In der Fantasywelt von Arven ist sie Jardana, eine junge Kriegerin mit magischen Fähigkeiten und einer Armbrust als Waffe. In der realen Welt aber heisst sie Olivia Lina Gasche, ist Schauspielerin und stammt aus Solothurn. Die 26-Jährige konnte diesen Sommer Einblicke in eine Hörspiel-Produktion gewinnen, in deren Genre es in der Schweiz wenige Projekte gibt. Während das Terrain «Fantasy» nämlich vor allem in der englischsprachigen Kulturproduktion aktiv beackert wird, schlägt der junge Komponist Raphael Sommer mit «Die Welt von Arven» nun auch in der Schweiz entsprechende Pflöcke ein: Menschen, Elfen und Zwerge liegen in dieser mysteriösen Welt miteinander um die Vorherrschaft im Streit – und bekannte Schweizer wie TV-Koryphäe Walter Andreas Müller, Sängerin Natacha oder Schauspielerin Nina Iseli («Eine wen iig») leihen den Figuren ihre Stimme. Und da Sommers Fachgebiet die Komposition ist, wird das Hörspiel auch durch eine komplexe musikalische Vertonung bereichert.

Die Handlung des Fantasy-Märchens selbst ist ein Gemeinschaftswerk mehrerer Autoren. Crowdfunding lieferte als Finanzierungsmodell die Initialzündung zu «Die Welt von Arven». Die Veröffentlichung des ersten Teils der ersten Episode  – quasi als erklärende Vorgeschichte – ist auf September geplant, der zweite Teil auf Dezember.

Faible für Filmmusik

Ende 2014 wurde Gasche von Raphael Sommer angeschrieben: «Es war von Anfang an klar, dass ich dabei sein möchte.» Einerseits kannte sie seine kompositorischen Arbeiten, andererseits ist sie seit frühen Zeiten vom musikalischen Genre fasziniert, das auch «Die Welt von Arven» mitgestaltet. «Schon als kleines Mädchen mochte ich am liebsten Filmmusik.» Nicht zuletzt, weil sie während ihrer Aktivzeit im Eiskunstlaufen oft von dieser Art von Klängen begleitet wurde. Und als Glanzkomposition klingt Howard Shores Vertonung von «Herr der Ringe» in ihren Ohren. Die Faszination Fantasy selbst hat sie über die aktuelle Produktion gepackt. «Ausserdem waren wir mit einem Promotionsstand an der Fantasy-Messe in Basel. Der Einblick in diese Subkultur mit all den verkleideten Menschen hat mich fasziniert.»

Apropos: Da ebenso Plakatwerbung und einen Videotrailer lanciert werden, haben Gasche und die anderen Sprecher dem Hörspiel mehr als nur ihre Stimme geliehen. «Es gab ein Fotoshooting in Kostümen. Diese halfen mental mit, in die Fantasiewelt einzutauchen.» Eine Perücke hat ihre ohnehin langen Haare noch erweitert, und ein gelber-braunes Tenü macht sie zur Kriegerin. «Es ist wohl der Traum vieler Schauspieler, in Rollen zu schlüpfen, die man im alltäglichen Leben nie einnehmen kann», so Gasche.

Blick ins Tonstudio mit einer renommierten Hörspiel-Truppe.

Blick ins Tonstudio mit einer renommierten Hörspiel-Truppe.

Ein Monolog vor Kriegern

Es ist Gasches erstes Hörspiel überhaupt und somit faszinierendes Neuland für sie, was sie im Basler Tonstudio erlebte: «Nicht nur, dass ich anders als auf der Bühne warten muss, bis ich das Resultat sehe.» So freut sie sich auf die Endfassung des Monologs, den sie als Jardana vor unzähligen Kriegern halten wird. Und auch sonst sei es eine spezielle Herausforderung gewesen – und eine interessante. «Ich habe gerne ‹WAM› zugeschaut, einem erfahrenen Hörspielsprecher, und konnte so auch viel lernen», sagt Gasche. Und vor allem mit Kollegin Nina Iseli wärmte sie sich in ihrer Rolle improvisierend auf. «Auch vor dem Mikrofon wird gestikuliert, allerdings nicht allzu heftig, da auf der Aufnahme sonst alles zu hören wäre.»

Die Weiterführung von «Die Welt von Arven» bis zur Episode drei ist bereits in Planung. So oder so freut sich Olivia Lina Gasche auf die künftigen Studioerlebnisse. Die Offenheit, mit der sie sich an das neue Medium Hörspiel heranwagte, soll auch für ihre weitere Laufbahn Gültigkeit haben. Neben dem Fantasy-Hörspiel ist sie zurzeit auch an den Freilichtspielen Zürcher Oberland engagiert, und zwar in der Titelrolle des Schneewittchens. Und für 2016 sind mit «Lasst die Alten sterben» die Dreharbeiten eines generationenkritischen Spielfilms in der Regie von Juri Steinhart geplant.

«Film und Bühne reizen mich»

«Ich will künftig nicht ausschliesslich Theater oder Film machen», macht Gasche klar. «Beides hat einen Zauber in sich, der mich reizt.» Vor anderthalb Jahren hat Gasche die Ausbildung an der European Film Actor School (EFAS) abgeschlossen. Zuvor hatte sie die Handelsschule absolviert. Und für die Zukunft hat sie vor allem eine wegweisende Devise: sich selbst sein und niemandem was vormachen. Grundantrieb für die Schauspielerei liegt für sie nicht im Berühmtwerden und im Scheinwerferlicht.

Ab 1. September zieht Olivia Lina Gasche nach Berlin: «Ich verlasse mein geliebtes Solothurn aber nicht ganz», sagt sie. So behält sie ein Zimmer in der hiesigen Wohnung ihrer Mutter und wird für anstehende Projekte zwischen den beiden Städten pendeln, vielleicht auch für eine Fortsetzung in der Rolle der wagemutigen Kriegerin Jardana . . .