Stadtbummel Solothurn

Singe, wem Gesang gegeben

Manche (wie Lady Gaga) können singen, andere weniger.

Manche (wie Lady Gaga) können singen, andere weniger.

Singe, wem Gesang gegeben. Das findet häufig statt. Zwar nicht im von Ludwig Uhland besungenen deutschen Dichterwald, dafür in unserer Altstadt. Oft fühlt man sich an das aus der Bibel abgeleitete Wort erinnert: Viele fühlen sich berufen, doch wenige sind auserkoren.

Als dämpfendes Mittel gegen zu extensives Musizieren wurde für unser Gemeindegebiet die zeitliche Einschränkung der Vorstellungen eingeführt: Die Solisten, Duos, Trios und so fort sollen nicht länger als 20 bis 30 Minuten am gleichen Ort auftreten. Da stellen sich grundsätzliche wie kulturelle Fragen: Wie lange dauern 20 Minuten für die Freunde aus amerikanischen Hochgebirgen oder Tiefebenen Südosteuropas? Die Standortverschiebung wird zwar befolgt, oft jedoch kleinlich ausgeführt – zehn Schritte weiter gibts den nächsten Auftritt.

Eine Frage der Sozialdistanz?

Andere Mittel gegen unerwünschte Musik hat man auch schon gesehen: Man spannt auf einer Gitarre die Saiten nur wenig, das senkt die Dezibel ziemlich. Die Saiten können auch gleich ganz weggelassen werden - wir nähern uns der Luftgitarre, das ist die leiseste.

Gesang in den Kirchen, im Konzertsaal, im Kofmehl, am Aarestrand, auf den Schanzen und so fort. Zum Beispiel am Festgottesdienst der Vorstädterchilbi: Selten hört man den Schweizerpsalm so volltönend gesungen. Allerdings lesen auch dort die meisten spätestens ab der zweiten Strophe den Text vom Blatt ab. Den Quervergleich mit Gepflogenheiten an 1. Augustfeiern und in Sportstadien sparen wir uns.

Entscheidend ist auch immer, ob uns der Musikstil gefällt, der gerade performt wird. Tut er dies, ist es schön, tun die abgesonderten Geräusche das nicht, ist dieser Event für Empfindliche keine Musik.

Am Schönsten hat es in aller Kürze Wilhelm Busch etwa so auf den Punkt gebracht: «Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden.» Abhilfe schaffen!? Für viele – hauptsächlich für diejenigen, die ihnen nicht ständig ausgesetzt sind - gehören die Darbietungen zu einer lebendigen Stadt. Es wäre schade, wenn die guten Auftritte - und die gibt es auch! – verloren gingen.

Auf dem Zürichsee ist den Schiffen das Tuten verboten worden. Den Stadtbummler hat das Hornen von Schiffen noch nie gestört – und er darf mitreden, denn er hört die Aareschiffe bei Ankunft und Wegfahrt auch in der oberen Altstadt. Nach Binnenschifffahrtsverordnung ist das aber eine Schallzeichenabgabe und nicht einfach Tuten oder Blasen. Sie merken es, liebe Leserinnen und Leser, jetzt wirds ernst und kompliziert. Deshalb ein fröhliches Tuuuut zur Rückkehr auf den trockenen Bummel.

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