Kreative Kräfte braucht die Stadt. Denn der Sommer in Solothurn ist nicht mehr, was er einst war. Kein Classic Openair, kein Juli-Openair-Kino, kein Freilichtheater auf dem Zeughausplatz, aber auch kein Jazz am Märetplatz mehr.

Hatten wir alles einmal. Das Fest am Landhausquai nur noch ein minimiertes «Kreuz»-Festli, und das Street-Music-Festival im Unteren Winkel diesen Samstag – so wird gemunkelt – könnte nach 20 Jahren das letzte sein.

Zum Glück hatten wir wie alle zwei Jahre Fussballsommer, sonst wäre unser Sommerprogramm gar dünn geworden. Der Bär steppt indessen in der Provinz: Selzach, Etziken und Burgäschi zeigen Solothurn, wos lang geht.

Kreativität leidet hier nicht unter Platzmangel. Sogar wenn der immer noch rissige, und im Juli nicht sanierte Kreuzackerplatz bis auf weiteres gesperrt bleibt. Bestätigt zumindest die Stadtpolizei.

Auch die kürzliche Diskussion mit einem SP-Mann, der eine seiner Lebensaufgaben darin sieht, den Klosterplatz von den dortigen Parkplätzen zu befreien, bringt uns nicht weiter. Der Platz – ohnehin für jedes Festli, Demo-Zeltchen sowie den Monatsmäret zur autolosen Tabuzone verknurrt – habe ein «riesiges Potenzial». Meint der SP-Mann. Doch was nützt uns das ganze Potenzial, wenn niemand mehr daraus etwas macht?

Kreativ um jeden Preis geht auch nicht. Schweifen wir für die Beweisführung ab ins ferne Tessin. Dort hatte ein Grotto letzten Samstag mit einer weit gestreuten Plakat-Orgie zur «Festa cinghiale» geladen. Nichts wie hin!

Beim Eintreffen lag das arme, saft- und kraftlose Wildschwein schon arg durchgebraten wohl seit einer Stunde portioniert auf dem Grill. Dazu hütete ein obelix-schnauziger Grilleur massenhaft bleiche Kalbsbratwürste, die später – um die Sau zu strecken – fast ebenso bleich als «grillata mista» den dümmeren Gästen verabreicht wurden. Die Wahl von Wildsaupfeffer wäre die bessere gewesen.

Fleisch zart – aber leider bestand die Polenta nur aus Klumpen. Wer «cinghiale» grilliert geordert hatte, versuchte erfolglos Rippenknochen von verkohltem Schwarz zu befreien. Dazu Büchsenbohnen und geschmacklose Pomodori – im Tomatenmonat August im Ticino! Bier, Wasser und Speisen kamen in und auf Plastik zu Tisch.

Sowie als Special-Gag eine nette Bedienung, die uns in ihren einzig verfügbaren Sprachkenntnissen – also englisch – fragte, ob wir die bestellte Flasche Wein wohl selbst öffnen könnten? Sie habe sowas noch nie gemacht. Wir schon.

Doch – was hat das alles mit Solothurn zu tun? Food und Kreativität sind stets eine Herausforderung. Ende nächster Woche wissen wir, ob Solothurn sie gemeistert hat. Am 2. Street-Food-Festival beim Kofmehl. «Buona Festa!»