Wetterjahr
So kalt war 2010 in der Stadt Solothurn

2010 geht als das bisher kälteste Jahr des neuen Jahrtausends in die Geschichte ein. Damit bestätigte letztes Jahr den «Mini-Trend» zu schneereicheren Wintern im letzten Jahrzehnt.

Wolfgang Wagmann
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Warm anziehen

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Solothurner Zeitung

2010 schneite es in Solothurn an 42 Tagen, an 129 regnete es, und an 99 von 365 Tagen war die Sonne nie zu sehen. Als Entschädigung gabs aber auch 68 Tage, an denen die Sonne fast unbehelligt schien. Dafür blieb die Aarestadt von Turbulenzen wie Sturmschäden oder Hagel einmal mehr weitgehend verschont: Das Wetter-Tagebuch weist auch nur gerade drei Gewitter von der gröberen Sorte aus.

Doch ein Phänomen hebt das letzte Jahr heraus: Es war mit nur gerade 9,7 Grad das kälteste dieses Jahrzehnts, notabene das Einzige unter 10 Grad im Jahresmittel! Dafür verantwortlich waren vor allem die zu kalten Wintermonate Januar und Dezember, aber auch der März und Mai. Insgesamt bestätigte das Jahr 2010 den «Mini-Trend» zu kälteren, schneereicheren Wintern im letzten Jahrzehnt: Die ersten fünf Jahre wiesen in Solothurn 33 Eistage und 40 Schneetage weniger auf, als die Jahre 2006 bis 2010 (vgl. Tabelle rechts).

Eine trockene Angelegenheit

Auch 2010 blieben die Niederschläge mit insgesamt 1125 Litern pro Quadratmeter im Wallierhof Riedholz klar unter dem Mittel der letzten sechs Jahre, das bei 1338 Litern liegt. Der Trend zu trockeneren Jahren ist noch klarer ablesbar, denn Vergleichszahlen gibt es im Wallierhof seit 1977. Im Jahresmittel fielen seither nördlich von Solothurn knapp 1400 Liter Regen.

In den Achtzigerjahren gabs jährlich sogar 1477 Liter, seit 1990 waren es nur noch 1358 Liter pro Jahr gewesen. Von den letzten elf Jahren blieben übrigens acht gegenüber dem Langzeitmittel zu trocken; «Dürre-Leader» war das Jahr 2003 mit dem «Jahrtausendsommer», als nur gerade 889 und damit erstmals deutlich unter 1000 Liter Wasser pro Jahr und Quadratmeter registriert wurden.

Asche- und sonstige Wolken

Der Winter 2009/10 war nicht von Pappe, denn der Januar blieb mit einem halben Minusgrad im Mittel kalt und brachte etliche Schneetage. Im Februar war eine geschlossene Schneedecke in den ersten drei Wochen und damit auch über die Fasnacht ein Thema. Und auch im März mischte der Winter bis zur Monatsmitte nochmals kräftig mit; mit nur 4,4 Grad fiel er auch ausgesprochen kühl aus. Entschädigt wurden die wintermüden Solothurnerinnen und Solothurner durch einen extrem sonnigen und damit trockenen April.

Optisch nicht beeinträchtigt wurde der Dauersonnenschein durch die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, der ab dem
16. April den Flugverkehr in fast ganz Europa tagelang lahmlegte – das Phänomen war nämlich am Himmel von blossem Auge nicht wahrnehmbar. Ganz anders dagegen die Dauerbewölkung im nassgrauen und kühlen Mai, der für ein massives Monatsdefizit an Sonnenschein sorgte.

Ein Solala-Sommer

Der Juni zerriss über weite Strecken auch keine Stricke, erst aufs Monatsende hin wurde es sommerlich. Deutlich zu warm und leicht zu trocken sorgte der Juli für mehr Sommergefühle, wobei fünf, sechs trockene Tage hintereinander schon ein Spitzenwert waren. Keineswegs gerettet wurde der bis dahin mittelprächtige Sommer durch den August – im Gegenteil: Sehr nass mit bis zu 200 Litern Regen pro Quadratmeter und nicht einmal 18 Grad im Monatsmittel leitete er früh zum Herbst über.

Dieser bescherte vorerst einen sehr sonnigen, trockenen September, gefolgt von einem neblig-trüben Oktober. Warm, nass, aber auch teilweise recht sonnig zeigte der November in der ersten Hälfte ein atypisches Gesicht. Das wars dann gewesen, ab dem 24. November übernahm der Winter mit viel Schnee und ungewöhnlich häufigen Eistagen das Zepter (vgl. nochmals oben die Eis- und Schneetage seit 2000 in Solothurn).

Doch jetzt scheint der Winter schlappzumachen: Ab Donnerstag wird es sehr mild und ein erneuter Wintereinbruch könnte, wenn überhaupt, erst in der zweiten Januarhälfte stattfinden. Was aber durchaus dem langjährigen Trend entspricht, dass die schneereichsten Monate der Februar und oft – der März sind...