Von Beethoven bis Kinderlieder, von der stillen Plakatpantomime bis zu lautstark konkreten Poesie gab es alles auf der grossen Kofmehlbühne. Und der Name der Veranstaltung war so verwirrend, wie die Vielfalt des Programms: Der Solothurner Kleinkunsttag findet nämlich nachts statt. Klein waren die Darbietungen ebenfalls nicht, ein paar kamen im bis auf den letzten Platz ausverkauften Kofmehl sogar grossartig rüber. Eng gefasst war einzig das Zeitlimit von zehn Minuten pro Vorführung. Somit müsste man also eher von der 12. Solothurner Kurzkunstnacht sprechen.

Den Start machten meierhuber mit skurrilen Liedern und Aaron Hitz interpretierte Tom Waits. Mit witzigen Sprüchen führte Fredy Hug durch die Umbauphasen der zehnmal zehn Minuten mit den zehn ganz unterschiedlichen Darbietungen: Hanspeter Bader und Dülü Dubach interpretierten lautmalerische Gedichte von Ernst Jandl, Marlis Walter spielte Beethoven am Klavier, Evi Fasolin und Fränzi Lanz brachten das Publikum mit Plakatpantomime zum Schmunzeln. Die beiden jungen Slam-Poeten Martin Breu und Hannes Schraner philosophierten tiefsinnig, Simu Fankhauser zeigte seine alten Bagatello-Unterhosen und stellte seine neuen Kinderlieder vor.

Amüsanter Blick von aussen

«Wau-wau, ha-ha, welches Dorf ist das?», fragte Urs-Sepp Troxler, und er musste die Antwort selber liefern: Bell-lach. Als Luzerner, der in Olten Unterschlupf gefunden hat, fand er einen amüsanten Blick von aussen auf Solothurn. Insiderwissen verriet dagegen Nachtwächter Egger, alias Marie Christine Egger. Der führte nämlich durch die Solothurner Nacht zur Zeit, als gerade die Strassenbeleuchtung eingeführt werden sollte. «Man kann doch niemanden zwingen, für etwas zu zahlen, was er gar nicht will», führte Nachtwächter Egger Argumente gegen die kommende Laternegebühr an – wie sie so ähnlich schon bald gegen die Billag wirken sollen.

Das leicht an das Duo Fischbach angelehnte Schlussfeuerwerk lieferten Rhaban Straumann und Matthias Kunz, alias Ruedi und Heinz oder Strohmann-Kauz: «Was sind das für Leute da unten?», fragte der junggebliebene Greis Ruedi seinen Freund im Altersheim. «Das sind die von der Warteliste», legte Heinz mit schmerzhafter Ehrlichkeit die sich rasant nährende Zukunft der Zuschauer offen. Humor ist, wenn man trotzdem herzhaft lacht – man darf sich bereits auf den 13. Kleinkunsttag in der nächsten Altjahreswoche freuen.