Monika Grossenbacher Romano
Sie hat viel «Schnuuf» für eine lebendige Solothurner Weststadt

Monika Grossenbacher Romano ist seit 20 Jahren ehrenamtliche Brückenbauerin und Türöffnerin des Quartiers.

Andreas Kaufmann
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Viele Menschen in der Weststadt werden es bestätigen: Monika Grossenbacher Romano ist die gute Seele des Quartiers.

Viele Menschen in der Weststadt werden es bestätigen: Monika Grossenbacher Romano ist die gute Seele des Quartiers.

Andreas Kaufmann

Es war ihre allererste «Amtshandlung» im neuen Zuhause in der Weststadt: Noch bevor Monika Grossenbacher Romano vor über 20 Jahren ihre Wohnung einrichtete, wurden Festbänke im Wohnzimmer aufgestellt. Ihr Wunsch: Den Menschen begegnen. Gesagt, geschafft: Es kam fast die ganze Nachbarschaft des Eschenwegs. Für «revolutionär gut» befand man die Aktion der Neuzuzügerin, «etwas, was es bislang noch nicht gab.» Das darauf zusammen mit Käthi Uebelhart lancierte Eschenwegfest wurde bald zum Fest mehrerer Strassenzüge und fand Nachahmer: Andere erkannten den Reiz des nachbarschaftlichen Feierns ebenfalls. Doch «Strösslifestli» sollten längst nicht die einzige «revolutionär gute» Idee Grossenbachers bleiben, die in der Weststadt Früchte trug, und nicht der einzige Wunsch, der sich für sie erfüllte. Es ist ein ganzes Lebenswerk an sozialer Ehrenamtlichkeit, wofür die heute 60-Jährige kürzlich vom Kiwanis Club Wasseramt-Kriegstetten nominiert und vom Kiwanis-Club Schweiz-Liechtenstein geehrt worden ist (siehe hier).

Als Bärin verkleidet

Denn nach den Quartierfesten kamen weitere Projekte. Grossenbacher lancierte Adventsfenster und half im Chindsgi betreuend mit, als ihre und Uebelharts Kinder ins entsprechende Alter kamen: «Ich erinnere mich an Ausflüge ins Schloss Waldegg. Oder an Schnitzeljagden, wo wir uns als Bärinnen verkleideten.» Mit dem Älterwerden der Kinder wuchsen auch die Projekte, neue kamen hinzu: In Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen des «Brühl» entstand ein Elternrat, dessen Leitung Grossenbacher übernahm. Dadurch wurden die Eltern in der kulturell vielschichtigen Weststadt vermehrt in die schulischen Aktivitäten eingebunden.

Später folgte das politisch initiierte Projekt Quartierentwicklung. Und während sich als Folge von offizieller Seite her das Quartierbüro herausbildete, war bereits vorher aus zwei Arbeitsgruppen ein unabhängiger Verein entstanden: der Quartierverein. An dessen Spitze bis heute: Monika Grossenbacher und Bea Beer. «Wir unterstützen das Quartierbüro bei seiner Arbeit», so Grossenbacher, die für ihr Amt als Co-Präsidentin auch ihren Beruf als Erwachsenenbildnerin hintanstellte. «Dank Entgegenkommen meines Lebenspartners konnte ich eine kreative Pause zugunsten des Vereins einlegen», sagt sie. «Und man geht dann halt einmal statt dreimal im Jahr in die Ferien.»

Man spürt die Opferbereitschaft, auch wenn sie von ihr gar nicht als solche empfunden wird. Zahlreiche weitere Projekte kamen hinzu: Ruedi Fluris Kartonskulptur «Lampenschirm», die Seniorenhilfe in der Schule, die sie aufzubauen mithalf, das Kunstprojekt «Labyrinth», das «Bankparadies» mit bemalten Sitzbänken und als Grossprojekt zum 5-Jahr-Jubiläum des Quartiervereins das Auffrischen des Lusthäuschens beim Henzihof.

«Schon nicht ganz normal»

Dankbarkeit, die spürt Grossenbacher immer. Aber nicht nur die: «Ab und zu sagen mir Leute, dass meine zahlreichen Aktivitäten ‹schon nicht ganz normal› seien und dass ich stattdessen ja was verdienen könnte.» Und doch: Als «interessierte Quartierbewohnerin», wie sie sich bezeichnet, kann sie einfach nicht anders. «Ich freue mich jeden Tag, in diesem schönen, lebendigen, vielfältigen Quartier zu leben.» Es koste zwar auch Zeit und Nerven, ein Projekt aufzugleisen. «Aber ich habe dafür viel ‹Schnuuf›. Darüber hinaus kann ich bei Familie und Freunden auftanken.»

Grossenbachers Credo aber ist Loslassen: Stehen die Projekte einmal auf eigenen Beinen, muss man sie nicht mehr auf Händen tragen. «Ich bin nicht jemand, der kleben bleibt. Ich muss weiter zum nächsten Projekt.» Dafür gibt es auch viele funktionierende Netzwerke in der Weststadt, die zu einem aktiven Quartier beitragen: die Fussballclubs des Mittleren Brühls und den FC Solothurn, den Quartierspielplatz Tannenweg oder die Schule Brühl.

Und so gibt es ebenso wichtige Arbeiten – nicht nur in der Rolle als Projektleiterin, sondern auch als Vermittlerin, Brückenbauerin, Türöffnerin. Ungeachtet dessen, dass in der Weststadt viele Kulturen aufeinandertreffen, hat hier jeder Bewohner seine eigene Sicht der Dinge: «Für einige ist die Weststadt ein Ort zum Schlafen, für andere einer der Begegnung. Dazwischen muss man vermitteln.» Beispielsweise, wenn Anwohner des geplanten Bikeparks Skepsis äussern: «Wenn man gut mit den Leuten reden kann, ist vieles möglich.»

Begegnung und Zusammenarbeit

Und so gibt sich Monika Grossenbacher Romano auch in anderer Hinsicht optimistisch. Beispiel Henzihof, für den in den Überbauungsplänen des Projekts «Weitblick» kein Platz mehr vorgesehen ist: «Wir möchten durch unsere ehrenamtliche Arbeit am Lusthäuschen zeigen, dass uns was daran liegt, den Hof zu erhalten.» Dazu soll auch der Gemeinderat zu einem Besuch vor Ort eingeladen werden. Ebenfalls positiv gestimmt ist sie, wenn es um
Abwanderungserscheinungen von Schweizer Familien geht. «Der Trend ist auch nicht mehr so aktuell. Es gibt viele Schweizer Neuzuzüger, die hier Leute kennen lernen möchten. Und die anderen – Reisende – die soll man nicht aufhalten.» Als wichtig erachtet sie, dass gerade die Behörden den Dialog zu den oftmals auswärtigen Liegenschaftsbesitzern suchen. «Es darf nicht passieren, dass diese ihre Gebäude verlottern lassen und damit einer Gettoisierung Vorschub leisten.»

Die Rezeptur ihrer gelassenen und doch engagierten Art bringt sie gleich selbst auf den Punkt: «Alles, was es braucht, ist Begegnung, Dialog und Zusammenarbeit. Auch wenn viel Arbeit dahintersteckt.»

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