Solothurn
Singknaben begeisterten mit alljährlichem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach

Der Andrang bei der Jesuitenkirche war gross vergangenes Wochenende: Die Begeisterung für das alljährliche Weihnachtsoratorium der Singknaben lässt auch nach Jahren nicht nach.

Gundi Klemm
Drucken
Teilen
Mit einem festlichen Klanggebilde stimmten die Singknaben auf Weihnachten ein.

Mit einem festlichen Klanggebilde stimmten die Singknaben auf Weihnachten ein.

David Ochsenbein

Dass Traditionen so schön sind, dass man sich nicht satt hören kann an der alljährlichen Aufführung des Weihnachtsoratoriums, zeigte der Andrang zu den Konzerten der Singknaben in der Jesuitenkirche am Wochenende. Am Sonntag fand in den Gassen zudem die szenische Aufführung der Weihnachtsgeschichte statt. Wer wollte, konnte das biblische Geschehen anschliessend in durchgeistigter, musikalischer Form erleben. Johann Sebastian Bach (1685-1750) hat das Oratorium zur Aufführung an den heiligen Nächten rund um Weihnachten und im neuen Jahr sechsteilig geschaffen.

Geburt Jesu in dramatischer und lyrischer Form

In diesem Jahr wählte Andreas Reize, der musikalische Leiter der Singknaben, die Teile I, II und VI aus, weil eine Gesamtaufführung viel zu lange dauern würde. In dieser biblischen Handlung wird dramatisch und lyrisch von der Geburt Jesu, den himmlischen Erscheinungen auf dem Feld bei den Hirten und der Pilgerreise der heiligen drei Könige zur Anbetung des neugeborenen Kindes in der Krippe berichtet. Und immer wieder neu ist die Genugtuung der Zuhörer, dass König Herodes nichts über den «neugeborenen König der Juden» erfuhr. Denn die Sterndeuter gingen auf geheimen Wegen zurück in den Orient. Für diesen Zyklus fügte der «Vielschreiber» Bach weltliche und kirchliche Eigenkompositionen zusammen, ergänzte mit bekannten reformierten Kirchenliedern und einem charakteristisch ausmalenden Orchesterpart.

Der 24-köpfige Cantus firmus consort, als Ensemble spezialisiert auf das Spiel auf historischen Instrumenten, war – wie alljährlich- ein virtuoser Partner, der dem Werk diese unnachahmlich festliche Stimmung und Heiterkeit verlieh. Herausgehoben waren immer wieder einzelne Instrumentalgruppen und nicht zuletzt die prachtvoll agierenden Trompeten. Eine wesentliche Rolle nehmen ebenso die Pauken ein, die mit aufrüttelndem Rhythmus den Eröffnungschor «Jauchzet, Frohlocket» anführen. Die Handlung erzählte bei dieser Aufführung Evangelist Michael Feyfar, dessen hohe Tenorstimme die Bibelworte klar und deutlich wiedergab. Altist Jan Börner, dem Publikum vertraut wie Feyfar, zeichnete in Rezitativen und besonders in den Arien wie «Schlafe, mein Liebster» ein zu Herzen gehendes Bild. Klanglich und sprachlich wohl proportioniert gefiel Bassist Matthias Helm. Die Solo-Knabenstimmen von Elvin Hochuli, Lucien Deubel und Jan Kaltenbach füllten den Raum mit jubelnd-innigem Gesang.

Anblick der 80 jungen Sänger

Alljährlich wieder freut sich das Publikum auf diesen optisch-musikalischen Chorauftritt. Stimmen und Orchester verliehen der gesamten Darbietung eine feierliche Grösse, die vielleicht dem eigenen Weihnachtsglück zusätzlichen Glanz vermittelt. Chorleiter Andreas Reize gab Chor- und Orchesterpartien eine geradezu tanzartige Leichtigkeit, die auch bezüglich seines Dirigierstils an rhythmisch beschwingte Menuette denken liess. Unvergessen bleiben die Hirten auf dem Felde, die zarten Engelschöre, das entfesselte «Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben», die Choralmelodie «Ich steh an deiner Krippen hier» oder das mutige Quartett-Rezitativ: «Was will der Höllen Schrecken nun..., da wir in Jesu Händen ruhn?» Mit drei Chorsätzen als Zugabe verabschiedeten sich die Singknaben im begeistert applaudierenden Auditorium.