Barockmaler
Sensationsfund der Kunstgeschichte

Bei Restaurierung von Altarbildern der Kapelle zu Kreuzen wurden zwei Jacob Carl Stauder-Werke entdeckt. Stauder war ein bekannter Barock-Maler aus Konstanz.

Helmuth Zipperlen
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Solothurner Zeitung

Bei Restaurierungsarbeiten an zwei Altarbildern der Kapelle zu Kreuzen hat Restauratorin Brigitta Berndt festgestellt, dass es sich um Werke von Jacob Carl Stauder handelt, einem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannten Konstanzer Barockmaler. «Da habe ich doch gleich dem Präsidenten der Gesellschaft der Einsiedelei, Dieter Bedenig, ein Jubelmail geschickt», erinnert sich Brigitta Berndt, wie sie auf dem Gemälde der Auferstehung rechts unten die Signatur des Künstlers entdeckt hatte.

Gebet des Künstlers entdeckt

Doch Stauder machte es der Restauratorin nicht leicht: Denn rechts unten auf dem anderen Gemälde, der Kreuzabnahme und Beweinung Christi, fand sich keine Signatur. Das war aber nur das Vorspiel zu einer noch grösseren Entdeckung. Bei fortschreitender Arbeit kam bei der Kreuzabnahme in der unteren linken Bildhälfte nicht nur die Signatur zum Vorschein, sondern ein Gebetsanliegen des Künstlers. «Wie Magdalena hast gegeben, gib auch das ewige Leben mir. Jac. Carl Stauder invent et pictor de Constantz 17..» Die beiden letzten Ziffern der Jahreszahl sind nicht mehr deutlich lesbar. Vermutlich handelt es sich um das Jahr 1723. Von Jacob Carl Stauder sind viele Altarbilder aus dem süddeutschen und schweizerischen Raum bekannt, doch auf keinem ist ein Gebet zu finden. So stellt denn das Bild zu Kreuzen ein Novum für alle Kunsthistoriker dar.

Die Vorgeschichte

Im Zuge der durch die Gesellschaft der Einsiedelei initiierten und teilweise bezahlten Restaurierungen in der Einsiedelei St. Verena sind diese beiden Altarbilder in der Hauskapelle der Familie von Roll zu Kreuzen an die Reihe gekommen. Der Auftrag wurde Brigitta Berndt erteilt. Sie hat sich darüber gefreut: «Denn ich sah gleich auf Anhieb, dass es Werke von einem gewissen künstlerischen Rang sind. Doch in dieser Zeit haben viele Künstler beachtliche Werke gemalt, sind aber unbekannt geblieben.»

(Fast) für die Ewigkeit erdacht

Sie erklärt, wie ein solches Bild aufgebaut ist. Die Farbe wird auf die Leinwand aufgetragen, darüber kommt eine Schutzschicht. Wenn Letztere vergilbt ist, kann das Bild neu gefirnisst – das heisst: mit einem neuen Schutzbelag versehen – werden. So wie die beiden Altarbilder zu Kreuzen nachgedunkelt sind, vermutet Brigitta Berndt, dass diese Bilder seit 1723 nicht mehr behandelt worden sind. Es waren keine Details mehr sichtbar. Mit einem entsprechenden Lösungsmittel und mit Wattestäbchen wurde die Schutzschicht abgetragen, ohne die Ölfarbe zu berühren.

Freude am Entdecken

«Als Restauratorin hofft man natürlich immer, etwas zu entdecken. Das macht den Beruf spannend, und man freut sich enorm, wenn so etwas wie hier zum Vorschein kommt.» Wie hat Brigitta Berndt gleich die hohe Qualität der Bilder erkannt? «Für mich ist die entscheidende Frage: Wie malt ein Künstler Licht? Das ist etwas ganz Schwieriges und damit kann sich die Qualität eines Bildes beweisen.»

Nicht nur für Solothurn wichtig

In ihrem Atelier hat Berndt nicht nur alte Gemälde, sondern auch Kunstwerke neueren Datums zum Restaurieren, so ein Werk von Nikki de Saint Phalle. Jacob Carl Stauder war ihr nicht unbekannt, besitzt doch das Museum Blumenstein einige Werke von ihm. Dabei handelt es sich aber um Porträts von Solothurner Patriziern, was nicht unbedingt auf hiesige Altarbilder schliessen liess. Der Fund wird aber auch über Solothurn hinaus seine Kreise ziehen: Da die nun restaurierten Bilder in keinem Werkverzeichnis des Künstlers auftauchen, müssen wohl einige Kunstlexika um diese Neuerung ergänzt werden.

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