Solothurn
Sinnliche Welten verbunden mit universellen Ideen

Bilder von Esther Haltiner-Lüscher und Zeichnungen von Jacques Philipp Neukomm stehen im Fokus der aktuellen Ausstellung in der Galerie Artesol an der Hauptgasse 50 in Solothurn.

Eva Buhrfeind
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acques Philipp Neukomm und Esther Haltiner-Lüscher stellen im «Artesol» aus.

acques Philipp Neukomm und Esther Haltiner-Lüscher stellen im «Artesol» aus.

zvg

«Ich bin keine Künstlerin», sagt Esther Haltiner-Lüscher aus Aarau über sich und ihr künstlerisches Schaffen, «ich bin eine Hand-Werkerin». Auf eine Art hat sie recht, allen ihren Arbeiten ist das Handwerkliche und das Gestalterische eins. Haltiner-Lüscher liebt den Wachs, formt ihn, zeichnet ihn, wächst und wandelt mit dem Wachs, so wie der Wachs mit ihr wächst und sich wandelt.

Da führt eine ausgefeilte, ursprünglich traditionelle Batiktechnik bei Esther Haltiner-Lüscher zu besonderen Bildern und damit zu spezifischen künstlerischen Grundsätzen: Licht, Farbe, die Bewegung, das Transparente, die inwendige Architektur einer Form und die zeichenhafte Anmut – sie sind Seele und Intention, das Künstlerische in ihrem Werk. Ihre Arbeiten entführen in sinnliche Welten fragiler und feinstofflicher Momente, Formen und Zeichen, bis zu den plastischen Objekten, die, ob organisch, naturhaft, poetisch oder märchenhaft, eine ganz eigene Welt bespielen.

Haltiner-Lüscher kam durch früheres textiles Arbeiten zur Kunst, so hat sie sich eigene Kleider aus selbst gebatikter Seide geschneidert. In Kursen hat sie das experimentelle Arbeiten gelernt und lieben gelernt. Sie bereiste einige Male Indonesien auf den Spuren der traditionellen Batikkunst, in der sie ihre Erfüllung und ihr Talent gefunden hat.

Ihre Sensibilität und Affinität zu dieser alten indonesischen Batiktechnik mit dem Tjanting, mit dem man mittels schlanker Tülle, wie eine Feder so fein, und mit flüssigem Wachs auf den Stoff schreiben oder zeichnen kann, spürt man in all ihren Werken, scheint in diese Bilder hinein verwoben zu sein. Diese feine Art, mit dem Wachs zu zeichnen und zu formen und mit Aquarellfarben zur Vollendung zu bringen, sie sind die Kunst, das Wesen ihrer handwerklichen Bildentstehung.

Konstruktion oder Kunst

Wenn man Jacquy Neukomms Werk als strukturierender Grundsatz des Ganzheitlichen zwischen Konstruktion und Kunst betrachtet, erscheint es als eine universelle Denkfabrik: schöpferisch und analytisch stets auf der Suche nach der Einheit von Form und Sinn, planerische Skizzen als ordnende Rasterprinzipien lebendiger Gedankenwelten, geometrische Grundformen als Basis aller kreativen Ideen, philosophische und spontane Erlebnisse im Netzwerk linearer Strukturen des Lebens und der Natur, tänzerische und strukturelle Analytik, moderne und klassische Konzeptionen.

Neukomm ist ein vielfältig interessierter Künstler, der sich nicht so einfach ein- und zuordnen lässt. Um einen Zugang zu den zum Teil vielschichtigen, zum Teil komplex vernetzten Inhalten zu finden, ist sein beruflicher Lebensweg interessant. Ist doch sein Leben nicht einfach eine Biografie, sondern eine Lebensfülle an Erfahrungen, Begabungen, Engagements, inspirierenden Eckdaten und künstlerischen Konzepten.

Aus Hallau bei Schaffhausen stammend, gehören zur Berufsausbildung der Hochbauzeichner und der Ingenieur Holz- und Formsperrholzbau. Es folgte ein Kunst-Studium mit dem Abschluss als Plastiker an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover sowie autodidaktische Weiterbildungen. Sein Faible für Ballett, Theater, Musik konnte er mit Charakter- und Bewegungsstudien an der staatlichen Hochschule für Musik, Theater und Ballett in Hannover vertiefen.

Interdisziplinäre Tätigkeiten erweiterten sein Wissen und Können beispielsweise im Städtebau, in Landschafts-, Garten- und Innenarchitektur, in technischen Berufen wie der Konstruktion, im Fahrzeugdesign und Innenausbau, immer wieder auch als Gestalter und Plastiker in der angewandten und freien Kunst, die er als sich bedingende Einheit versteht. Er arbeitete als wissenschaftlicher Zeichner für Kieferchirurgie am zahnärztlichen Institut der Uni Zürich und war Kursleiter für figürliches Zeichnen, Akt- und Porträt-Zeichnen.

Artesol-Ausstellung bis 30. März. Apéro: Sa, 23. März, 11 Uhr. Finissage: Sa, 30. März, 11 bis 16 Uhr.