Das Schauspielerpaar Andreas Berger und Silvia Jost arbeitet seit vielen Jahren mit Kollege Beat Albrecht in unterschiedlichen Theater- und Hörspielproduktionen zusammen. Nun haben sich die drei wieder zusammengetan, und haben einen sechsteiligen Lesezyklus einstudiert. Jeweils am ersten Montag des Monats ab November finden diese Lesungen ab 18 Uhr im Kellertheater Delly an der Gerberngasse 11 statt. Das Lesen eines literarischen Textes mag in heutigen Zeiten der visuellen Reizüberflutung vielleicht altmodisch erscheinen, sagen die drei Schauspieler. «Wir glauben jedoch, dass die akustische Gestaltung von Texten und Geschichten innere Bilder entstehen lassen, die wohltuend, entspannend, aber auch sehr anregend sein können.» Es geht dabei nicht nur um reines Vorlesen eines Textes, sagt Berger. «Es geht ums Gestalten.» Der Zuhörer soll sich eigene Bilder vor seinem geistigen Auge verschaffen. «Wichtig ist der Atem, das Atmen; als Lesender, aber auch der Zuhörer», sagt Albrecht.

«Condition humaine»

In verschiedenen Zusammensetzungen lesen Beat Albrecht, Silvia Jost und Andreas Berger Texte von Autorinnen und Autoren vom 19. Jahrhundert bis heute. «Das Ganze soll eine Art ‹Condition humaine› sein», sagt Berger. So unterschiedlich die Autorinnen und Autoren der sechs Abende in ihren Themen und Stilen sind, so ist ihnen doch gemeinsam, in ihren Geschichten das zu suchen, was den Menschen ausmacht.

Das kann psychologisch verstörend sein, wie bei den Geschichten von Edgar Allan Poe, humoristisch und berührend wie bei «Schischyphusch oder Der Kellner meines Onkels» von Wolfgang Borchert, radikal in seiner Konsequenz, wie im Briefroman «Adressat unbekannt» von Kressmann Taylor, oder ihre Identität schonungslos hinterfragend, wie bei Annemarie Schwarzenbach. Eine heitere Komponente ist beim Abend mit der Geschichte «Die anfänglich eigentlich nicht vorgesehene Erstbesteigung…» zu erleben; eher nachdenklich stimmt die Abschlusslesung «In einer Nacht». Eine teilweise biografische Auseinandersetzung von Andreas Berger, in der er mit den Folgen einer schweren Erkrankung konfrontiert wird sowie Überlegungen zur gesellschaftlich-sozialen Befindlichkeit dieser Zeit macht. Von den sechs Produktionen sind zwei Uraufführungen.

«Ein wunderbarer Ort»

Das Theater Delly, in welchem 40 Personen Platz finden, sei ein wunderbarer Ort für diese Veranstaltungen, sagen die drei. «Dieses Kellertheater hat eine hervorragende Akustik, die jede Nuance auch ohne technische, akustische Verstärkung hörbar macht.»