Insieme Solothurn
Sie sind für die Rechte von Menschen mit Behinderung da

«insieme Solothurn» gibt es seit 50 Jahren. Die Vereinigung für Menschen mit einer geistigen Behinderung wahrt deren Rechte und Bedürfnisse und ist als Anlaufstelle für die betroffenen Angehörigen eine wichtige Stütze.

Katharina Arni-Howald
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Die Co-Präsidentinnen Claudia Rüegsegger und Sonja von Allmen von «insieme Solothurn» haben im Jubiläumsjahr einiges vor.

Die Co-Präsidentinnen Claudia Rüegsegger und Sonja von Allmen von «insieme Solothurn» haben im Jubiläumsjahr einiges vor.

Andreas Kaufmann

«Mich berühren Menschen mit einer Behinderung nicht aus Mitleid, sondern weil sie ihre Freude auf eine ganz ehrliche Weise zeigen können. Diese Freude verleiht mir ein riesiges Glücksgefühl.» So beschreibt die 13-jährige Milena ihren Bruder Lars in der Jubiläumsbroschüre von «insieme» Solothurn.

Die heute 160 Mitglieder zählende Vereinigung für Menschen mit einer geistigen Behinderung wurde vor 50 Jahren von weitsichtigen Persönlichkeiten gegründet und setzt sich seither mit Herzblut für Menschen wie Lars ein. Sie wahrt deren Rechte und Bedürfnisse und ist als Anlaufstelle für die betroffenen Angehörigen eine wichtige Stütze.

Sie pflegt den Kontakt zu politischen Gremien, bringt ihre Anliegen ein und fördert die Zusammenarbeit mit anderen Vereinigungen. «Wir legen Wert darauf, dass wir bei wichtigen politischen Entscheidungen einbezogen werden und beim Erlass von neuen Gesetzen an die Menschen mit einer besonderen Behinderung gedacht wird», sagt Sonja von Allmen, Co-Präsidentin von «insieme».

Tabuthemen entschärfen

«Im Alltag begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung viel zu selten», ist Claudia Rüegsegger überzeugt. «Wenn Begegnung und Austausch miteinander nicht stattfinden, bleibt die Motivation Ängste abzubauen gering», so die zweite Co-Präsidenten, die immer wieder die Erfahrung macht, dass die Auseinandersetzung mit einer geistigen Behinderung nach wie vor ein Tabuthema ist.

Daran, dieses Tabu zu brechen, arbeitet «insieme» mit Hochdruck. Ganz bewusst hat sie den Begriff «Begegnungen» zum Jubiläumsthema gemacht und ist überzeugt, dass der Schlüssel zu einem selbstverständlichen Miteinander in der persönlichen Begegnung liegt.

Wenn auch noch nicht alle Ziele erreicht sind, kann die Vereinigung mit Stolz auf die Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre zurückblicken. Der interne Jahresablauf ist geprägt von traditionellen Anlässen wie das jährlich stattfindende Ferienlager, interessanten Städtereisen, dem Kinderfest, einem Maskenball und Bowlingabend sowie die alle zwei Jahre im «Uferbau» durchgeführten speziellen Filmtage.

Gesellige Stunden verbringen die Menschen mit besonderen Bedürfnissen regelmässig im vor genau 40 Jahren gegründeten «insieme träff» und im Jugendtreff. Ein Höhepunkt ist jeweils die Teilnahme am Märetfescht, bei dem die Vereinigung mit einem Zelt auftrumpft.

Aufbruch in den sechziger Jahren

Bereits 1894, also 72 Jahre vor der Gründung von «insieme» nahm in Kriegstetten die erste Solothurner Institution zur Erziehung und Schulung behinderter Kinder den Betrieb auf. 1946 erhob der Kanton Solothurn Zahlen über debile Schulkinder. Deren Betreuung blieb aber eine private Angelegenheit und fand in Privathäusern statt. Erst 1962 wurde der Kanton aktiv und gründete mit Regierungsratsbeschluss eine Invalidenversicherung, die unter anderem vorsah, behinderte Kinder und Jugendliche in Sonderschulen zu unterrichten. Allerdings wurden die betroffenen Kinder erst nach und nach in diesen Schulen eingeschult.

1964 entstand auf private Initiative der «Verein Eingliederungsstätte für Behinderte Oensingen (heute als Vebo bekannt). 1966 kam es zur Gründung der «Vereinigung zur Förderung geistig Invalider Solothurn und Umgebung», die später in «insieme» umbenannt wurde. Die Vorarbeiten leistete die Frauenzentrale Solothurn. Gründungspräsident wurde der inzwischen verstorbene Alfred Egger.

Umfangreicher Forderungskatalog

Als erstes stellte der Vorstand ein Programm zusammen, mit welchem die Politik und damit der Staat in die Pflicht zur Betreuung Behinderter genommen werden sollte. Verlangt wurde eine professionelle Früherfassung, die Schaffung einer Sonderschule, die Einrichtung eines Sonderschul- und Wohnheims, eine Eingliederungswerkstätte, der Aufbau einer Beschäftigungsstätte für Schwerstbehinderte und ein Freizeit- und Sportangebot.

Dieser Forderungskatalog führte zum Bau der Sonderschule Dürrbach und zur Inbetriebnahme einer heilpädagogischen Beratungs- und Behandlungsstelle für behinderte Kleinkinder. Als Nächstes wurde der Bau einer geschützten Werkstatt in Zuchwil in Angriff genommen. 1980 folgte das Wohnhheim «Kontiki» in Zuchwil, das im Jahr 2010 in einen Neubau in Subingen einzog.

Immer noch kämpft «insieme» dafür, dass im Behindertenbereich nicht nur die Themen «Sparen, Wirtschaftlichkeit und Eigenverantwortung» im Vordergrund stehen und setzt sich dafür ein, dass das, was in den vergangenen 50 Jahren erreicht wurde, auch erhalten bleibt. Die Vereinigung selbst ist auf Spenden dringend angewiesen.