Vor exakt 40 Jahren liess sich in Solothurn ein junges Ehepaar nieder, das sich einen Monat zuvor im aargauischen Zofingen das Jawort gegeben und Grosses vorhatte. Wie viele andere junge Leute waren sie begeisterte Kinogänger, und der junge Mann hatte im Kino seiner Grosseltern als Allrounder bereits einige praktische Erfahrungen in diesem Metier gesammelt. «In einem Kino zu arbeiten, war für mich ein Bubentraum, und alles, was damit zusammenhing, interessierte mich», erzählt denn auch Kinobesitzer Heinz von Gunten, der mit seiner Ehefrau Maya den grossen Schritt ins Ungewisse wagte.

Jung und risikofreudig übernahmen sie von den Gebrüdern Zaugg die Kinos Palace und Capitol, zwei traditionsreiche Lichtspielhäuser – das eine im ehemaligen Zunfthaus zu Schützen an der Hauptgasse 57, das andere in der Vorstadt neben dem ehemaligen Café-Restaurant Emmenthal.

Als «Emil» abwinkte

Bereits wenige Jahre später kam es zwischen den damaligen Besitzern und dem jungen Paar zu Verkaufsverhandlungen, und 1980 gingen die beiden Kinos in den Besitz des Ehepaares von Gunten über, das inzwischen bereits für Nachwuchs gesorgt hatte. «Die Preisverhandlungen waren hart, aber schliesslich konnten wir uns einigen», erinnert sich Heinz von Gunten. Als potenzieller Käufer stand auch der Kabarettist Emil Steinberger auf der Liste, der zu jener Zeit mit seinem Atelier-Kino in Luzern Furore machte. Doch «Emil» winkte ab. Trotzdem war er 1978 als Schauspieler im Film «Die Schweizermacher» in den von Gunt’schen Kinos während Wochen präsent. Wie Heinz von Gunten betont, gab es in den letzten 40 Jahren keinen anderen Film, der so viele Besucher anzog wie dieser, nämlich «mehr, als Solothurn damals Einwohner hatte».

Obwohl sich das Kino 1972 in einem Tief befand, schafften Maya, die sich, wie es sich für die Frau eines Kinobesitzers gehörte, an der Kasse betätigte, und Heinz von Gunten den Turnaround. «Das Kino lebt, obwohl ihm immer wieder der Tod prophezeit wurde und die Branche viele Hochs und Tiefs zu verkraften hatte», zieht der erfolgreiche Kinobesitzer Bilanz. Trotz Fernsehen, Videos, DVDs, Teleclub und Parabol-Schüsseln habe das Kino überlebt und sei ein Publikumsmagnet geblieben.

Dies sei einerseits der grossen Leinwand zu verdanken, anderseits sei ein Kinobesuch in der Regel in ein Abendprogramm eingebunden. «Der Vorstellung folgt meist noch ein Restaurantbesuch, wo über das Gesehene diskutiert und die Geselligkeit gepflegt wird.» Zudem sei ein Kinobesuch immer noch für alle Leute erschwinglich. Und von einer Kinoflaute im Sommer kann heute nicht mehr die Rede sein. «Gerade in dieser Zeit kommen die grossen Filme in die Kinos, weil die Amerikaner vor der Sommerhitze in die klimatisierten Kinosäle flüchten», weiss Heinz von Gunten.

Stets muss Neues geboten werden

Den Turnaround schaffte das Ehepaar von Gunten aber auch dank den Solothurnerinnen und Solothurnern, die, von den Filmtagen geschult, sehr anspruchsvoll seien und häufig ins Kino gingen. Trotzdem muss dem Publikum stets auch Neues geboten werden. Seniorenkino, Kinderkino Zauberlaterne, Ladies Nights, das sind nur einige Beispiele, die in den letzten Jahren auch in Solothurn auf grosse Beliebtheit stiessen. Die wohl grösste Konkurrenz erwachse den kleinstädtischen Kinos heute mit den Multiplex-Kinos, wie sie in grösseren Shopping-Centern anzutreffen seien, weiss Heinz von Gunten und hat darüber eine klare Meinung: «Hier wird nicht mehr die Liebe und Leidenschaft zum Kino gepflegt, sondern das Kino wird instrumentalisiert.»

Wer Kinobesitzer ist, generiert in der Regel keine Ladenhüter. Nach Gebrauch werden die Filme zurückgeschickt oder – im digitalen Zeitalter – nach einer vorgeschriebenen Zeitspanne gelöscht. Umso mehr musste in den vergangenen 40 Jahren immer wieder in die Infrastruktur und die sich laufend verändernde Technik investiert werden, was sehr kostspielig sein kann.

Heute ist es auch in Solothurn möglich, bequem vom Wohnzimmersessel aus seinen Platz im Kino zu reservieren und gleich noch das Billett ausdrucken. Was die Zukunft des Kinos betrifft, steht in den Sternen. Heinz von Gunten ist optimistisch: «Wenn man zurückschaut, darf man zuversichtlich sein.»

Inzwischen arbeiten auch die erwachsenen Kinder Bettina, Romana und Mark mit unterschiedlichen Pensen im Familienunternehmen mit. «Jedes Familienmitglied hat sein Spezialgebiet», freuen sich die Eltern über ihr kleines KMU.