Es sind bloss ein paar Schritte auf der Römerstrasse, entlang der Aare und durch den Nieselregen, der an diesem kühlen Samstagnachmittag kurz vor zwei Uhr fällt. Wenige Schritte bis zur Hausnummer 32, wo das Tor zum Hof weit offensteht. Ein älterer Herr mit Hut lacht laut heraus, während er das Grundstück betritt. Der Anblick ist in der Tat vergnüglich: Ein kleines Schloss mit Turm, umzingelt von Heerscharen beschirmter Menschen. Wie Belagerer mit hundert farbigen Schilden sehen sie aus.

Lieber den Lift nicht gebaut

Der Aarhof, 1939 unter Denkmalschutz gestellt, wird überrannt und gestürmt am Tag des Denkmals. Und dies aus gutem Grund. Seit vergangenem Dezember wird das spätgotische Sommerhaus renoviert und zu einem Ärztehaus umgebaut, nachdem es 16 lange Jahre brachgelegen hatte. Heute ist der Tag, an dem Orthopädie-Facharzt und Hausherr Andreas von Roll zur Besichtigung seiner Baustelle eingeladen hat.

Es ist kurz nach zwei; die Besucher werden in Gruppen eingeteilt. Unter den Bäumen beim Parkplatz stellt sich Architekt Marcel Hügi einem Teil der Schloss-Belagerer vor. Schirme rascheln, während man näher zusammenrückt. Hügi erzählt von verflossenen Umbauprojekten, die an den Ansprüchen der Denkmalpflege abgeperlt sind. Er spricht über die rollende Planung, die dem Umbau zugrunde liegt, über Bausubstanz und Statik, die man immer wieder neu zu beurteilen hatte, und über den Lift, den er am liebsten nicht gebaut hätte.

«Vernünftig Gas gegeben»

«Wir haben den Liftschacht gut versteckt, sodass er nur im ersten Stock sichtbar ist, im zweiten und im Erdgeschoss aber nicht», sagt der Architekt. «Natürlich hätten wir in einem 400-jährigen Haus einen Aufzug lieber vermieden, aber für eine Orthopädie-Praxis auf zwei Stockwerken ist das keine Option.» Spass am Projekt hat Hügi dennoch, das sieht man ihm auch an. Zwar sei das Budget nicht grenzenlos, aber man habe doch viele Ideen verwirklichen können. «Wir haben vernünftig Gas gegeben.»

Schöne Aussichten

Durch den Hintereingang betritt die Gruppe den Aarhof. Die Gänge und Treppen sind eng; der Besucherstrom fliesst nur gemächlich vor sich hin. Die Holzböden sind abgedeckt und es riecht nach Farbe, in einem Zimmer brennt ein Kaminfeuer. Von medizinischen Installationen sieht man noch nicht viel. Im ersten Stock wurde eine Wand herausgerissen, die Balken wurden etwas verschoben, die Querbalken hochgesetzt, weil sie zuvor auf Kopfhöhe waren. Hier öffnet sich der Raum auf angenehme Weise. Es ist der künftige Empfang mit dem sichtbaren Liftschacht.

Auf dem Weg zum Turmzimmer wird es wieder eng, doch die Aussicht auf die Aare und die gegenüberliegende Schiffländte machen die Wartezeit beim Aufstieg wett. Ein sanfter Wind bläst durch die scheibenlosen Fenster, das Solothurner Banner an der Fassade bläht sich auf, und der Geruch von Holzfeuer erfüllt den Raum. Die Belagerer sind begeistert. «Es ist voll hier drin, aber ich konnte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, dieses Schlösschen einmal von innen zu sehen», sagt eine Besucherin.

Ein Glücksfall für das Gebäude

Im Erdgeschoss haut Urs Bertschinger von der kantonalen Denkmalpflege in dieselbe Kerbe. «Geniessen Sie die Besichtigung, bald kann man hier nur noch als Patient rein», witzelt er. Sein Fazit für das Umbauprojekt: «Es ist ein Glücksfall für das Gebäude, dass hier ein Ärztehaus entsteht. So sind viel weniger Eingriffe nötig, als wenn man daraus Einzelwohnungen gemacht hätte.» Draussen vor dem Haus nieselt es noch immer, während die Kinder des Bauherrn Sonnenblumen an die scheidenden Gäste verteilen.