Boris Petronje schlüpfte mit der Galerie von Herrschern und Dienern in unterschiedlichste Welten, am Flügel von Franco Trinca virtuos und kongenial begleitet. Ohne Effekthascherei, allein mit der Kraft von Stimme und Persönlichkeit, formt der Bassist aus Opernhelden Menschen, lässt sie für einen Augenblick lebendig werden.

Kredenzt bereits zum Auftakt mit Don Basilio und «La calunnia» ein kleines Kabinettstückchen. Denn trotz mitreissender Komik blitzt in Petronjes Interpretation auch das Gefährliche des Intriganten auf. Rossinis Basilio, wie auch Mozarts Figaro und Leporello verleiht er einen Schuss Schalk in der Stimme, serviert sie mit Witz und Augenzwinkern. Als Don Giovanni oft auf der Bühne, sang er im Blumenstein erstmals den Part des Dieners.

Als Leporello listet er in der Registerarie die gebrochenen Damenherzen in Spanien und Frankreich auf, kostet die Phrasen voll aus, flirtet mit dem Publikum. Boris Petroje ist ein Erzkomödiant, vor allem aber ein Belcantist, der mit subtilen Valeurs koloriert.

Als Ivan Susanin verabschiedet er sich vom Leben und den Kindern. Schon die erste Sequenz «Sie ahnen die Wahrheit. Ach, beeil Dich, Morgenröte» erfüllt er mit Melancholie und Angst vor dem Tod.

Der Schmerz wird lebendig

Mit einer reichen Palette an Klangfarben und feinabgestufter Dynamik, vom zartesten Pianissimo bis zum expressiven Forte, lässt er die Figur und den Schmerz lebendig werden. Desgleichen im grossen Philipp-Monolog aus Verdis «Don Carlo».

Da sitzt ein Herrscher in seinem Arbeitszimmer, sinniert über die Einsamkeit, Vergänglichkeit und das Verhältnis zu seiner Frau. Die Arie «Sie hat mich nie geliebt» ist von Leid und Schmerz getränkt, offenbart den verletzlichen Mann hinter dem Machthaber. Boris Petronje könnte sich auf den strömenden Wohlklang seiner Prachtsstimme (Fürst Gremin) verlassen.

Doch tut er dies nicht, weil er weiss, dass ein Charakter nur mit einem schönen Klang nicht angemessen ausgeleuchtet werden kann. Vielmehr wird die Stimme zum Instrument, durch das Emotionen entfaltet werden. Mit welcher Leichtigkeit und Charme er sich auch im Reich der Operette bewegt, spiegelte sich in den lachenden Gesichtern der Zuhörer, die er mit «Ja das Schreiben und das Lesen» aus dem «Zigeunerbaron» verzauberte.

Boris Petronje wird am 15. Dezember erneut in Solothurn zu hören sein und in der Weihnachts-Andacht in der Marienkirche gastieren.