Sie fällt auf – die Barockdame, die formvollendet durch Solothurn schwebt und den Barock verkörpert, wie wenn sie tagtäglich nichts anderes machen würde. Marie-Christine Egger zieht die Aufmerksamkeit von Einheimischen und Touristen auf sich und gibt der «schönsten Barockstadt der Schweiz» ein Gesicht, das in Erinnerung bleibt. Sie verbindet amüsante Geschichten mit Geschichte, das Auge staunt über das bis ins Detail geplante barocke Kleid, die tanzenden Bewegungen werden mit einem barocken Apéro abgerundet. Ganz nach ihrem Motto «Solothurn mit allen Sinnen erleben» will sie nicht belehren, sondern erleben lassen.

So ein Barockkleid, wie Egger es neuerdings trägt, gibt es nicht von der Stange. Christine Schönbächler, Inhaberin Atelier von Création Christine, hat das Kostüm in rund 200 bis 250 Stunden Handarbeit hergestellt. Die Schneidermeisterin hat dafür über zehn Meter Stoff verarbeitet. An der vor kurzem veranstalteten Vernissage bot sich die Gelegenheit, das Kleid aus nächster Nähe zu bestaunen. Von der Ferne wirkt jedes Detail und fügt sich zum Gesamtbild, von der Nähe erkennt man erst die Tausend Einzelheiten und staunt nur, dass diese Fertigkeiten in unserer schnelllebigen Zeit noch vorhanden sind.

Die «Göttin des Scheins» aus Frankreich

Die barocke Mode kam von Frankreich als «Göttin des Scheins» nach Soleure. Die französische Textilindustrie wurde zum exportstarken Wirtschaftsfaktor. Das Tragen so ausladender Röcke war erst möglich, nachdem die Räume nicht mehr mit Säulen abgestützt werden mussten und so grosse Festsäle entstanden. Die Mode spiegelt den Geist der Zeit und ihre Herrschaftsverhältnisse. In der Krone, der heutigen «Couronne», wurden solche Kleider im Barock bei rauschenden Festen getragen. Diese höfischen Feste präsentierte den Menschen im Welttheater. «Man inszenierte sich spielerisch», erklärte Egger während ihres Vortrages.

Solothurn nenne sich zu Recht «die schönste Barockstadt der Schweiz», denn Barock bestehe nicht nur aus Architektur, sondern wirke sich auch auf andere Bereiche wie Leben, Essen, Trinken, Bilder, Bildhauerei aus, entdeckbar in Solothurns Klöstern, Kirchen, in der Einsiedelei, im Theater.

Das barocke Leben hat Egger seit jeher fasziniert, und so entstand die Führung «Perü-cken und Puder, Parfum und Parasiten». Auch in der Barock-Ära gab es ein «Oben» und ein «Unten», und so verkörpert sie das barocke Zeitalter von oben als «Madame de Coin», aber auch der Sicht von unten: in der Rolle der «Magd Marie». (mgt)