Da stellt sich dann aber doch die Frage – vorerst vom Kanton formuliert –, wie die Kultur gefördert oder eher gepflegt werden soll. Schon das eine differenzierte, um nicht zu sagen philosophische Angelegenheit. Kommt dazu: Über Geschmack kann man nicht streiten, da niemand in der Lage ist, zu bestimmen, welches Geschmacksempfinden das richtige sei. Und weiter: Ausgezeichnete, geförderte, gepflegte Kulturschaffende und ihre Anhängerschaft reagieren positiver als diejenigen, die keinen Preis erhalten haben. All diesen Gesichtspunkten und vielem mehr wird man – auch auf lokaler Ebene – in einem Leitbild Rechnung tragen müssen. Bleibt zu hoffen, dass es unter diesen Bedingungen nicht zu einem Leidbild verkommt.

Kunst muss nicht immer und von allen verstanden werden. Hauptsache, man kann sich daran erfreuen oder darüber wenigstens heftig diskutieren. Und oft hilft die Gewohnheit weiter. So schüttelte auch der Stadtbummler seinerzeit den Kopf über den Zusammenhang zwischen Kunst und Gockelgehege im Museumspark. Zuletzt aber war ihm das Federvieh richtiggehend ans Herz gewachsen.

Viele Werke, nicht zu vergessen auch Kompositionen, wurden zuerst von der Kritik vehement abgelehnt, heute gelten sie als Weltspitze. Etliche davon stehen auch in unserer Stadt oder hängen an den Wänden von Museen. In seinem Musikkritiker singt Georg Kreisler bekanntlich sarkastisch «… von jedem Komponisten: Erst nachdem er tot ist, ist er gut». In die gleiche Richtung geht die Geschichte vom Schriftsteller, der gefragt wurde, welches der tiefere Hintergrund seines Werks sei. «Ich weiss es noch nicht, habe noch keine Kritiken gelesen.»

Damit sind wir bei den am nächsten Donnerstag beginnenden Literaturtagen angekommen. Sie verstehen sich als Forum für das aktuelle Literaturschaffen in der Schweiz. Zu Tausenden werden uns Literaturbeflissene besuchen, um zuzuhören, zu diskutieren und hoffentlich etwas
vom Flair des Städtchens mitzunehmen. Der aufmerksame Laie wundert sich angesichts der Mengen von neuen gedruckten Büchern und der Besuchenden, dass die «klassische» Literatur immer wieder als überlebt, dem Untergang geweiht, beschrieben wird.

So freuen wir uns denn auf unsere literarischen Gäste und auf viele gute Gespräche in unseren Tavernen. Auch wenn  Literatur nichts mit dem Hohlmass Liter zu tun hat oder dem Werbekalauer «Lieber Wein lesen als gar keine Lektüre».