Zusammen mit den SBB hat das Stadtbauamt einen Studienauftrag erteilt, um den «Standort mit hoher Priorität» am Westbahnhof weiter zu entwickeln. Von den drei eingeladenen Planungsteams soll die Arbeit des Berner Büros um Architekt Rolf Mühlethaler als «roter Faden» bei der künftigen Planung dienen. Für das SBB-Areal besteht im Gegensatz zum westlich davon gelegenen Projekt Segetzpark (vgl. Box weiter unten) noch kein Gestaltungsplan.

Was die SBB darauf realisieren könnte, erklärt Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt: «Der Studienauftrag orientierte sich am Entwurf des neuen Zonenplans sowie an der neuen Baumasstabelle. Der Bereich der Hochbauten wird sich künftig in einer Mischzone Bahnhof befinden. Darin sind öffentliche Bauten, Geschäfts- und Wohnbauten sowie mässig störendes Gewerbe- und Dienstleistungsbetreibe möglich.» Die Höhe und Ortsverträglichkeit, also die Nutzungsdichte, ergebe sich dann aus dem Qualitätsverfahren. «Die Nutzungsdichte beträgt maximal die vollflächige überbaute Zonenfläche mit sechs Vollgeschossen. Punktuell können auch sieben Vollgeschosse ohne Attika erstellt werden», meint Lenggenhager weiter. Das Resultat des Studienauftrags werde nun die Ausmasse der Mischzone, die Erschliessung sowie die Baulinien definieren.

Unterführung aufwerten

Zu den SBB-Absichten hält die Bauamtsleiterin zusätzlich fest: «Es sind unterschiedliche Etappen vorgesehen, die jetzt im nächsten Schritt aufeinander abgestimmt werden müssen. Seitens SBB Infrastruktur sind bis 2023 Anpassungen nötig.» Der Hochbau der SBB und die künftige Fuss- Veloverbindung, für welche die Stadt zuständig ist, müssten zeitlich abgestimmt werden, jedoch seien die Zeitpläne hier noch zu offen. «Auch muss die Finanzierung noch sichergestellt werden.»

Die bessere Durchlässigkeit zum Obachquartier für Velos und Fussgänger war ein zentrales Kriterium des Studienauftrags. «Die Wegführung wird über eine grosszügige Personenunterführung direkt auf die Dammstrasse geleitet: An derselben Lage der heutigen Unterführung wird ein breiter Treppenabgang angeordnet, ergänzt mit einer seitlich angeordneten Rampe für Fussgänger und Velo. Durch diese Anordnung wird eine logische und direkte Wegbeziehung von Nord-Ost nach Süd-West geschaffen», so Lenggenhager.

Stationsgebäude soll bleiben

Keine Vorgabe war es, das jetzige Bahnhofgebäude beizubehalten. Der 1857 vom Bahn-Architekten Ludwig Maring erbaute Westbahnhof ist jedoch im Entwurf des städtischen Bauinventars als «erhaltenswert» eingestuft. Mit ein Grund vielleicht, dass das Berner Büro am besten klassiert ist – die anderen beiden Teams hatten das Bahnhofsgebäude nicht mehr eingeplant.

So wurde bei der Bewertung der Siegerstudie festgehalten: «Bemerkenswert ist, wie städtebaulich passend sich der Westbahnhof den heutigen Frequenzen entsprechend behauptet und nicht wegzudenken ist.» Auch zur Gestaltung des Vorplatzes erhält das Berner Büro viel Lob, wobei der Umfang der (unterirdischen) Parkierung sowie des Park-and-Rail-Angebotes noch «diskussionswürdig» sei. Die Studie geht von 220 öffentlich zugänglichen Parkfeldern aus, «darüber hinaus ist praktisch keine nutzungsbezogene Parkierung berücksichtigt», hält der Bericht fest.

Und die Strassen ringsum?

Den Fokus mussten die drei Büros auch auf die Strassenzüge im Perimeter richten. Das Siegerpapier gefiel dabei durch die «differenzierten» Lösungsansätze, während der Wagemut des Solothurner Büros Flury und Rudolf Architekten AG auf wenig Begeisterung stiess. Es hatte eine Art «Mini-Ramblas» für die Wengistrasse vorgeschlagen. Dazu Andrea Lenggenhager: «Die Wengistrasse bleibt als Strasse ablesbar und wird mit Pavillonbauten auf öffentlichem Grund und Baugruppen ergänzt. Der Gehweg wird an die Fassaden gelegt. Diese Aufteilung lässt in Anbetracht der Eigentümerverhältnisse zu wenig Flexibilität zu.» Denn – so ihre Folgerung – käme der Gehweg an die Fassade zu liegen, müssten sämtliche Grundeigentümer die Planung auf ihrem Grundstück übernehmen.

Dazu ergänzt Andrea Lenggenhager: «Die Umgestaltung der Wengistrasse ist gemäss Finanzplan ab 2022 geplant, dies war auch ein Teil des Studienauftrags.»

Postplatz wird konkret

Die Umgestaltung des Postplatzes dagegen sei auf Mitte 2020 geplant. «Vorgängig werden wir 2019 die Kanalisation ersetzen. Zurzeit sind wir an der Ausarbeitung des Vorprojektes. Es ist geplant, mit den Arbeiten Mitte 2019 zu beginnen, die dann bis ins Jahr 2020 dauern werden. Anschliessend soll mit den Arbeiten am Postplatz weitergefahren werden.»

Ausstellung Die Resultate können noch bis am 30. November im 3. Geschoss an der Werkhofstrasse 52 (Stadtpolizei) besichtigt werden. Die Ausstellung ist werktags jeweils von 16 bis 18 Uhr geöffnet, am Wochenende von 14 bis 17 Uhr. Der Bericht ist auch auf der Homepage der Stadt Solothurn Aktuelles aufgeschaltet.