Solothurn
So sieht Kunst durchs Mikroskop und durchs Fernrohr betrachtet aus

Mit den neuen Arbeiten von Marita Caspari und Werner Neuhaus stehen sich in der Galerie Traumprojektionen des Nachthimmels und makroskopische Darstellungen von Mikroorganismen aus der Meerestiefe gegenüber.

Hans R. Fröhlich
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Marita Caspari (Malerei) und Werner Neuhaus (Holzskulpturen)

Marita Caspari (Malerei) und Werner Neuhaus (Holzskulpturen)

Hans R. Fröhlich

Die Inspirationswelten der beiden Kunstschaffenden Marita Caspari und Werner Neuhaus stehen einander diametral gegenüber. Dennoch scheint die Unendlichkeit der Stimmungsbilder des Nachthimmels, wie sie Marita Caspari darstellt, sich mit jener der mikroskopisch kleinen organischen Welt, welche Werner Neuhaus mit seinen Skulpturen sichtbar macht zu berühren.

Neuhaus versteht es als Holzbildhauer, organischen Formen im Pollenbereich und Mikroorganismen von den Radiolaren bis zum Einzeller mit seinen Holzskulpturen in «eichene Saurier» zu verwandeln. Seine Arbeiten erreichen teils sogar monumentale Dimensionen.

Die fantasievolle Gestaltung mit Zacken, Hörnern, Vertiefungen und Einblicken in ausgedehnte Hohlräume sowie die kunstvolle Bearbeitung mit zahlreichen Durchbrüchen verleiht den Skulpturen trotz der Schwere des Materials eine luftige Transparenz, jedoch auch einen skeletthaften Anschein.

Daher erinnern diese Mikroorganismen als erste Lebewesen auf der Erde, welche sich bis heute auf dem Grund der Gewässer tummeln, paradoxerweise eher an Versteinerungen. Dem gewieften Holzbildhauer Werner Neuhaus ist es gelungen aus dem Fundus einer wenig bekannten Welt eine Reihe äusserst origineller Formen zu kreieren.

Aus dem Innern geschöpft

Die Malerei bedeutet für Marita Caspari zum einen Aktion und Schwung. Aufgrund langjähriger Erfahrung und einer phänomenalen Beherrschung der Technik ist es ihr möglich, mit breiten Pinseln ein Bild mit drei spontanen rasanten Pinselstrichen gespickt mit verschiedenen Pigmenten, Tuschen und Mischtechniken auf die Leinwand oder das Papier zu legen. Bewusst lässt sie sowohl in der Farbwahl als auch in der Geste risikofreudig zum Gelingen den Zufall walten.

Zum andern arbeitet Marita Caspari tiefgründig ganz aus dem inneren Erleben. Ihre Inspiration schöpft sie aus Wandlungsprozessen, die sie durch das Leben und den Tod erfährt.

Für ihre Arbeit wesentlich sind auch tiefe Einprägungen von Begegnungen und in erster Linie elementare Naturerlebnisse wie ihre «flügelnächte», wie sie in der Ausstellung in verschiedenen Bilderreihen zu sehen sind.

Seit 30 Jahren in der Schweiz (Welschenrohr) verbringt die in Celle (Hannover) aufgewachsene Künstlerin seit Jahren die Wintermonate auf Lanzarote, wo sie 14-tägige Kurse anbietet. Auf der Insel entstehen die Arbeiten aus dem Erleben der kontrastreichen Farb- und Lichtverhältnisse der Lavastrukturen und erdigen Sande. Ebenso farbintensiv und kontrastreich sind die hochformatigen Exponate «entlang der linie» mit senkrechten Farbstrukturen.

Öffnungszeiten Mi/Fr, 14.30-17 Uhr, Do, 15-18 Uhr, Sa, 11-16 Uhr. Apéro: 7. Juni, 11 Uhr. Finissage: 14. Juni, 11-16 Uhr.

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