Solothurn

«So etwas habe ich noch nie erlebt»: Velowerkstatt arbeitet seit April auf Hochtouren

Daniel Bläsi hat in jedem Sommer viel zu tun.

Daniel Bläsi hat in jedem Sommer viel zu tun.

Daniel Bläsi und Reto Bürki reparieren und verkaufen Fahrräder in Solothurn. Die Coronakrise hat bei ihnen eher für mehr Arbeit gesorgt.

«Nein, ich habe fast nichts bemerkt», erklärt Daniel Bläsi. Er steht in seiner kleinen Velo­werkstatt an der St.Niklausstrasse. Soeben hat er ein E-Bike aufgebockt. Schon nach wenigen Minuten betritt ein Mann das Geschäft und will seinen «Platten» sofort geflickt haben. «Kommen Sie in einer Stunde wieder vorbei», meint Bläsi. Werbung hat er, seit er vor 32 Jahren sein Geschäft eröffnet hat, noch nie machen müssen. «Ich habe noch nie eine Krise erlebt», sagt er. Egal wie die wirtschaftliche Grosswetterlage war, Fahrräder habe er immer zum Reparieren und Verkaufen gehabt.

Als im März die ersten Auflagen des Bundes kamen, hat er schon gemerkt, dass weniger los war. Er konnte durchgehend arbeiten, doch viele haben gar nicht realisiert, dass seine Werkstatt offen ist. «Normalerweise ‹räblets› bei den ersten Sonnenstrahlen. Dieses Jahr war das viel ruhiger. Das war auch mal schön», meint der Velomechaniker. Das Geschäft habe dann aber schon angezogen. «Aber ich habe halt die Leute, die schon seit Jahren zu mir ­kommen», erklärt Bläsi. So sei dieses Jahr für sein Geschäft eigentlich nicht aussergewöhnlich gewesen. Arbeit habe er ­immer.

«Wir arbeiten seit April auf Hochtouren»

Im Vergleich zu diesem Einmannbetrieb steht der Betrieb von Reto Burki an der Bielstrasse. In seinem Tropical Bike & Fun Shop arbeiten 13 Angestellte. Auch er habe im März einen Rückgang erlebt. Dann wollte er auch das Café in seiner Werkstatt eröffnen. «Das war für kurze Zeit offen und dann mussten wir sofort wieder schliessen.» Doch diese Verschnaufpause war nur von kurzer Dauer: «Im April ist das Geschäft wie verrückt abgegangen. So etwas habe ich noch nie erlebt», so Burki. Auch er hat schon seit 32 Jahren ein Geschäft in Solothurn. Einen solchen Ansturm haber er aber bis jetzt noch nie erlebt. «Wir arbeiten seit April auf Hochtouren», sagt der Unternehmer. Auch seine Lieferanten seien langsam am Anschlag. «Für ein Fahrrad à la carte muss man normalerweise drei bis vier Wochen warten.» Heute habe sich die Wartezeit verdoppelt.

Auch bei Bläsi hat sich bei einigen Fahrräder die Lieferzeit verlängert. «Bei gewissen Produkten ist die Lieferkette unterbrochen», erklärt er. Aber bei ihm dauert es immer eineinhalb Monate, bis ein Fahrrad bereit sei. «Das hat sich diesen Sommer nicht wesentlich verändert.» Er schliesse nicht aus, dass in Zukunft die Lieferketten nicht mehr garantiert werden können. Er zeigt an einem E-Bike auf, wo die verschiedenen Teile produziert werden. So ist ein Schweizer Fahrrad ein längst globalisiertes Produkt. Er wisse auch nicht, ob die coronabedingten Lieferunterbrüchen jetzt schon überstanden seien.

Fahrradfahren eine Modeerscheinung?

«Ich denke, dass viele die Schönheit des Velofahrens wiederentdeckt haben», sagt Bläsi. So glaube er, dass immer mehr Leute auf das Fahrrad umsatteln. Auch Burki geht davon aus, dass es sich um eine nachhaltige Entwicklung handelt. Einige Kunden haben ein Fahrrad gekauft, da sie die öffentlichen Verkehrsmittel meiden wollten. Andere wollten E-Mountainbikes oder ein Gravelbike, ein Rennvelo mit breiteren Pneus, die man auch auf einer Schotterstrasse fahren kann.

«Die Leute hatten dank Kurzarbeit mehr Zeit und unter dem Strich auch mehr Geld im Sack, weil sie weniger Möglichkeiten hatten, ­dieses auszugeben», sagt Burki. In der Ferienzeit kommen ­vermehrt Fahrradtouristen in Bläsis und Burkis Geschäft. Einen Unterschied zu den vergangenen Jahren sehen beide nicht. «Möglicherweise sind jetzt mehr Schweizer unterwegs», aber abschliessend könne er das Bläsi nicht sagen. Im Sommer sei sowieso immer viel los, aber für Notfälle versuchen beide, immer zur Verfügung zu stehen.

Dieser Herbst wird für Burki speziell sein. Normalerweise würde er an der HESO ausstellen. «Ja, das schmerzt schon, dass die HESO nicht stattfindet.» Er verkaufe nicht viele Fahrräder dort, aber es sei immer gut für den Kundenkontakt. «Es ist einfach schade, nachdem wir in den vergangenen 25 Jahren an der HESO dabei waren.»

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Autorin

Judith Frei

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