Solothurn

Seniorenmesse: Damit im Alter nichts dem Zufall überlassen werden muss

Noch nie sind so viele Leute alt geworden, wie heute und die Senioren legen grossen Wert auf ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Die «Expo 55+» im Landhaus Solothurn stiess mit 69 Informationsständen auf grosses Interesse.

«Wir möchten die letzte Reise planen, bevor sie beginnt.» So begründete ein Ehepaar den Besuch der «Expo 55+». «Dann wissen wir, was zu tun ist.» Ein Mann interessierte sich für Exit. «Ich habe meine Eltern sterben sehen», gab er vielsagend preis. Eine quirlige Frau meinte: «Mich interessiert vor allem das präventive Angebot über Gesundheit und Fitness.»

Umfassend war die Palette an den 69 Informationsständen, um sich über ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu informieren. Die Möglichkeiten zur Hilfe und Unterstützung erschienen grenzenlos. Sei es in technischer, pflegerischer und medizinischer Hinsicht oder mit Blick auf Dienstleistungen.

Mit Kurt Aeschbacher im Gespräch

In seiner gewohnt einfühlsamen Art sprach Kurt Aeschbacher während anderthalb Stunden mit Direktbetroffenen sowie Fachexperten. Er thematisierte die grosse Angst um die Vergesslichkeit, ums Stoppen von Alzheimer und ums Gehirntraining. Susanne Bandi von der Alzheimervereinigung Schweiz riet, bei Verdacht, eine Abklärung nicht zu scheuen.

Eine Diagnose bedeute Beratung, Unterstützung und Begleitung, aber auch Hilfe, wo Hilfe zu finden sei. Der Mediziner Dieter Breil vom Felix-Platter-Spital Basel unterstrich dies, denn im Durchschnitt würden rund 40 Prozent der untersuchten Personen an Durchblutungsstörungen leiden und hier helfe einiges.

Andernfalls könne mit einer entsprechenden Therapie der Verlauf von Alzheimer um ein bis zwei Jahre hinausgezögert werden. In Bezug aufs allgemeine Gehirntraining beschwor der Arzt: «Gehen Sie an den Stammtisch, reden Sie über Gelesenes, schwatzen und fluchen Sie, aber ziehen Sie sich nicht zurück.»

Die Pflegefachfrauen Gudrun Hochberger und Kathrin Lanz erzählten über die Erfahrungen bei der Pflege ihrer Eltern. Beide bekräftigten, wie wichtig frühzeitige Gespräche seien. «Der Knackpunkt ist, Hilfe anzunehmen», sagte Kathrin Lanz.

459 wählten 2013 den Exit-Tod

Näheres über die Akutgeriatrie wollte Kurt Aeschbacher vom Chefarzt dieser Abteilung der Solothurner Spitäler AG, Olivier Prince, wissen. Ältere Menschen hätten oft mehrere Diagnosen. Ziel sei, akutmedizinische Massnahmen mit Frührehabilitation zu verbinden. Dies im Hinblick auf eine Rückkehr ins eigene Heim.

Auf grosses Interesse stiess Exit mit der anwesenden Beraterin für Freitodhilfe, Melanie Kuhn. Eindrücklich erzählte die Pflegefachfrau Marianne Schär, wie sie ihre krebskranke Schwester in den Freitod begleitet hatte. Dieter Breil betonte, dass hinter jedem Freitod eine Verzweiflung stecke.

Er erwähnte die Möglichkeiten von Palliative Care und vom Verzicht auf lebensverlängernde Massnahmen. «Das Leben ist ein wunderschöner Blumenstrauss, der am Schluss verwelkt», resümierte er. Kurt Aeschbacher motivierte: «Altern ist nicht nur ein trauriges Thema, noch nie konnten so viele Leute so gesund alt werden.»

Mit den rund 1000 Besuchern zeigte sich David Aegerter, Organisator dieser fünften Messe und Geschäftsführer der «Home Instead Seniorenbetreuung», zufrieden. Auch das Feedback der Standbetreiber sei sehr gut, bereits gebe es wieder Interessenten fürs nächste Jahr.

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