Dass es von seiner Sorte nur noch wenige gibt und er damit verhältnismässig einsam über Baumrinden krabbelt und in Baumhöhlen wohnt, davon zeugt schon sein Name: der Eremit, auch Juchtenkäfer oder Osmoderma Eremita genannt, ist vom Aussterben bedroht und geniesst besonderen Artenschutz.

Wie die kantonale Sektion der Pro Natura nun weiss, fühlt sich der Juchtenkäfer in der Stadt Solothurn besonders wohl. Untersuchungen haben einen Bestand auf einem einzigen Baum in der Stadt ausgemacht – «einen aussergewöhnlichen faunistischen Schatz», wie Pro Natura in einer Medienmitteilung schreibt. Denn sonst findet man den Käfer nur noch in der Stadt Genf.

Die Schlussfolgerung daraus: Die Stadt Solothurn nehme ihre Verantwortung zur Erhaltung des Juchtenkäfers wahr und berücksichtige die Ansprüche des seltenen Insekts. Dies werde durch eine besondere Baumpflege erreicht. «Dank der Vielzahl an uralten, einheimischen Bäumen, vorwiegend Linden in Parks und Alleen, findet der seltene und wählerische Käfer den geeigneten Lebensraum», so Pro Natura. Der Juchtenkäfer bevorzugt eben selbige Bäume, insbesondere absterbende Äste und morsche Bereiche der Bäume, die aber wegen der Sicherheitsgefahr einen grösseren Pflegeaufwand benötigen als junge und gesunde Bäume.

Strunk wird belassen

Hinter der besonderen Sorge um den Holzkäfer steht ein Artenschutzprojekt, das Pro Natura Solothurn zusammen mit dem Amt für Raumplanung lanciert hat und bei dem auch der städtische Werkhof mitwirkt. Auch künftig sollen deshalb alte Baumbestände eine besondere Pflege geniessen – insbesondere alte, dickstämmige Exemplare mit Baumhöhlen, die für den «Eremiten» überlebenswichtig sind. Ein Exemplar steht in Form einer alten Linde an der Fegetz-Allee. Statt den Baum wegen der Gefahr fallender Äste ganz zu fällen, wird der Strunk belassen, wo sich die Larven des Juchenkäfers durch die zerfallende Baumsubstanz fressen kann. Ob der Baumstamm auch wirklich von Juchtenkäferlarven besiedelt sei, wird untersucht, sobald es etwas wärmer ist und sich Aktivitäten allfälliger Larven bemerkbar machen, sagt dazu Pro Natura. Weiter südlich steht bereits ein zum Strunk zurückgeschnittenes Exemplar, dessen Krone vom Sturm Lothar 1999 abgerissen worden war. Dieser Strunk mit dem zerfledderten Hinweisschild auf den seltenen Käfer soll hingegen nun entfernt werden, da dort keine Käfer mehr zu finden sind. «Und dort nehmen wir eine Ersatzpflanzung vor», erklärt Patrick Schärer, Chef des städtischen Werkhofs.

Juchtenkäfer oder Eremit (Osmoderma eremita)

Juchtenkäfer oder Eremit (Osmoderma eremita)

Noch zwei andere Standorte?

In Sachen Juchtenkäfer sei man seitens von Pro Natura sowie auch vom kantonalen Raumplanungsamt aufgrund der Liste von zu fällenden Stadtbäumen auf sie zugekommen, bestätigen sowohl Schärer als auch Stadtgärtner Martin Geissbühler. Und so werde nun die alte Linde statt gefällt und durch einen neuen Baum ersetzt lediglich auf einer Höhe von rund sechs Metern gekappt. «Der Baum treibt noch seitlich aus, bildet jedoch keine neue Krone mehr», hält der Stadtgärtner dazu fest. Pro Natura werde den Strunk beobachten, und falls vom Käfer keine Spur zu finden sei, «kommt er halt weg», meinen die beiden Werkhof-Vertreter. Wobei die rare Spezies der Juchtenkäfer nicht unbedingt nur gerade in der Fegetz-Allee zuhause sein muss. «Es könnte auch sein, dass er in der Steinbrugg-Allee sowie droben am Königshofweg oder in der Kreuzen vorkommt», mutmasst Patrick Schärer. Und dort oben würde des Käfers zweiter Name wohl auch besser passen: Eremit.