Seit 20 Jahren ist sein Besuch im Juni Pflicht: Gärtner Laurent Michel, versierter Fachmann, der auch in Versailles wirkt, trimmt die mächtigen Eiben in ihre kunstvollen Formen. Schon seit 25 Jahren sorgt die Bill de Vigier Stiftung dafür, dass dank regelmässigen Besuchen von Fachleuten wie Michel das Sommerhaus «im Schuss»bleibt.

Ein Jubiläum, das die Familie de Vigier nun mit der Stiftung und 200 Gästen feierte. Stiftungspräsident Raoul Stampfli konnte dazu auch die «Schwestern-Stiftung», die W. A. de Vigier Stiftung, präsidiert durch Daniel Borer, begrüssen. Sie hatte letzte Woche erneut 10 Jungunternehmerinnen und -unternehmer ausgezeichnet, «was inzwischen zu zahlreichen Firmengründungen und bald 100 Start ups geführt ha», wie Borer ausführte.

(von links nach rechts) Kurt Fluri, Anne Sweetbaum-de Vigier, Benno Schubiger, Lotti Arnet Siegrist, Bernhard Hammer, Vizepräsident, Norah de Vigier, Raoul Stampfli, Präsident, Jeannette de Vigier und Eugen Hänggi. Ganz rechts; Beat Graf, Geschäftsführer der Stiftung.

Die Stiftungsräte der Bill de Vigier Stiftung:

(von links nach rechts) Kurt Fluri, Anne Sweetbaum-de Vigier, Benno Schubiger, Lotti Arnet Siegrist, Bernhard Hammer, Vizepräsident, Norah de Vigier, Raoul Stampfli, Präsident, Jeannette de Vigier und Eugen Hänggi. Ganz rechts; Beat Graf, Geschäftsführer der Stiftung. 

Ein «wahres Bijou»

«Man soll nicht alles auf eine Karte setzen», diesem Leitspruch habe Bill de Vigier nachgelebt, als er gleich zwei Stiftungen gründete: die eine, um Jungunternehmer zu fördern, die andere 1993, um den Sommersitz seiner Familie zu bewahren. «Diese Liegenschaft ist ein wahres Bijou, die damit professionell erhalten wird.» Und die Geschichte einer Familie erzähle, die für Solothurn über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle gespielt habe, verwies Baudirektor Roland Fürst speziell auf die Rolle der de Vigiers als Dolmetscher an der französischen Botschaft.

Zur Geschichte des Sommerhauses lieferte Stiftungsrat Benno Schubiger die Informationen. Das erste Türmlihaus in Solothurn wurde 1648 durch Philipp Wallier-Schauenstein erbaut, gelangte dann in den Besitz der von Roll und ging 1777 an den französischen Generalschatzmeister Anzillon de Berville.

1822 traten die de Vigier auf den Plan, wobei Bill de Vigier das Haus 1962 übernahm. Zehn Jahre vor seinem Tod 2003 gründete er die Bill de Vigier Stiftung mit dem Zweck, das Haus und den Park zu erhalten – was möglich ist auch dank Mitteln aus der Vermietung des Vigierhofs im Zentrum der Altstadt.

3 Mio. Franken investiert

Zum 100. Geburtstag Bill de Vigiers 2009 wurde eine umfassende Renovation des gesamten Ensembles in An griff genommen. «Insgesamt wurden 3. Mio. Franken ohne private Investitionen der Familie de Vigier und ohne Subventionen investiert», zeigte Stiftungsrätin Lotti Arnet Siegrist das Engagement über Jahre auf. Einfriedungen und Mauern wurden repariert, die Parkanlage und das marode Ökonomiegebäude saniert, Fassaden renoviert.

Extrem aufwendig gestaltet sich die fachgerechte Restauration der Innenräume, die nebst der Auffrischung von Malereien einem einzigartigen schweizerischen Kulturgut galten: dem so genannten Alkovenzimmer, einem jener Prunkstücke, die der französische Generalschatzmeister im Stil von Louis XV hatte einrichten lassen.

In einem 15-minütigen Dokumentarfilm zeigte man eindrücklich auf, wie die beschädigten, im Indienne-Verfahren bedruckten Baumwollstoffe, wieder soweit konserviert wurden, dass sie weiterhin von Besuchern wie heute und morgen bestaunt werden können.

Staatstragende Rolle

Stadtpräsident und Stiftungsrat Kurt Fluri würdigte die staatstragende Rolle der de Vigier in der Eidgenossenschaft des 19. Jahrhunderts – sie hatten sich als Radikale für die Volksrechte eingesetzt. Aber auch als Förderer der Stadtmusik Solothurn hätten sich die de Vigier des 20. Jahrhunderts hervorgetan, so Fluri. Er verwies auch auf das von seinem Vorgänger dankend abgelehnte Angebot an die Stadt, das Sommerhaus zu übernehmen: «Man vertrat schon damals die Auffassung, die Übeführung in eine privatrechtliche Stiftung werde dem durch Familien- und Unternehmergeist geprägten Sitz besser gerecht.»