Anna Netrebko und Erwin Schrott waren für kurze Zeit auf der Weltbühne und im Leben ein Paar. Petra Pietschmann und Carry Persson eroberten gemeinsam die Bühnen in Deutschland, der Schweiz und Schweden, sind seit bald 25 Jahren verheiratet. Dies soll auch so bleiben, beruflich jedoch trennen sich ihre Wege. «Am Wochenende werde ich letztmals öffentlich singen und danach einen Schlussstrich unter eine 35 Jahre dauernde Gesangskarriere setzen», erklärt Petra Pietschmann, die eigentlich Persson-Pietschmann heisst.

Sie sagt es ohne Wehmut. Blickt zufrieden zurück: auf das Gretchen im «Wildschütz» in Selzach und auf das Classic Openair, wo sie die Susanna in der «Hochzeit des Figaro» gesungen hat.

Erfüllter Kindheitstraum

Jene Rolle, die in ihrer Wahlheimat die letzte Bühnenpartie markiert und in der sie Carry Persson kennenlernte. Ihr Herzens-Figaro war nämlich auch in Oldenburg engagiert. «Als ich einmal in einem Musical auftrat, musste ein Chorsänger einspringen und hinter dem Vorhang für mich pfeifen, sobald ich zwei Finger in den Mund steckte. Einmal irritierte mich ein Lachen aus dem Publikum, welches ich gleich als Carrys «Donnern» erkannte», erinnert sie sich an den Karrierestart. Frisch verliebt, fand sie dessen Belustigung nicht eben fair und beruhigte sich erst, als Carry gestand, er habe nicht wegen des Pfeifens gelacht, sondern wegen der Handschuhe, die sie dabei trug. «Er war der Einzige, der nach 25 Vorstellungen gemerkt hatte, dass man so nicht mit den Fingern pfeifen kann», schmunzelt sie. Als Mädchen habe sie beim Treppenrutschen eben nicht gepfiffen, sondern Adeles Refrain «Es wär der Schaden nicht gering, wenn mit dem Talent ich nicht zum Theater ging» gesungen.

Der Kindheitstraum hat sich erfüllt – nicht nur in der «Fledermaus», sondern in vielen Auftritten. Später hat sie bei gemeinsamen Konzerten die Arien angekündet, mit Charme, Liebreiz und Wissen für sich eingenommen. «Ich werde zwar nicht mehr auf dem Podium singen, doch gelegentlich noch moderieren», räumt sie ein. Professionelle Sänger sind eigentliche Hochleistungssportler, die ständig trainieren und üben müssen. «Ich habe immer gesagt, wenn sich Jahrgang und Alter treffen, werde ich mich von der Bühne zurückziehen», gibt die 57-Jährige uneitel zu Protokoll.

Beruf und Berufung gemeistert

Den Entschluss, sich abseits der Bühne eine Existenz aufzubauen, habe sie jedoch bereits viel früher gefasst. Nämlich 2000, als das Intermezzo als Wirtepaar im Restaurant Attisholz endete. «Damals haben wir erstmals materielle Sicherheit erfahren, ein regelmässiges Einkommen gehabt. Als Mutter zweier Söhne wollte ich für Stabilität sorgen. Auch weil mein Mann als Heldenbariton für die grossen Bühnen mehr Potenzial besass als ich», sinniert sie.

Zumal sie für eine «bürgerliche Berufskarriere» mit Handelsschulabschluss und höherem Lehrdiplom bestens gerüstet war. Angefangen als Direktionsassistentin eines grossen Zürcher Architekturbüros, leitet sie heute das Zentrum für Ausbildung und Beschäftigung der ors service ag in Solothurn. Ein Hundertprozent-Job, der sie fordert, mit Freude und Stolz erfüllt. Ihrem Mann zuliebe hat sie die Doppelrolle Beruf und Berufung auf sich genommen, zahlreiche öffentliche und nicht öffentliche Verpflichtungen erfüllt.

Im Gegensatz zu ihr bleibt Carry Persson dem Konzertpodium treu, betätigt sich daneben als Hausmann. «Nun steuern wir auf die Silberhochzeit zu. Die Kinder sind selbstständig und ich bin so richtig bei mir angekommen.»

Morgen Samstag, 20 Uhr, wird sie in der Kirche Attiswil, und am Sonntag, 17 Uhr in der Franziskanerkirche Solothurn im Weihnachtskonzert zu hören sein. Singt dabei ein letztes Mal an der Seite von Carry Persson – dem Bühnen- und Lebenspartner seit vielen Jahren.