Solothurner Filmtage

Sicherheit geht vor: «Wir wollen Toleranz schaffen, nicht Angst»

Warteschlangen vor den Spielstätten der Solothurner Filmtage: Systematische Taschenkontrollen wie in Locarno wird es bei der 52. Ausgabe nicht geben. Die Sicherheit steht dennoch im Vordergrund.

Warteschlangen vor den Spielstätten der Solothurner Filmtage: Systematische Taschenkontrollen wie in Locarno wird es bei der 52. Ausgabe nicht geben. Die Sicherheit steht dennoch im Vordergrund.

Filmtagedirektorin Seraina Rohrer und ihr Team sind für alle möglichen Zwischenfälle gut vorbereitet. Allerdings glaubt sie nicht, dass die Solothurner Filmtage speziell bedroht sind.

An der Berlinale und an den Filmfestspielen in Cannes gehören sie seit eh und je zum Inventar: Sicherheitsleute, die an den Eingängen Präsenz markieren oder ihre Runden auf dem Festivalgelände drehen. Im Zusammenhang mit den jüngsten weltpolitischen Ereignissen wurden die Sicherheitsvorkehrungen jedoch um einiges verstärkt.

Auch in der Schweiz. So war vergangenen August am Filmfestival in Locarno die Polizei so präsent wie noch nie. Die Zeiten, in denen in Schale geworfene Bodyguards am roten Teppich ausreichten, sind nun vorbei.

Keine Taschenkontrolle

Auch Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage, ist sich der veränderten Sicherheitslage in Europa bewusst. «Schon immer legten wir grossen Wert auf die Sicherheit. Unerwartete Situationen können schliesslich immer auftreten.» So sitzen die Verantwortlichen der Filmtage und der Polizei jedes Jahr im Vorfeld des Festivals zusammen, um die Sicherheitslage zu analysieren. Für die 52. Ausgabe der Filmtage wird dabei auf dasselbe Sicherheitsdispositiv zurückgegriffen wie bereits 2016. Denn nach den Pariser Terroranschlägen wurden Anpassungen vorgenommen, die sich bewährt haben.

Wie genau diese Anpassungen aussehen, kann aus vertraulichen Gründen nicht verraten werden. «So viel sei aber gesagt: Wir sehen keinen Grund zur Beunruhigung. Trotzdem legen wir grossen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei und sind für jede allfällige Krisensituation vorbereitet», so Rohrer. Dazu gehören auch eine strenge Inspektion aller Spielstätten inklusive Notausgänge sowie eine Sensibilisierung der Filmtage-Mitarbeiter.

Auf eine systematische Taschenkontrolle der Besucherinnen und Besucher, wie sie dieses Jahr zum ersten Mal in Locarno vorgenommen wurde, wird in Solothurn aber verzichtet. Diese macht für einen Grossanlass im Aussenbereich mit über 8000 Besuchern durchaus Sinn. In Solothurn hingegen fasst die grösste Spielstätte 900 Besucher, welche sich gut verteilt im Innenbereich aufhalten und ohnehin die Eingangskontrolle passieren müssen.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

In Locarno trugen die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen am vergangenen Filmfestival durchaus Früchte: Ein Mann versuchte, die Grossleinwand auf der Piazza Grande in Brand zu stecken, dank Polizei und Feuerwehr konnte jedoch Schlimmeres verhindert werden. Gemäss Rohrer kam es an den Solothurner Filmtagen noch nie zu einem solchen Zwischenfall. Für jede allfällige Krisensituation seien die Filmtage-Mitarbeiter aber vorbereitet und wissen genau, wie sie sich zu verhalten haben.

Die in der Krisenkommunikation abgehandelten Szenarien befassen sich mit kleineren Krisen wie Vandalismus oder Shitstorms auf Social Media bis zu grösseren Zwischenfällen wie dem gesamten Abbruch des Filmfestivals aufgrund nationaler Tragödien. Als grösste Gefährdung der Solothurner Filmtage sieht Rohrer jedoch technische Defekte: «Ein Stromausfall in der Stadt Solothurn wäre für uns verheerend. Denn der würde alles lahmlegen.» Vorgekommen sei ein Stromausfall glücklicherweise bis anhin noch nie. «Holz aalänge.»

Miteinander statt gegeneinander

Auch wenn der Sicherheit gerade in Zeiten des Terrors verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, ist Seraina Rohrer überzeugt, dass man sich nicht einschüchtern lassen soll. «Die Solothurner Filmtage sollen Toleranz schaffen, nicht Angst.» Denn Filme geben uns neue und unbekannte Einblicke und würden so das gegenseitige Verständnis stärken. Rohrer: «Auch wenn unsere Gesellschaft aufgrund der neusten Vorkommnisse immer mehr auseinanderzudriften scheint, Kultur verbindet.»

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