1816 wurden Westeuropa und Nordamerika nach einem weit über dem Durchschnitt liegenden nasskalten Sommer von einer schweren Hungerkrise heimgesucht. Es war der kälteste Sommer seit 500 Jahren.

Die tiefere Ursache wurde erst Jahrzehnte später erkannt. Mitschuld am katastrophalen Wetter war der gewaltige Tambora-Vulkanausbruch von 1815 in Indonesien, der den Vulkan auf einen Schlag um 1400 Meter verkleinerte und rund 100'000 Menschen das Leben kostete. Vom «Jahr ohne Sommer» betroffen waren auch die Bewohner von Solothurn.

Die daraus resultierende Missernte brachte Not und Unglück in den Agrarkanton und die Stadt. Nicht nur die Unterschicht, auch die Mittelschicht der Gewerbetreibenden litt unter den fünfmal höheren Lebensmittelpreisen. Der Mangel an Getreide führte gar dazu, dass das Brot teurer wurde als das Fleisch.

Protokolle durchsucht

Nach genau 200 Jahren nimmt sich nun das Museum Blumenstein mit einer interessanten Wechselausstellung dem Thema an. «Wir haben Gemeinderats- und Armenprotokolle aus dieser Zeit durchsucht und sind auf zahlreiche Personen gestossen, die sich zu den damaligen Missständen äusserten», eröffnete Museumsleiter Erich Weber die bis zum 27. August dauernde Ausstellung. Zu Wort kommen lässt er im ersten Stock des Patriziersitzes 14 damalige Stadtbewohner, von denen man genau weiss, wo sie gewohnt hatten.

Zu den schillernden Figuren gehören nebst einflussreichen Politikern auch die wohlhabende Witwe, der leidende Gewerbetreibende und der Bettler, der nur dank Almosen und der Hilfe anderer Eidgenossen überleben konnte. Alle Figuren sind angeordnet um einen gedeckten Tisch im Blumenstein, der unterteilt ist in eine reicher und kaum gedeckte Hälfte und so die damaligen sozialen Unterschiede aufzeigt. Die einzelnen Personen – wir werden sie im Verlauf unserer Sommerserie noch näher kennen lernen – schildern Zustände, die wir heute nur noch aus Krisengebieten in der Dritten Welt kennen.

«Eine spannende Geschichte», blickte Blumenstein-Konservator Erich Weber vor den zahlreich erschienen Vernissage-Gästen in die Vergangenheit.

Auch das Naturmuseum macht mit

Die Ausstellung «1816/1817 – Der Kampf gegen die Teuerung» wird am 25. August durch eine zweite Ausstellung im Naturmuseum Solothurn ergänzt. Sie beschäftigt sich dann mit den Ursachen der Teuerungskrise und der Klimaverschlechterung nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien. Der zweite Ausstellungsteil wird mit einer separaten öffentlichen Vernissage eröffnet.