Man kennt sich inzwischen. «Das ist bereits die 16. Sitzung des Sicherheitszirkels seit 2009. Viele Bahnhöfe wie beispielsweise auch Olten sind inzwischen auf die Idee aufgesprungen», eröffnet Peter Heri, bei der Kantonspolizei zuständig für die lokale Sicherheit, die Sitzung im Obergeschoss des Hauptbahnhofs.

Koordination und Kommunikation sind wichtige Begriffe an jeder Sitzung. «Drei pro Jahr haben wir», so Heri. Kommunikation untereinander, aber auch die Kommunikation der Dienstwege, die Koordination der Dienstpläne sind entscheidend bei so vielen Playern, die im Gebilde Hauptbahnhof mitzureden haben. Und dafür sorgen, dass sowohl die subjektive wie objektive Sicherheit für die Bahnhof-Kundschaft möglichst stimmt.

Videoüberwachung

Pendenzen. Die erste ist rasch abgehakt. «Die Videoüberwachung der Unterführung kommt noch dieses Jahr.» Dazu ergänzt Peter Heri: «Die lange, schmale Unterführung wird subjektiv als gefährlich empfunden.»

Doch allzu grosse Erwartungen werden rasch gedämpft. Eine bauliche Umgestaltung, eine «Auffrischung» des «Schlauchs» unter den Perrons, könne wohl nicht vor 2020 erfolgen. Aber insgesamt habe sich die Lage nach dem Höhepunkt an Vorfällen im Vorjahr deutlich entspannt.

«Dank massiver Kontrollen sind der Hauptbahnhof und auch die Vorstadt relativ sicher geworden», stellt Heri in der Runde fest. Diebstähle und Körperverletzungen seien auf einen «erfreulichen Stand» zurückgegangen. «Es ist ruhig, und wir haben einen sehr hohen Sicherheitslevel.» Und richtet von der abwesenden Transportpolizei aus: Ihre Leute gingen nicht gerne nach Solothurn, da für sie dort «zu wenig läuft».

Neue Automaten

Parkuhren. Ein weiteres Thema. Immer wieder kommt es zu Manipulationen in der P+Rail-Anlage. «Ärgerlich», findet dies für die SBB-Abteilung Immobilien Christophe Giroud. Und David Baumann kündet ebenfalls seitens der SBB an, man prüfe, die Parkuhren durch einen anderen Automatentypen zu ersetzen.

Walter Lüdi bestätigt für die Stadtpolizei ähnliche Probleme bei den städtischen Parkuhren. Und Kapo-Kollege Manfred Rhyn liefert Tipps. «Bei solchen Beobachtungen nicht selber eingreifen. Beobachten, der Polizei melden und möglichst dranbleiben.» Wobei am Tisch keine Illusionen über die Bestrafung dieser Kleinstdelikte aufkommen - falls die Stadtpolizei einen solchen Sünder ertappt, blühe ihm ein Rayonverbot. Er darf sich dann im betreffenden Stadtteil nicht mehr blicken lassen.

Gefährliche Unsitte

Problem Geleiseüberschreitungen. Gerhard Leuenberger greift das leidige Thema für den Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS auf. Die gefährliche Unsitte beim Denner, auf der Bahnhofsüdseite, könnte mit dem Umbau des RBS-Bahnhofteils bekämpft und damit entschärft werden. Aber das wird erst nächstes Jahr der Fall sein. Zwar habe es bis jetzt keine Unfälle gegeben. Abschrankungen seien das eine. «Aber die müssten massiv sein», wirft Christoph Frech für die Securitrans ein. Und die SBB-Leute verweisen auf ihre Plakataktion: «Geleise überschreiten spart Zeit, kostet aber Leben.»

Peanuts. Verstopfte öffentliche Toiletten werden angesprochen. Oder Kleingeld-Wechsler im Schnellimbiss Subway. BLS-Mann Tobias Hofer fügt an, in Solothurn gebe es keine Videoauswertung, also sprich aufgenommene Vorfälle. «In Bern dagegen hatten wir viele.» Und wieder bestätigt Peter Heri: «In den ersten vier Monaten war es wahnsinnig ruhig.»

Der Sicherheitszirkel Hauptbahnhof (im Uhrzeigersinn): Peter Heri, Leiter, Kantonspolizei (hinten Mitte), Walter Lüdi (Stadtpolizei), Bernard Künzli (BSU), Manfred Rhyn (Kantonspolizei), Gerhard Leuenberger (RBS), Christoph Frech (Securitrans), Felix Ernst (Subway), Tobias Hofer (BLS), Marc von Allmen (SBB Immobilien Sicherheit), Christophe Giroud (SBB Immobilien) und David Baumann (SBB Personenverkehr). Es fehlten an der Sitzung die Vertreter der Transportpolizei und von McDonald’s.  ww

Der Sicherheitszirkel Hauptbahnhof (im Uhrzeigersinn): Peter Heri, Leiter, Kantonspolizei (hinten Mitte), Walter Lüdi (Stadtpolizei), Bernard Künzli (BSU), Manfred Rhyn (Kantonspolizei), Gerhard Leuenberger (RBS), Christoph Frech (Securitrans), Felix Ernst (Subway), Tobias Hofer (BLS), Marc von Allmen (SBB Immobilien Sicherheit), Christophe Giroud (SBB Immobilien) und David Baumann (SBB Personenverkehr). Es fehlten an der Sitzung die Vertreter der Transportpolizei und von McDonald’s. ww

Und liefert ein Beispiel nach, das nicht alles, was auf den ersten Blick dramatisch aussehe, auch so sei. So habe jemand behauptet, auf ihn sei ein Raubüberfall verübt worden. Nach mehreren Befragungen habe sich dann herausgestellt, dass der «überfallene» Drogenkonsument noch Schulden bei seinem Lieferanten hatte. Den er mit der Beschuldigung des Raubüberfalls los werden wollte.

Unter dem Punkt Umfrage gibt auch Walter Lüdi für die Stadtpolizei Entwarnung: «Wir haben viel weniger Meldungen, vor allem von Diebstählen.» Aber die wärmere Jahreszeit stehe bevor, man stelle wieder mehr Szene-Leute am Amthausplatz fest.

Bernard Künzli, Betriebsleiter BSU, freut sich, dass die Events wie Fasnacht oder Biertage sehr gut verlaufen seien. Dies gelte auch für die Grossanlässe im Kofmehl. «Kürzlich wollte ein dreijähriges Kind selbst Bus fahren.» Es sei wohlbehalten an die Eltern zurückgegeben worden. Seit dem Januar habe es auch keine Tätlichkeiten mehr gegen das Buspersonal gegeben.

Wenig Dealer

«Bei Attacken auf Chauffeure herrscht bei uns Nulltoleranz. Da wird sofort durchgegriffen», stellt Künzli klar. «Es hat sehr wenig Dealer», meint für die Kantonspolizei Manfred Rhyn. Und windet der Securitrans und Bahnpolizei ein Kränzchen: «Die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung ist sehr gut.» Das Thema Graffiti kommt noch rasch zur Sprache: In Solothurn zuletzt wenig gesehen, «aber sie müssen sofort entfernt werden», ist sich die Runde einig.

«Ruhig». «Nichts». Die Kommentare ähneln sich. Dennoch muss Peter Heri am Schluss relativieren: Bei Befragungen zur subjektiven Sicherheit am Bahnhof sei «Solothurn immer ein bisschen am Schwanz, gegenüber vergleichbaren Bahnhöfen wie Olten».

Christophe Giroud hat eine Erklärung: «Das ist ein Nachhall von früher.» Immerhin könnte sich diese Einschätzung verbessern: «Die Befragungsart ist angepasst worden», versucht der SBB-Vertreter eine subjektive Sicherheitswahrnehmung jener objektiven anzunähern, die in den letzten 45 Minuten rundum nur als positiv wahrgenommen worden ist.