick ins logistische Räderwerk der Filmtage
22 Bilder
 Leere Spulen, die darauf warten, mit Kinostoff bekleidet zu werden.
 Christian Flury (Leitung Filmtransport) und Michael Fluri, Disposition.
 Michael Fluri, Disposition, verwaltet die Freigabecodes für digitale Filme.
 Hier rast der 35-Millimeter-Film vorbei.
 Ein Film erhält seine transportable und publikumstaugliche Form.
 Bereit zum Weiterversand ans nächste Festival oder zurück an den Verleih.
 Salomé Pinkus, Kinotechnikerin, fügt die "acts" eines Films zu einem Ganzen zusammen.
 Christian Flury behält den Überblick, wo sich welche Filmspule gerade befindet.
 Der nächste Film in der Startposition.
 Christian Flury (Leitung Filmtransport) vor den Filmstapeln.
 Wo gehobelt wird, da fallen Späne...
 Die Filmlogistik - ein zentraler Bestandteil der ganzen Festivalorganisation.
 Ein 14-köpfiges Team sorgt dafür, dass jeder Film zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.
 Witterungssicher werden die Filme von der "Jugi" aus an die Austragungsorte transportiert. (Fotos: Andreas Kaufmann)
 Die Filmlogistik - eine nicht zu unterschätzende Abteilung.
 Christian Flury, Leiter Filmtransporte, prüft die Tagesplanung.
 Christian Flury behält den Überblick, wo sich welche Filmspule gerade befindet. (Fotos: Andreas Kaufmann)

Blick ins logistische Räderwerk der Filmtage

Andreas Kaufmann

Dass in der logistischen Zentrale der Filmtage alles rund laufen muss, zeigt sich nicht nur an den 35-Millimeter-Spulen, die Kinotechnikerin Salomé Pinkus gerade zum abendfüllenden Leinwanderlebnis zusammenklebt. Kilometerweise Material rollt in der Jugendherberge an ihr vorbei, wartet auf den Abtransport. Auch andere Requisiten wie Checklisten, Kassetten und Festplatten deuten an, dass das Ressort Filmtransporte das eigentliche Herzstück des Festivals darstellt.

Von hier aus wird der Stoff, aus dem die Träume sind, durch die Adern der Filmtage-Stadt an die Aufführungsorte gepumpt. Unterwegs sind die Transporteure per pedes, per pedales oder – vor allem, wenn das Wetter nicht mitspielt – mit dem Auto. Gleich dreifach wird geprüft, ob der richtige Film zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zum Laufen kommt: in der Jugi selbst, durch den Transporteur und letztlich durch den Operateur vor Ort.

Digitalisierung im Kommen

Doch nicht nur der Anspruch an ein reibungs- und filmrissloses Festival und das damit verbundene Controlling sind Herausforderungen für das 14-köpfige Filmtransporte-Team. Auch die Digitalisierung ist zunehmend Thema. Die 35-Millimeter-Filme werden nach und nach durch digitale Magnetspeicher abgelöst. Noch stärker auf dem Vormarsch ist das DCP-Format, das die digitale Speicherung auf unterschiedlichen Datenträgern vorsieht. Vor zwei Jahren waren es erst 7, letztes Jahr 12 und heuer sind es 80 DCP-Filme.

Abgesehen davon, dass sich die platzraubenden Filmrollen nicht mehr wie Ungetüme stapeln und die Transporteure nicht mehr die gleiche Last zu schleppen haben: «Damit muss man lernen umzugehen», findet Christian Flury, Leiter des Filmtransports. Da die Filme aus Gründen des Kopierschutzes nur mit Code im dafür vorgesehenen Kino am gültigen Datum zum Laufen zu bringen sind, müssen auch die Freigaben sauber verwaltet werden.

Auch Feuerwehrübungen gibts

Bei aller Planung sind die Filmlogistiker auch vor Feuerwehrübungen nicht gefeit, müssen bei Programmänderungen reagieren, Ersatzkopien auftreiben oder Filme ans nächste Festival weitersenden. «Auch am Zoll mussten wir schon Pakete abholen», erinnert sich Flury. Doch es laufe strukturierter als am Anfang, findet Thomas Geiser, der 1977 ins Team einstieg: «Früher musste man den Filmen auch mal nachrennen. So wurde schon die Mutter eines Filmemachers mit der fehlenden Spule herzitiert, weil ihr Sohn derweil in Südamerika weilte.» Doch allen heutigen und früheren Widrigkeiten zum Trotz ist das Team mit Freude dabei; dank des guten Teamgeists, «und weil es eine bewährte Burnout-Prophylaxe ist», witzelt Michael Fluri, zuständig für die Disposition.

Doch mit dem nahenden Ende der Filmtage wird auch der Logistikraum in der Jugi immer leerer. Die ersten Filme werden versandbereit gemacht und reisen nach Los Angeles, Berlin, Sarajewo, Montreal – kurz: in die Welt hinaus, um weiteres Publikum zu erfreuen, egal ob analog oder digital.

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