Solothurn
So schläft es sich im alten Wehrturm – dem einzigen Pop-up Hotel im Kanton

Der Krummturm in Solothurn ist für die nächsten drei Monate ein Hotel. Zwischen den 600 Jahre alten Mauern steht seit letzter Woche ein Bett, in dem man richtig gut schlafen könnte. Wären da nicht die Sagen, die das älteste Solothurner Gebäude umweben.

Maria Brehmer
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 Etwas unheimlich?
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 Innen sieht es jetzt fast aus wie in einem herkömmlichen Hotelzimmer: Das bequeme Bett des Pop-up Hotelzimmers im zweiten Obergeschoss des Krummturm.
Pup-up Hotel Krummturm
 Der hölzerne Dachstock mit der Treppe, die scheinbar ins Nirgendwo führt, ist recht unheimlich.
 Dank Teppichen kommt es nicht kalt vom Steinboden hoch.
 Liegend im Bett hat man diesen Ausblick.
 Sechs hohe Stufen führen zum Erdgeschoss des Krummturm. Das fast vier Meter hohe Geschoss befindet sich über dem zehn Meter tiefen Verlies.
 Geöffnet wird mit schweren Schlüsseln. Um diese mit sich rumzutragen, bedarf es mehr als einer kleinen Handtasche.
 Fast wie in den Ferien.
 Die Krummturm-Schanze dient während des Aufenthalts als private Terrasse. Prost!
 Die Morgensonne scheint durchs Ostfenster, die stadtseitige Mauer ist mit 80 Zentimetern von allen fünf die schwächste.
 Vom zweiten Stock aus hat man einen schönen Blick über die Aare gegen Westen.
 Ungewohnter Blickwinkel durch eine der so genannten Schlüsselscharten.
 Die Schlüsselscharten sind besonders von aussen gut zu erkennen.
 Auch wenn die Geleise in der Nähe sind, ist es zwischen den dicken Mauern des Krummturm auch nachts sehr ruhig.
 Am Morgen wollte noch ein junges Rotschwänzchen aus unserem Zimmer gerettet werden.
 So sieht es am Boden des Verlieses aus. Bild aus dem Archiv.
undefined Etwas Mystisches haftet ihm ja schon an, dem Krummturm von Solothurn. (Foto aus dem Archiv)

Etwas unheimlich?

Wenn Wände reden könnten, dann wäre es zwischen den dicken Mauern des Krummturm noch unheimlicher als ohnehin schon. Wobei: Richtig gespenstisch ist es im zweiten Stock des ältesten Solothurner Gebäudes (Baubeginn 1462) nicht. Eher gemütlich. Denn seit letzter Woche stehen hier ein weiches Boxspring-Bett, ein Tisch mit Designerstühlen in Pastellfarben, eine hübsche Kommode. Gruselig ist eher das Wissen um die historischen Gemäuer, etwa, dass unter dem Erdgeschoss ein Verlies ruht, in das man einst Verbrecher (oder zumindest vermeintliche) einkerkerte – herabgelassen in ein Loch ohne Fenster und ohne Fluchtmöglichkeit. Sogar der Turm-Baumeister selbst soll dort hingesiecht sein. Aber dazu später.

Klingt nach Geheimtipp, riecht nach Abenteuer

Der sagenumwobene, fast 600-jährige Wehrturm an der Westseite der Vorstadtbefestigung eignet sich also bestens als besondere Schlafstätte, wie sie im Rahmen der Städtekampagne «Swiss Urban Feeling» von Schweiz Tourismus lanciert wurde: ausgefallen und einzigartig sollte sie sein – und bisher noch nicht als Hotelzimmer in Gebrauch.

Der Schweizer Tourismusverband will mit den so genannten Pop-up Hotelzimmern, die letzte Woche in elf Schweizer Städten gleichzeitig eröffnet wurden, für das besondere Städte-Gefühl werben. Eines, das nach Geheimtipp klingt und nach Abenteuer riecht. Oder im Fall des Zimmers im Krummturm: nach kaltem Stein, altem Holz und Schiesspulver. Dies zumindest könnte man sich einbilden.

Schwerter, Dolche und Kanonen

«Wir erfüllten die Bedingungen», sagt Roland Furrer. Er ist Direktor des Hotels an der Aare, welches das Pop-up Zimmer im Krummturm betreibt. Pop-up steht für «plötzlich aufgetaucht», und irgendwann wieder verschwunden, im Fall der Pop-up Hotelzimmer nach drei Monaten. Zu den Bedingungen gehörte auch, fliessend Wasser anbieten zu können, «aber da das Zimmer in der ehemaligen Turmwächter-Stube ist, war sogar schon ein WC vorhanden», so Furrer.

Auf eine Nasszelle und damit den üblichen Hotelzimmer-Komfort muss also bei einer Übernachtung nicht verzichtet werden. Die neuen Armaturen, aber auch die neuen Designermöbel passen wunderbar in die alten Tuffsteingemäuer. Urban trifft auf historisch, und das gefällt nicht nur dem Sinn für Geschmack, auch demjenigen für geschichtsträchtige, ja Geschichten erzählende Gebäude, wie es das älteste noch vorhandene in Solothurn nicht besser tun könnte.

Eine Nacht im Krummturm beschert das volle Wehrturm-Erlebnis: Schwere Eisenschlüssel statt einer Karte öffnen die knarrenden Holztüren, im Innern dringt das Licht hauptsächlich durch die Schiessscharten ein. Zum Zimmer führen schmale, steile Holztreppen. Allerlei Kriegsgerät wie alte Büchsen, Schwerter und Dolche, Kanonen und Munition, das dem im Turm ansässigen Artillerieverein Solothurn gehört, lässt nicht nur das Kriegsfan-Herz höher schlagen.

Die Sage um den boshaften Baumeister

Und dann ist da eben noch das so genannte Angstloch, der Eingang beziehungsweise einzige Ausgang des zwei Stockwerke tiefen Verlieses. Hier kann besonders im Dunkeln gut hineingeschaut werden, denn dann beleuchtet eine schummrige Funzel die feuchte Arrestzelle.

Laut Sage soll auch der Turm-Baumeister zur Strafe hier hinabgelassen worden sein. Dies, weil er einem jungen Zimmermann den Auftrag gegeben hatte, einen geraden Dachstock auf den unregelmässigen, fünfeckigen Turm zu bauen – was bautechnisch nicht möglich ist. Mit dieser Aufgabe wollte der boshafte Baumeister den jungen Zimmermann quälen, da dieser ein Verhältnis mit seiner Tochter hatte. Was ihm gelang: Aus Verzweiflung, keinen anständigen Turm hinzubekommen, soll sich der Zimmermann vom Gemäuer des Turms in die Aare gestürzt und dort den Tod gefunden haben. Woraufhin der Baumeister im Kerker des Turmes landete, den er selbst gebaut hatte. Wer dieser Tage zwei Stockwerke über dem Verlies im weichen Federbett liegt, kann ihn vielleicht noch rufen hören. Denn muxmäuschen still ist es allemal in der alten Baute.

Übrigens: Das Frühstück kann im Turm (etwas bescheidener) oder im Hotel an der Aare eingenommen werden. Liegestühle, um die Abendsonne auf der eigenen «Terrasse» (der Krummturm-Schanze) geniessen zu können, sind vorhanden. Verpflegung gibt’s aus der Minibar.

Buchen können Sie das Zimmer unter www.myswitzerland.ch/popup. Eine Übernachtung gibt es ab 220 Franken.

Und dies sind die anderen zehn ausgefallenen Übernachtungsmöglichkeiten:

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Schaffhausen - schwimmendes Hotel Ein Glas Wein auf dem Achterdeck und das leichte Schaukeln des Wassers gehören zum nautischen Erlebnis dazu.
Solothurn - «Krummturm» Nach dem Eintritt durch die schwere Holztüre begrüsst einen erst mal das Kerkerloch.
Solothurn - «Krummturm» Im zweiten Stock dann wartet ein edel eingerichtetes Zimmer mit Boxspring-Bett und neuem Badezimmer.
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Bern - altes Zollhäuschen auf der Nydeggbrücke Heute schlafen Sie hier bequem.
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Baden - Stadtturm Jetzt können Sie sich hier freiwillig einsperren lassen.
Basel - Fischergalgen In einem Fischergalgen übernachten? Eigentlich nicht möglich, denn die kleinen Häuschen am Rheinufer sind ausnahmslos in Privatbesitz.
Basel - Fischergalgen Diesen Sommer gibts die Gelegenheit.

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