Akademie der Generationen

Selbst Königin Marie-Antoinette war dem Solothurner verfallen

Das Porträit von Viktor Besenval in seinen Memoiren

Das Porträit von Viktor Besenval in seinen Memoiren

Max Wild referierte in der Akademie der Generationen über das Leben des Solothurner Staatsmannes Peter Viktor Besenval. Dabei kamen einige interessante Details ans Licht.

Max Wild unternahm es, in der Akademie der Generationen einem zahlreichen Publikum das Leben und Wirken des Solothurner Staatsmannes Peter Viktor Besenval näherzubringen. Es war keine trockene Geschichtsstunde, denn Wild verstand es, ein lebendiges Bild Europas im 18. Jahrhundert zu zeichnen. Sein Vortrag war zudem reich illustriert. Ein Glück, dass die technischen Probleme bei der Bildwiedergabe in letzter Minute gelöst werden konnten. Die markanten Gebäude, welche die Familie Besenval Solothurn hinterlassen hat, das Schloss Waldegg und das Palais Besenval bildeten denn den anschaulichen Beginn und Schluss des Referates.

Mehr in Paris als in Solothurn

Peter Besenval, Enkel des Schultheissen und Erbauers der Waldegg Johann Viktor I., wurde am 14. Oktober 1721 auf Schloss Waldegg geboren. Sein Vater, Johann Viktor II., und seine Mutter, Gräfin Katharina Bielinska, hielten sich auf der Reise zwischen Warschau und Paris dort auf. Während die Eltern an den französischen Hof reisten, verblieb Peter in der Obhut Verwandter in Solothurn, bis er im Alter von viereinhalb Jahren von seiner Mutter nach Paris geholt wurde. Fortan blieb er in Frankreich und sprach in der Folge nicht mehr deutsch. Trotzdem wurde er Grossrat von Solothurn. Als er nach einer Armeereform den Söldnerbestand verkleinerte und Solothurner Patrizier ums Einkommen brachte, trübte sich das Verhältnis zu seiner Heimatstadt und er verlor vorübergehend seines Ratssessels. Letztmals weilte er 1777 anlässlich der Bündniserneuerung mit Frankreich in Solothurn. Obwohl er feudale Wohnsitze in Frankreich hatte, betrachtete er die Waldegg als seine Heimat, was sich in verschiedenen Porträtbildern niederschlug, in denen die Waldegg ersichtlich ist.

Karriere als Schlachtenlenker

Vom Vater in eine militärische Karriere gedrängt, wurde er der erfolgreichste Heerführer der Besenvals. Mit neuneinhalb Jahren begann seine Ausbildung in der Kaserne La Grange-Batelière, elfjährig war er Fahnenjunker und mit dreizehn zog er erstmals in eine Schlacht im Dienst der Rheinarmee bei Philippsburg. Es gab 30 000 Tote, doch Besenval kam heil davon. Frankreich war in drei europäische Kriege mit wechselnden Allianzen verwickelt, nämlich in den polnischen und österreichischen Erbfolgekrieg sowie in den Siebenjährigen Krieg. So beteiligte sich denn Besenval an Schlachten in einem Gebiet zwischen Flandern und Leipzig. Bei der Eroberung von Kassel durch die Franzosen führte er das Kommando. Seine militärische Laufbahn führte steil nach oben bis zum Generalinspekteur der Schweizer und Bündner Truppen in Frankreich.

Und Herzensbrecher bei Hofe

Daneben genoss der offensichtlich smarte Offizier die Gunst der Damenwelt. Die Schauspielerin Mademoiselle Clairon, für deren Gunst hohe Adelige sich ruinierten, schrieb ihm herzzerreissende Liebesbriefe. Eine Affäre hatte er auch mit der Duchesse de Polignac, die er «als schönste aller Frauen» bezeichnete. Seit seiner Jugend war er mit Philippe de Ségur befreundet. Dieser verlor bei der Schlacht bei Lauffeldt einen Arm. Besenval, Ségur und dessen Gattin führten eine offene Beziehung, und allen war klar, dass Besenval und nicht Ségur der Vater von Ségurs Sohn war. Peter Besenvals Mutter und die Gattin Ludwigs XV. waren Cousinen, so dass er zu den Höflingen gehörte. Deshalb zählte er auch zum engsten Kreis, den die junge Königin Marie-Antoinette um sich scharte. Obwohl deren Mutter, Kaiserin Maria-Theresia, sie vor Besenval warnte, blieb er ein enger Freund der Königin und nahm über sie Einfluss auf die Ernennung der Minister durch Ludwig XVI.

In Haft und vor Gericht gestellt

Das kam ihm in seinen letzten Lebensmonaten zugute, als der zum Finanzminister berufene Genfer Jacques Necker sich für Besenval einsetzte und einen Freispruch erzielte. Peter Besenval war nämlich bei Ausbruch der Französischen Revolution zwischen die Fronten geraten. Er wollte als Stadtkommandant von Paris wohl eine Eskalation vermeiden, musste nach dem Sieg der Revolutionäre fliehen, wurde festgenommen und vor Gericht gestellt. Er starb 1791 und musste das Ende der Monarchie nicht mehr erleben. 1805 veröffentlichte sein Sohn seine Memoiren, die grosses Aufsehen erregten.

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